Roland DĂŒrre
Donnerstag, der 6. Oktober 2016

Arbeit und Rente? Geld!

 

🙂   Ich will doch gar nicht arbeiten und Rente kriegen sondern einfach nur Kohle verdienen! 

 

Zeche Sterkade / Sterkade Colliery. This amateur photograph was taken by an apprentice coal mining engineer, Charles Sydney Smith, of Derby, England, on a visit circa 1910-1913.

Zeche Sterkade / Sterkade Colliery. This amateur photograph was taken by an apprentice coal mining engineer, Charles Sydney Smith, of Derby, England, on a visit circa 1910-1913.

Digitalisierung.

Zurzeit bin ich viel in Sachen Digitale Transformation unterwegs. Sowohl in aktiven wie in passiven Rollen. Das meint, dass ich ab und zu darĂŒber rede und viel mehr anderen schlauen Menschen zu diesem Thema zu höre.

Bei den einschlĂ€gigen VortrĂ€gen und Reden zur Digitalisierung, dem anstehenden Wandel und den kommenden Folgen fĂ€llt mir auf, dass da immer viel ĂŒber „ArbeitsplĂ€tze“ gesprochen wird.

Besonders ĂŒber solche, die in naher Zukunft verloren gehen werden. Was nach meiner Meinung aber auch so keiner wirklich und ganz genau weiß.

DĂŒstere Zukunft.

Und dass die Zukunft fĂŒr die meisten Menschen – gerade auch in den entwickelten Gesellschaften – gar nicht so rosig aussehen wĂŒrde. Vielleicht – nicht ganz ĂŒberraschender Weise – wird dann auch immer ĂŒbers BGE (bedingungslose Grundeinkommen) gesprochen bzw. dieses gefordert. Weiter höre ich, dass es fĂŒr die nicht-digitalen LĂ€ndern sowieso ganz schlecht aussehen wĂŒrde.

Immer wenn ich Arbeitsplatz höre, dann kommen mir „ketzerische Gedanken“. Ein zentraler Punkt ist, dass ich eigentlich nie arbeiten wollte. NatĂŒrlich haben mich spannende Aufgaben gereizt. Meine „Arbeit“ nach diversen Aushilfs-TĂ€tigkeiten als Baby-Sitter, Nachhilfe-Lehrer, bei einer Spedition, als Nacht-ParkwĂ€chter oder in einer Putzkolonne war ja ab Anfang 20 das „Programmieren“, das mir aber auch immer ein Hobby war.

Alle reden von ArbeitsplÀtzen und BGE.

Nein, ich wollte nicht arbeiten und auch keinen Arbeitsplatz bekommen. Ich wollte Geld verdienen. Genug um meiner Familie und mir einen guten Lebensstandard zu verschaffen. Und dass möglichst einfach und ohne zu große Anstrengung. Und ich wollte auch immer genug „Freizeit“ haben, um mich mit Dingen zu beschĂ€ftigen die mir jenseits meines „Handwerks“ wichtig waren, wie „die Familie“ und „das Leben an sich“.

So habe ich mich gefragt, auf welche Art man in diesem Lande Geld eigentlich verdienen kann. Es gibt da legal wohl nur zwei Möglichkeiten:

Der Angestellte.

Entweder bin ich bei einer Firma angestellt – und bekomme ein „Gehalt“. Dann habe ich einen „Arbeitgeber“ und (mindestens) einen „disziplinarischen Vorgesetzten“ – man betrachte die eigentĂŒmlichen Begriffe. Und oft ist man dann Teil eines oft genauso eigentĂŒmlichen sozialen Systems.

Der SelbststÀndige.

Wer nicht „angestellt“ sein mag, der muss etwas tun, fĂŒr das er Rechnungen stellen kann. Dann ist er ein „SelbststĂ€ndiger“ und hat die Chance, ein klein wenig weniger vom System des Arbeitgebers vereinnahmt zu werden. Was auch schon ein Wert ist.

Es gibt also die Kategorien „Angestellte“ (frĂŒher gab  es da auch noch Arbeiter) und „SelbststĂ€ndige“. SelbstĂ€ndiger kann ich sein, indem ich entweder ein sogenannter „Freiberufler“ bin oder ein Unternehmen grĂŒnde. Das Leben ganz allein als Freiberufler erschien mir persönlich als sehr (zu) riskant – deshalb habe ich mich entschieden, mir einen Partner zu suchen und ein Unternehmen zu grĂŒnden.
🙂 Denn das Angestellten da sein war wirklich „boring“.

Die Rechtsform.

Um ein Unternehmen zu grĂŒnden, muss man sich fĂŒr eine Rechtsform entscheiden. Mögliche Rechtsformen sind die GbR (Gesellschaft bĂŒrgerlichen Rechts). Dazu zĂ€hle ich die OHG (offene Handelsgesellschaft) und Partnerschaften wie sie gerne von RechtsanwĂ€lten, SteuerprĂŒfern, Beratungsgesellschaften etc. gebildet werden. Die wĂŒrde ich wahrscheinlich bevorzugen, wenn ich wieder einmal eine Firma grĂŒnden sollte.

Weitere Rechtsformen sind die klassische GmbH (Gesellschaft mit beschrĂ€nkter Haftung) und ihre modernen BrĂŒder (Europa-GmbH, UG …), Genossenschaft und Aktiengesellschaft (AG). Die Mischformen wie KG & Co etc sind fĂŒr meine Betrachtungen hier nicht relevant.

Eine dritte Variante neben „Arbeiter/Angestellter“ und „SelbststĂ€ndiger“ ist der Beamte. Auf den möchte ich nicht eingehen, da er a) eine Minderheit ist und b) zumindest was die ĂŒppige Altersversorgung betrifft völlig aus der Rolle fĂ€llt.

So kommen wir zur Rente. Die „Angestellten“ zahlen – unterstĂŒtzt von den „Arbeitgebern“ – viel Geld in die Sozialversicherung, um spĂ€ter Rente zu bekommen. Die Konstruktion des „Renten-Systems“ beruht auf SolidaritĂ€t und hat wie alle solche Systeme eine Ambivalenz. Jeder meint, er wĂŒrde zuviel einzahlen und zu wenig rauskriegen.

Die Rente.

Die Rente wird gerne schlecht gemacht, weil sie ein unteroptimal scheinendes Preis-Leistungs-VerhĂ€ltnis hat. Dabei wird vergessen, dass bei disruptiven Ereignissen wie z.B. dem zweiten Weltkrieg oder dem Beitritt der DDR zur BRD die Rente oft das einzige System war, dass die Menschen ĂŒber die DisruptivitĂ€t hinaus weiter versorgt und nicht versagt hat.

Das schlechte Preis-Leistungs-VerhĂ€ltnis hat auch nicht nur die Rente sondern auch die privaten Vorsorgemaßnahmen wie Sparen, Abschluss einer Lebensversicherung oder die unglĂŒcklichen staatlich-privaten Konstrukte wie die Riester-Rente. Das frĂŒher starke Mittel der Betriebsrente als wertvolle ErgĂ€nzung zur staatlichen Rente ist mittlerweile ein Instrument aus der Vergangenheit.

Die Sozialversicherung.

Immer mehr Menschen wollen „freiberuflich“ arbeiten, um die hohen SozialversicherungsbeitrĂ€ge zu vermeiden. Staat und Rentenversicherung mögen das gar nicht – sie legen deshalb die HĂŒrden sehr hoch. Und treiben die Freiberuflichkeit mit Regeln und Gesetzen wie AÜG in die Enge und sogar in die IllegalitĂ€t. Die Gesetzeslage und ihre -Handhabung sind widersprĂŒchlich und es gibt da viel Unsicherheit. Grauenhaft.

Dabei gibt es ja auch eine – zwar absurd erscheinende – aber absolut effiziente und legale Methode, SozialversicherungsbeitrĂ€ge zu vermeiden. Freiberufler mĂŒssen sich nur zu einer Aktiengesellschaft zusammen schließen und sich alle zu VorstĂ€nden der Gesellschaft machen. Dann sind sie nicht nur von der Sozialversicherung befreit – nein sie ist ihnen sogar verwehrt. Und das völlig legal und nach aktuellem Gesetzesstand wohl unangreifbar. Eigentlich fĂŒr gesunden Menschenverstand unfassbar.

Immer weniger qualifizierte TÀtigkeiten.

Die Vorhersagen von den vielen schlauen Menschen, denen ich zugehört habe, sagen uns, dass die „qualifizierten“ Aufgaben immer weniger werden und dass das „Dienstleistungs-Proletariat“ stark wachsen wird. Die DurchlĂ€ssigkeit durch Bildungsschichten geht immer mehr verloren Das heißt, dass in Zukunft die qualifizierten Menschen immer mehr aus der Oberschicht kommen. Das sind dann auch die typischen Erben. Die brauchen kein Einkommen mehr und können so wirklich „aus Spaß an der Freude“ arbeiten und Zeit in schöne Dinge investieren, um dann in Zukunft vielleicht mal so richtig zu profitieren. Oder eben nicht.

Umsonst arbeiten.

Und es werden immer mehr Menschen, die qualifiziert wirken aber umsonst arbeiten. Damit meine ich Menschen, die es „for free“ machen. Und zwar meine ich hier nicht die vielen Ehrenamtlichen wie sie in Vereinen und in der Gesellschaft wirken. Und auch nicht die ausgebeuteten jungen Leute der Generation „Praktikum“.

Sondern junge und alte Menschen, die etwas fĂŒr die Zukunft machen, ohne Vertrag und ohne Rechnungstellung. Ich bin auch so einer. Ich meine, dass ich einiges bewege und versuche, Menschen und Unternehmen zu helfen, glĂŒcklicher und erfolgreicher zu werden.

Aber eben nicht gegen Geld. Sondern weil ich hoffe und weiß, wie viel davon zurĂŒck kommt. Und ich die Gewissheit in mir trage, dass ich dabei soviel Kontakte und Wissen gewinne, dass das irgendwann mal so richtig Geld bringen wird, also sich auch monetĂ€r lohnen wird. Wenn ich z.B. in das richtige Start-Up investiere oder eine große Rechnung schreiben kann, fĂŒr einen wesentlichen Mehrwert, den ich erbracht habe. Und so die Arbeit zu einem spannenden und schönen Spiel wird.

Ich kenne da eine Reihe von Menschen, die das auch so machen. Die sind oft jĂŒnger als ich. Sie machen unentgeltlich einen Super-Job. Weil sie wissen, dass es sich frĂŒher oder spĂ€ter auch materiell lohnen wird. So kenne ich auch junge Unternehmer, die ihre GrĂŒndung eines Start-ups sehr ernst nehmen und mit großem Engagement diesen voran bringen. Die sich aber ĂŒber ihren Lebensunterhalt ĂŒberhaupt keine Gedanken machen – weil sie z.B. als Erben Kohle genug haben.

Keine rosigen Aussichten?

Das alles dĂŒrfte Zukunft werden – immer mehr arme Menschen, die sich durch die AusĂŒbung sehr einfacher TĂ€tigkeiten so gerade noch ĂŒber Wasser halten können und immer weniger Menschen, die mit oder ohne Einkommen aus ihrer TĂ€tigkeit so richtig Spaß an der Arbeit haben und immer reicher werden. Ehrlich gesagt, wĂ€re das eine Zukunft, die viele Fragen aufwirft und mir Sorgen macht.

Erfolgsrezepte:

Hier noch zwei positive Empfehlungen, wie man am besten Geld verdient:

  • Immer mehr geben als nehmen!
    und
  • Muster brechen!

Dazu schreibe ich dann in BĂ€lde einen weiteren Artikel inklusive einer Empfehlung von Gebhard Borck wie man am besten seinen eigenen Preis (Wert) finden kann …

RMD

P.S.
Sehr lesenswert dazu sind in Wikipedia die Artikel zu Industrialisierung und Digitalisierung.

So ist das Foto auch aus Wikipedia und zwar von AspdinOwn work by uploader (own original personal amateur photograph by ancestor). Es zeigt die Zeche Sterkrade, das Foto ist zirka von 1910–1913, freigegeben unter CC BY-SA 3.0.

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