Roland Dürre
Montag, der 1. März 2010

Phaeton

Jetzt ist „der Fall“ oder „das Ereignis“ Margot Käßmann schon wieder über eine Woche alt. Die Medien schreiben aber weiter darüber. Gestern gab es gleich drei Kommentare mit der Überschrift „Käßmann“ untereinander auf einer einzigen Seite in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Sollte wohl ein Gag sein.

Zur Erinnerung für die, die es schon wieder vergessen haben. Frau Käßmann war die Inhaberin des höchsten Amtes der evangelischen Kirche in Deutschland. Mit ihrem Auto fuhr sie mit mehr als 1,5 Promille über eine rote Ampel und wurde dabei prompt erwischt. Davon war sie selbst so entsetzt, dass sie ein paar Tage später von ihrem Amt zurück trat.

Mich hat das getroffen. Ich suche Menschen, die Vorbilder sein können. Die das Zeug zur Elite haben. Einer Elite, die Werte auch in einer verwirrenden Zeit hoch hält und weiter gibt. Frau Käßmann steht im Rampenlicht der Öffentlichkeit und scheint mir so ein Mensch zu sein.

Und dann passiert ihr ein Fehler, dem man Vernunft begabten Menschen in ihrer Position nicht zutraut. Das hat mich traurig gemacht.

Zu allem Überdruss habe ich gestern in der  FAZ am Sonntag gelesen, dass ihr Dienstwagen ein Phaeton war. Und da wurde mein Bedauern von Verwunderung abgelöst. Was bringt eine Dienerin der Kirche dazu, den Sonnenwagen Phaeton als Dienstwagen zu fahren, der schon in der griechischen Mythologie eine zweideutige Rolle gespielt hat?

Spitzenmanager oder -politiker brauchen zum Ausüben ihres Amtes keine Luxuslimousinen. Diese Fahrzeuge sind Symbole der Macht. Sie zeigen, dass man es geschafft hat und wie wichtig man ist.

Warum stattet also eine evangelische Kirche, die vom Geld ihrer Gemeinde lebt, ihre Spitzenmanager mit Luxuslimousinen aus? Oder hat Wolfsburg das Auto gesponsert? Für das Image dürfte beides kontraproduktiv sein. Gerade für die evangelische Kirche, die offensichtlich Wasser predigt und Wein trinkt. Und warum lehnt eine Frau wie Margot Käßmann so ein Auto nicht ab? Oder verzichtet ganz auf den Dienstwagen. Damit hätte sie ein Zeichen gesetzt!

Der Kärnter Nationalheld Haider hat auch einen Phaeton gefahren. Zur Erinnerung: Das war der Mann, der soviel Gutes für sein Land getan (Verkauf der Hypo-Adria an Bayern) und ganz volkstümlich auch gerne mal etwas mehr getrunken hat.

Ihm hat sein Phaeton aber letzten Endes auch nichts genützt.

RMD

1 Kommentar zu “Phaeton”

  1. Andreas Essing (Mittwoch, der 3. März 2010)

    Zustimmung !! Das Fr. Käßmann Phaeton fuhr, hat mich auch sehr gewundert.

    Liebe Grüße Andreas

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