Roland Dürre
Sonntag, der 23. September 2012

Anderes China (III)

Beim Essen ist alles ist erlaubt. Außer das Essen an zufassen. Muss man das, dann streift man sich besser vorher dünne Plastik-Handschuhe über die Hände.

Taschentücher werden edel verpackt an den Tisch gebracht. Nach dem Mahl sieht der Tisch aber aus wie ein Schlachtfeld. Alle Abfälle werden da einfach abgelegt. Und da vieles in China „komplett“ auf dem Tisch kommt, wie das Huhn mit Kopf und Krallen oder der ganze Fisch, kann man sich vorstellen, wie das nachher ausschaut.

Alkohol ist da auch so ein Thema. Da gibt es den geliebten (und gefährlichen) „chinese wine“. Nur ist das kein Wein, sondern ein hochprozentiger Schnaps. Der wird aus gar nicht so kleinen Gläsern getrunken und trägt dann auch Seiniges bei.

Selten habe ich in einem deutschen Businesshotel (vielleicht außer zur Wiesnzeit) so besoffene Menschen erlebt wie immer wieder hier. Die Reaktion der (nüchternen) Chinesen z.B. im Aufzug ist dann immer ganz lustig: Sie werfen sich belustigte aber nicht besorgte oder ängstliche Blicke zu und lachen dezent über das Opfer des Alkohols.

Nicht schön ist der Smog, der fast immer inversiv über den Städten und auch im Umland liegt. Und wenn man die gigantischen Hochhäuser, Straßen, Bahnhöfe und Werke hier erlebt, dann kann man sich den Energiehunger und den Durst nach elektrischen Strom des Landes gut vorstellen.

Ein wesentlicher Teil des Stroms kommt in China aus Kohlekraftwerken, die zum wesentlichen Teil wohl auch mit Braunkohle betrieben werden. Ich habe gehört, dass zurzeit in China jeden Tag ein weiteres großes Kohlekraftwerk ans Netz geht. Wenn ich dann noch die vielen Autos und LKW dazu nehme, dann wundere ich mich nicht mehr, dass ich die Sonne eigentlich nur an einem Tag in China in der von zu Haus gewöhnten Helle gesehen habe.

Aller Orten wimmelt es nur so von Menschen. Das Leben findet in Öffentlichkeit statt. Hier wird gesessen, gegessen, geredet, gespielt, geturnt. Im Park oder in den Fußgängerbereichen tanzen die Menschen zu mitgebrachten Wiedergabegeräten in kleinen oder zu dröhnenden Lautsprechern in großen Gruppen.

Und es wird viel stramm gestanden in China. Gruppen aller Art, militärisch oder zivil, treten immer wieder zum Salut an. Ob das die Belegschaft eines Lokals ist, das auf die Abendschicht eingeschworen wird oder das Personal im Museum.

Die alten Leute folgen beim Ausflug ihrem Führer vorbildlich in Zweierreihen, bei großen Gruppen sogar in Viererreihen.  In einer Präzision, wie das kein deutscher Kindergarten mehr so hinkriegen würde.

Alles scheint immer in Bewegung. Ein großer, nicht abreißender Menschenfluss, der im großen Chaos zu versinken scheint.

Soweit mal meine Eindrücke. Könnte noch viel mehr Besonderheiten berichten, mache jetzt aber mal Schluss.

RMD

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