Roland Dürre
Sonntag, der 10. Oktober 2010

Angst II – schnöder Mammon.

Vor der Weltwirtschaftskrise und ihren möglichen Folgen braucht man keine Angst zu haben. Habe ich geschrieben und zu diesem Artikel einiges an Widerspruch bekommen. Denn in Wirklichkeit wären Weltfinanz- und Weltwirtschaftkrise ganz schreckliche Bedrohungen, die man unbedingt ernst nehmen müsse.

Jetzt ist die Wirtschaftskrise (angeblich) vorbei. Gleichwohl fühle ich bei vielen Menschen eher noch steigende Angst.

Warum eigentlich? Wir haben doch gut für unsere Zukunft vorgesorgt?

Viele Menschen gerade in meinem Alter sind wohlhabend. Sie bewohnen ihre eigene, schuldenfreie Immobilie. Oft kommt dann noch eine wenig genutzte aber doch beeindruckende Ferienwohnung dazu. Das sonstiges Vermögen ist gut angelegt und mehrt sich durch Mieten, Kursgewinne und Zinsen ganz von selbst. Und ab und zu kommt noch eine Erbschaft dazu.

Aber – es stimmt eben doch nicht alles:

Die Ferienwohnung macht mehr Mühe als Freude. Und ist meistens so weit weg, dass man sie nur mit dem Flieger erreichen kann. Und liegt vielleicht auch noch in einem Land, das bedroht ist von Klimaveränderungen oder politischer Instabilität. Da kann sich schnell etwas ändern.

Das restliche Geld ist überwiegend virtuell angelegt: Auf einem Festgeldkonto, in Aktien, Staatsanleihen, Schuldverschreibungen oder in einem Fonds. Kommt das jemals zurück? Was ist bei einem Crash?

Und wie lange finden sich noch Mieter für die nicht so tolle Wohnung in nicht ganz optimaler Lage? Wo wir in Deutschland doch immer weniger Menschen werden?

Was ist die kleine Rente oder die größere Pension nach Inflation und/oder Staatsbankrott noch wert? Wie lange fließen Betriebsrente und die sonstige Altersvorsorge denn tatsächlich? Und wie viel taugt die Lebensversicherung am Ende noch? Selbst die goldenen Feinunzen kann man nicht verspeisen.

Eine absolute Sicherheit gab es nie. Jetzt wächst auch noch die Unsicherheit!

Eigentlich gibt es nur eins:

Glücklich sein mit weniger Wohlstand.

Aber wahrscheinlich ist man eh mit weniger glücklicher denn mit mehr. Ein makaberes Paradox. Wir laufen dem hinterher, was uns unglücklich macht. Besitz belastet.

Nein, die Angst darf man erst gar nicht rein lassen. Und da hilft nur das Finden einer Sinn gebenden Aufgabe.

RMD

5 Kommentare zu “Angst II – schnöder Mammon.”

  1. kuhn hans-peter (Montag, der 11. Oktober 2010)

    Lieber Roland,

    So langsam schleicht sich der nagende Zweifel bei mir ein.Deine Schreibe ist für mich im besten Fall ironisch provozierend, im schlechtesten Fall ehrlich oder besser redlich, um eine von Dir umhängte Vokabel abzurufen.

    Getreu meiner christlichen, aber nicht religiösen Überzeugung sage ich erstmal „in dubio pro reo“.

    Deine Sebstbeweihräucherung in „Der gute Mensch“ berührte schon extreme Grenzwerte des für mich verträglichen. Was „Angst II“ betrifft schlage ich vor, diesen post zum Unartikel des Jahres zu wählen.

    „Viele Menschen, gerade in meinem Alter, sind wohlhabend.“ Das klingt nicht nur nach bierseeliger Selbstzufriedenheit, sondern ist schlichtweg falsch. Ein knallender Schlag ins Gesicht einer grossen Mehrheit, die ums Überleben kämpft.

    „Glücklich sein mit weniger Wohlstand.“ Berechtigte Aufforderung an eine marginale Minderheit und gnadenlose Verscheisserung aller anderen.

    „Und da hilft nur das Finden einer sinngebenden Aufgabe.“ Nice smalltalk bei Vernissagen und Jubiläen und seichtes Philosophieren einer privilegierten Minderheit.

    Ich gebe einen Stern für die Fleissarbeit und in der Hoffnung, dass doch alles nur provozierend gemeint ist.

    Schöne Woche noch

  2. rd (Montag, der 11. Oktober 2010)

    Lieber Hans-Peter

    ich weiß nicht, ob ich ironisch, zynisch, redlich, unpräzise … schreibe. Und mache mir gar keine Gedanken. Dieser Artikel basiert wohl auf viel Ironie und Zynismus – ist aber auch ziemlich Ernst gemeint. Glaube aber schon, dass ich aufmerksam beobachten kann und mir vieles auffällt. Und ich mir viele Gedanken über das Erlebte mache. Und dass ich gerne Menschen unter Menschen bin.

    In diesem Artikel habe ich über die Ängste von ein paar mir gut bekannten Einzelpersonen (sicher alle einer sehr privilegierten Gruppe angehörend) geschrieben, die ich nicht teile und verstehen kann. Weil ich im inneren glaube und erlebe, dass das alles nicht wirklich und auch letzten Endes nichts wert ist. Obwohl ich gefühlt genauso viel bürgerlichen Schiss habe wie alle anderen.

    Dass eine großen Mehrheit ums Überleben kämpft, kann ich nur global teilen. Für Mitteleuropa gilt das aber nach meiner Meinung aber nur bei ganz, ganz wenigen Menschen.

    Der „Gute Mensch“ war der Vorwurf einer dritten Person an mich. Diese Person kennt mich sehr gut und wollte sagen, dass ich auf einem gewissen Ego-Trip wäre. Ich habe daran nichts geändert, den Artikel nur dahin gehend ergänzt, dass ich meine nichts zu wissen und mein Ich nur den einen Wunsch hat, Frust zu vermeiden und Lust zu erleben.

    Aber weder mein Ich noch mein Es noch mein Überich will gut oder schlecht oder sonst etwas sein. Frust zu vermeiden und Lust mehr zu genießen gelingt mir zwar schon ein wenig besser als mit 18, würde diese Fähigkeit aber gerne noch ein wenig ausbauen.

    Jetzt bin ich gespannt, was Du zu Angst III sagst. Erscheint dann als „Wort am Sonntag“ am 17. Oktober 😉

  3. Enno (Dienstag, der 12. Oktober 2010)

    Sorget euch nicht, lebt!

  4. Chris Wood (Mittwoch, der 13. Oktober 2010)

    Hans-Peter, your criticism is too hard! Roland blogs so much and so varied that we should not hope for him to write clearly.
    At most half the people in the world need to fight for survival, and probably none of those will spend time reading Roland’s blog. There are surely some readers who worry about maintaining their current standard of comfort.
    Roland’s advice to be happy with less is reasonable for them. It may also help those who are really fighting for survival.
    Happiness comes in general from feeling that you are slightly better off than the rest. This is surely a main cause of the comfort we now have. But in this century it may lead to disaster. This is what the (younger) readers should worry about.
    Also if a large proportion of Germans work much less because they are happy with less, this too may lead to disaster.
    The people of the world cannot stay where we are. We must work hard and cleverly for a better future, (if the future interests us).

  5. kuhn hans-peter (Freitag, der 15. Oktober 2010)

    Hi Chris and Roland,

    At least my criticism which Chris qualifies correctly as too hard, clearly brings into focus that you can beat the bush of the IF-blog as violently as you can, all comments will come only out of an exclusive circle, I mean Roland, Enno, Chris, Detlev and myself. This is something we should definitely worry about.

    Have a nice weekend

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