Roland Dürre
Mittwoch, der 17. August 2011

Algo-Trading

Warum die Börsenkurse immer weniger sinnvolle Indikatoren von irgendwas sein können …

Schon vor einem Jahr hat mir ein Freund stolz erzählt, dass er Aktien nur noch über eine Bank handelt, die Algo-Trading macht. Man müsse nur einem strengen Algorithmus (System) den Kursschwankungen folgend zukaufen und wieder verkaufen. Dies über alle im DAX gelisteten Papiere, entsprechend ihrer Bedeutung gewichtet. Wichtig sei nur, spekulatives Eingreifen konsequent zu vermeiden.

Da könne man rechnerisch nichts verlieren und nur gewinnen, weil der Aktienkurs trotz seiner Schwankungen letzten Endes doch langfristig immer steigen würde. Und wenn wirklich der Totalabsturz käme, dann wäre eh alles „futsch“. Wie mir scheint, eine bestechende Logik.

Nur, mittlerweile lese ich, dass schon mehr als 50 % der Umsätze an den Börsen über Algo-Trading laufen. Und dann lese ich immer, was alles in Börse reininterpretiert wird. Das Rating der USA, die Wirtschaftszahlen von irgend woher, die Rede eines Politikers, die Situation in den europäischen „Schuldenländern“ …

Heute morgen ging die Spekulation zum Beispiel so [ARD]:

Steuerpläne treten Verkaufswelle los

Rückläufige BIP-Daten aus der Eurozone, schwache Vorgaben aus Übersee und ein enttäuschendes Gipfeltreffen in Paris haben den Dax am Morgen kräftig ins Minus gedrückt …

Nur – beim Algo-Trading spielt und darf das alles keine Rolle spielen. Das bedeutet aber nach meiner Logik, dass das ganze Bewerten der Kurse mittlerweile nur noch rhetorische Phantasie ist und die Kurse mit irgendeiner Realität überhaupt nichts zu mehr tun haben. Denn Algo-Trading entwickelt eine ganz neue – ich nenne sie mal – „mathematische Realität“. Und die dürfte wie alles Systemische zur Verselbstständigung und Ablösung von Realität neigen.

Also:
Viel Spaß beim Spekulieren!
Aber bitte ohne mich.

RMD

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1 Kommentar zu “Algo-Trading”

  1. Chris Wood (Mittwoch, der 17. August 2011)

    I remember, about 50 years ago, Leonard Barden (British chess champion 1954, still living), organised a small group of chess players to try to devise a stochastic algorithm to predict share movements. They did not become rich!

    Algorithmic prediction of share movements is inherently self-defeating in the spirit of Gödel’s theorem. I mean that if one knows what algorithm is being heavily used, one can devise a new algorithm that wins money from users of the old one. Since millions of professionals trade in shares, (as well as all the amateurs), the current „best“ algorithm changes at least every millisecond. I assume that the Algo-Trading algorithm changes very often. But if one knows the algorithm that decides how to change it, one can devise an algorithm that beats this too. The whole thing is recursive.

    My conclusion is that to profit from investment one needs inside information, or very good full-time work coupled with luck. The government anyway tries to make it very difficult to profit from speculation.

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