Roland Dürre
Donnerstag, der 18. Mai 2017

Armeen im allgemeinen und die Bundeswehr im besonderen.

Über Krieg und FRIEDEN.

 

Friedlich sein Bier trinken zu können ist ein großer Wert.

Zurzeit liest man wieder viel über die Bundeswehr. Da stößt einiges plötzlich wieder auf, altbekanntes wird entdeckt und Frau van der Leyen will das jetzt reparieren. Mit Dingen wie einem „neuen Traditionserlass“ und ähnlichem. Sogar über die Wiedereinführung von Wehrpflicht wird wieder gesprochen. Mir graut!

Das wird aber alles nichts helfen. Denn jede Armee kippt früher oder später um, spätestens im Ernstfall. Weil Armeen nur mit Menschen funktionieren, die in der Lage sind, Menschlichkeit auszublenden.

Krieg lebt immer von Hass und Feindschaft. Er bringt Mord und Totschlag, sinnlose Zerstörung und Vernichtung. Die Soldaten sind die Handlanger, die den Krieg umsetzen.

So artikuliere ich hier drei Thesen, die zeigen, dass die Bundeswehr nicht so funktionieren kann, wie es uns verkauft wird. Alle drei Thesen sind nicht nur angesichts der aktuellen Ereignisse und Diskussionen relevant. In der öffentlichen Diskussion höre ich sie aber nie. Weil sie uns zeigen würden, wie sinnlos Krieg ist. Und das will die Politik weltweit nicht, nicht zuletzt auch deshalb nicht, weil es die Waffenindustrie nicht will.


Erste These

Eine Armee ist und kann kein „normales“ Unternehmen sein.

Die Bundeswehr wird von der Politik oft so dargestellt, als ob ein normales Unternehmen wäre, das Sicherheit produziert. Das ist sie aber nicht. Denn: Ein Unternehmen wird definiert als ein soziales System mit einem ökonomischen Zweck. Dieser wird realisiert durch das Herstellen von Produkten oder das Anbieten von Dienstleistungen, die der Markt (die Menschen) benötigen oder zu brauchen meinen.

Die Bundeswehr ist natürlich auch ein soziales System. Sie hat aber keinen ökonomischen Zweck. Ihre einfache Zielfunktion ist das Zerstören und Töten. Sie rechtfertigt sich aus Angst und tarnt sich unredlich als Dienstleistung für „Sicherheit“. Ihre Existenz wird als selbstverständlich hingenommen – begründet von unausweichlichen „Sachzwängen“. Deswegen wird nicht viel nachgedacht und ihre Notwendigkeit leider nur von wenigen Menschen in Deutschland ernsthaft in Frage gestellt.

Nach dem Krieg gab es den Traum von einem friedlichen Deutschland ohne Militär. Dieser Traum wurde durch die Wiederbewaffnung in den 50iger Jahren schnell zerstört.

Die Begründungen für die Notwendigkeit der Bundeswehr haben sich im Laufe der letzten 60 Jahre immer wieder verändert. Ich beschreib mal, wie ich das so als Zeitzeuge erlebt habe. Beim Restart wurde die Bundeswehr uns verkauft als

    • VERTEIDIGUNGS-ARMEE
      So war die  Wiederbewaffnung ein „zwingend notwendiger Beitrag zur Verteidigung des freien Westens“, der gegen den Willen der Mehrheit der „dummen“ Bevölkerung durchgesetzt wurde.
      Damals war fast die ganze Welt durch extreme FEINDBILDER völlig irrational in zwei Blöcke geteilt. Ich habe in der Schule gelernt (ich bin in der BRD aufgewachsen und hier indoktriniert worden) , dass der von Stalin & Co geknechtete „Osten“  uns, den freien und reichen „Westen“ erobern und den Kommunismus aufzwingen wollte. Zwei Blöcke standen sich in krankem Misstrauen vor Waffen starrend mit aus Millionen Menschen bestehenden Heeren gegenüber, ideologisch und systemisch total verfeindet. Es ging nur KOMMUNISMUS und KAPITALISMUS. Der erstere war ganz schlecht, der zweite das Paradies. Die andere Seite hat das anders herum formuliert.
      In diesen Blöcken gab es zwei so nicht „ganz souveräne Staaten“, die keine Armee hatten. Im Westen war das die BRD, im Osten die DDR. Aufgrund der Feindbilder – ausgelöst durch ANGST – und wahrscheinlich aufgrund des Drucks der „Verbündeten“ beschloss zuerst die BRD, sich wieder zu bewaffnen, die Bundeswehr wurde gegründet. Wenig Jahre später reagierte dann der Osten, in der DDR entstand die Volksarmee. So wurde die „deutsche“ DDR zum unerbittlichsten Feind der „deutschen“ BRD, erweitert um den Warschauer Pakt (UDSSR und Rest), sprich die Welt der Kommunisten.
      Da allen Menschen mehr oder weniger klar war, dass der „Verteidigungsfall“ die neuerliche Zerstörung ganz Europas bedeuten würde kam dieses Modell irgendwann nicht mehr so gut an. So erfanden die militärischen Strategen etwas Neues, die

 

    • VORWÄRTSVERTEIDIGUNG
      Die Illusion wurde vermittelt, dass man den Krieg aus dem eigenen Land fern halten könne und den Feind zerstören (besiegen) könne, bevor man selber Schaden davon tragen würde. Da diese Annahme wenig glaubhaft war, wurde sie gestützt von Dingen wie „totale Abschreckung durch Overkill“ und „Erstschlag-Doktrin“.
      Mich erinnert das ein wenig an die heutige Annahme, dass man mit Kampf-Robotern und Drohnen quasi vom Schreibtisch aus Kriege gewinnen könne – für die „Drecksarbeit“ findet man ja andere …
      Auch die Doktrin der Vorwärtsverteidigung wurde unglaubwürdig. Die Menschen glaubten auch das nicht, der kalte Krieg löste sich auf, Russland (spät-)kapitalisierte sich, Korruption wurde immer hoffähiger, Diktaturen kamen wieder in Mode, Willkür machte sich breit. So suchte man neue „Aufgaben“ für unser Militär und fand sie. Die Bundeswehr wurde Teil der

 

    • WELTPOLIZEI
      Deutschland leuchtete ja wieder. Als wirtschaftliche Weltmacht – so redete man uns ein – mussten wir mehr „Verantwortung“ an der (Neu-)Ordnung dieser Welt übernehmen. So nebenher fiel uns ein, dass wir aufgrund unserer Verschwendungs-Gesellschaft enorm abhängig von Rohstoffen sind und diese aus anderen oft weit entfernten Ländern kommen. Und wir gingen davon aus, dass böse Buben in der Welt uns diese rauben wollen. Das war ein Grund mehr, bei der amerikanischen Weltpolizei mitzumachen.
      Die Grünen und die SPD (!) als Regierende haben so ganz folgerichtig die ersten Auslandseinsätze der Bundeswehr beschlossen. Denn außerhalb Deutschland ist Krieg führen ja nicht so schlimm und kein Tabu. Da darf man ja Menschen töten und Häuser zerstören.
      (Das alleine wäre Grund genug, keine der beiden Parteien jemals wieder zu wählen.)
      So haben wir uns am Export von Krieg beteiligt.
      Betrachtet man jedoch die Kriege der letzten sechzig Jahre wird uns schnell klar, dass keiner dieser Kriege eine Situation verbessert oder gelöst hat. All diese Kriege waren mehr oder weniger erfolg- und sinnlos. Immer haben sie großes Leid über die Menschen gebracht, es gab immer viele Tote und Verletzte, Verbrechen gegen die Menschlichkeit waren an der Tagesordnung und immer waren die Zerstörung der vorhandenen Infrastruktur gewaltig. Das „politische Ergebnis“ war allerdings immer miserabel.
      Gerne wird der „kleine“ Krieg der Nato im Balkan als das Beispiel für einen erfolgreichen und gerechten „Feldzug“ gebracht. Ich bin mir da nicht so sicher. Neben beachtlichen Zerstörungen und Opfern auch hier war eine Folge die Auflösung von Jugoslawien, das durch eine Reihe von Kleinstaaten ersetzt wurde. Das gilt ja nach heutiger politischer Diktion (Glaube an Großstaaten wie Europa) ja auch nicht als vorteilhaft.
      Mag aber sein, dass der Balkankrieg ein sinnloses Blutvergießen durch entschlossenes Blutvergießen beendet hat. Das könnte ich als die Ausnahme akzeptieren, die die Regel bestätigt.
      Spätestens unser Krieg (Einmarsch) in Afghanistan hat klar gemacht, dass Krieg eben kein Problemlöser ist. Nebenher haben wir gelernt, dass man Roststoffe schlecht mit Waffen erobern kann sondern diese am einfachsten für gute Produkte und harte Währung bekommt. So ging die Lust am Weltpolizist spielen verloren und es musste eine neue Begründung für Kriege gefunden werden. Glücklicherweise für unsere Militärs und Politiker gab es ein neues treffliches Feindbild, der

 

  • TERRORISMUS
    So ging es auf in den Kampf gegen den Terrorismus. Wir stationieren dazu sogar Einheiten in der Türkei. Da der Terrorismus ja auch mit den Flüchtlingen kommen könnte, sichern wir unsere Grenze im Mittelmeer mit Frontex militärisch. Für den Kampf gegen den Terrorismus sind wir bereit die Ausgaben für eine verstärkte Aufrüstung prozentual am Bruttosozialprodukt um 50 Prozent zu erhöhen. Eine Zusage, die wir völlig unnötigerweise vor Jahren gemacht haben – und die jetzt von unserem Lieblings-Verbündeten unter Trump eingefordert wird.
    Ich bin gespannt, welcher Gaul geritten wird, wenn wir merken, dass auch der Terrorismus mit Krieg nicht sinnvoll zu bekämpfen ist.

Zweite These

Das Prinzip des Militärs lässt jede Armee früher oder später entgleisen.

Militär und Armeen bauen auf einem grausamen Grundprinzip auf. Jeder Soldat muss bereit sein, zu töten und zu sterben, wenn er den Befehl dazu erhält. Im Krieg gilt dieses Prinzip absolut, denn sonst funktioniert Krieg nicht. Das sollte auch jedem Rekruten, der sich entscheidet Soldat zu werden, klar gemacht werden.
Es kann im militärischen Denken nicht angehen, dass der Soldat prüft, ob der Befehl ethisch gerechtfertigt ist und verweigert werden kann. Das ist besonders im Ernstfall undenkbar. Genauso wie undenkbar, dass der Soldat desertieren darf, wenn er Zweifel hat. Desertieren geht nicht und ist unvereinbar mit einem funktionierenden Krieg.
Da es um Leben und Tod geht (deswegen wird ja desertiert) kann es für den Deserteur nur eine Strafe geben – und das ist die sofortige Exekution der Todesstrafe. Alles andere ist Wunschdenken. Krieg funktioniert nicht, wenn der Soldat desertieren darf. Man denke an den alten Spruch:

Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin.

Wenn heute zum Beispiel der eine oder andere Deserteur aus der Wehrmacht des dritten Reiches „rehabilitiert“ wird, dann ist das reine Heuchelei. So wie das Märchen vom Bürger in Uniform Betrug und Schwindel ist. Das alles funktioniert nur, wenn die Armee so eine Art Bluff-Waffe ist, die niemals eingesetzt werden soll. Ich glaube nicht, dass das bei der Bundeswehr der BRD jemals so war – aber selbst wenn ist das natürlich keine Garantie dass sie nicht doch eingesetzt wird.

Also:
Soldatentum basiert auf dem perversen Grundprinzip „Auf Befehl Töten und Sterben müssen“.

Dies muss täglich eingeübt werden. Ein soziales System mit einem solchen Funktions-Kern kann sich doch gar nicht sozial vernünftig entwickeln und gesund sein. Früher oder später muss es ganz oder teilweise „umkippen“. Armeen werden immer vom „Landser-Ruhm“ und dessen Tugenden und Heldentaten zehren. Um diesen Irrsinn aufrecht zu erhalten braucht man auch eine mystische Tradition. Und da bietet sich die Wehrmacht des dritten Reiches für die Bundeswehr natürlich bestens an. Immerhin war sie ja ein paar Jahre außergewöhnlich erfolgreich und wurde auch in einzigartiger Weise glorifiziert. Und so steckt die vielleicht unterbewusste Bewunderung der „Heldentaten der deutschen Wehrmacht“ übertragen über Generationen in vielen jungen Menschen auch heute noch drin.
(Zynische Anmerkung:
Früher war ich ab und zu mal auf Computer Vintage-Märkten unterwegs. Und hab da immer die leidenschaftlichsten Computer-Leute getroffen. Gute IT-ler lieben halt Computer-Vintage, gute Soldaten Waffen-Vintage).

Dritte These

Die Rüstungsindustrie ist der Treiber von Krieg.

Diese Annahme erscheint mir trivial. Sie ist so klar, dass ich sie hier erst gar nicht groß begründen will. Krieg heißt für die Rüstungsfirmen „so richtig Kasse machen“. Wer Waffen baut, braucht den Krieg. Und dass die Konzerne allgemein mittlerweile einen brutalen Einfluss auf politische Entscheidungen wie auch Gesetzgebung etc. haben, das wissen wir. Die Rüstungsbranche ist da bestimmt nicht die zimperlichste.

Ein Freund, der besonders gut aufzeigen kann, wie Rüstungskonzerne „Kriege planen und machen“ ist mein Freund Jolly Kunjappu. Ihr könnt ihn am 8. Juli  im Literaturhaus in München treffen.

 


Ich meine, dass die Wiederbewaffnung und damit auch der Aufbau der Waffenindustrie der große Sündenfall der deutschen Politik nach dem zweiten Weltkrieg war. Diese Entscheidung wurde von Adenauer konspirativ gleich nach dem Restart der BRD vorbereitet und gegen die Mehrheit des deutschen Volkes durchgesetzt. Das war für mich ein krimineller Akt, der Deutschland und die Welt um eine Chance ärmer gemacht hat.

Es bleibt uns wohl nichts anderes, als Schritt für Schritt zu „Demilitarisieren“. Wir müssen weltweit die Rüstungs-Budgets senken. Wir müssen den Einfluss der Rüstungsindustrie eindämmen – und parallel dazu zumindest in kleinen Schritten selber auch friedlicher werden.

So habe ich eine große Bitte: Seid alle für FRIEDEN. Und ich freue mich, wenn Ihr meine Kategorie FRIEDEN und besonders Ein Manifest für FRIEDEN lest. Danke!

RMD

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