Roland Dürre
Mittwoch, der 9. November 2011

Auch so ein Märchen …

In meinem Leben ist mir viel erzählt worden. Oft bin ich angelogen worden, mal absichtlich, mal unabsichtlich. Zum Teil waren es Lehrer von mir, oder meine Eltern. Alle haben gemeint, dass sie im Besitz der Wahrheit sind, die sie mir unbedingt vermitteln müßten. Habe trotzdem manche dieser „Wahrheiten“ schon ganz früh nicht geglaubt.

Heute weiß ich, dass es keine „Wahrheiten“ gibt. Sondern nur „Gewissheiten“. Und die sind auch immer nur vermeintlich.

Aber damals war ich gutgläubig. Und habe auch Dinge geglaubt, die Unsinn waren. Ich bringe mal ein eher harmloses Beispiel, an das ich geglaubt habe, aber heute meine, dass es ein Irrweg war.

Am wirtschafts-wissenschaftlichen Gymnasium Jakob Fugger in Augsburg habe ich gelernt, dass freie Marktwirtschaft und große Wirtschaftsräume ohne Grenzen für alle Beteiligten von Vorteil wären. Dies würde zu einer Spezialisierung der Wertbeiträge führen. Nur eine möglichst große Freihandelszone ohne Zoll- und andere Grenzen könnte die Voraussetzungen für ein weltweit florierendes Wirtschaftlseben sein und würde der ganzen Welt Wohlstand bringen.

Heute sind wir diesem Zustand ein gutes Stück näher bekommen. Aber was hat das der Welt gebracht?

Fast eine Milliarde Menschen hungert. Die Welt zerfällt wie kaum je zuvor in Reiche und Arme.

Die Reichen versinken im Wohlstand. Viele Menschen in den reichen Ländern werden immer fetter. Sie versuchen ihre Lebenslangeweile im Konsum zu ersaufen. Die Wohnungen werden immer größer. Der Schrank hängt voller Anzüge und Kleider, die gar nicht benutzt werden können. Ein Auto ist zu langweilig, also fährt man zwei. Die Nationen der Reichen führen Kriege, oft weit außerhalb ihrer Grenzen, um ihren Wohlstand zu festigen. Das Denken der Menschen in diesem Teil der Welt dreht sich prior um Besitzstandwahrung und Sicherheit.

Die Armen wohnen auf engstem Raum. Ihr Glück ist es, wenn es regelmäßig zu einer guten Mahlzeit reicht. Sie sind froh, wenn sie genug haben, um ein halbwegs menschenwürdiges Leben führen zu können. Oft verlieren sie ihr Hab und Gut durch Naturkatastrophen oder kriegerische Auseinandersetzungen. Die wenigen T-Shirts werden gepflegt und sind der Stolz der Familie. Wie das Familienrad. Denn dann gehören sie zu den Wohlhabenden.

Die Ausbeutung des Planeten Erde hat sich ins Unermessliche gesteigert. Banken und Konzerne haben die zentralen Machtpositionen besetzt und steuern den Konsum, nur um Umsatz und Profit maximieren. Die Staaten schauen hilflos zu oder kooperieren.

Jetzt scheint es für arm und reich schwierig zu werden. Die Reichen, weil sie zu sehr ausgebeutet haben. Und das auch noch auf Pump. Die Armen, weil ihre Lebensräume zum Teil irreparabel zerstört sind.

Das erscheinen mir die Folgen von „real praktizierter Marktwirtschaft basieren auf weitgehend ungeregelten Märkten“. Habe ich alles ganz anders gelernt. Und ich habe es geglaubt.

RMD

P.S.
Weiß noch eine ganze Reihe solcher Lügen …

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