Roland Dürre
Freitag, der 23. April 2010

Autofahren

Mittlerweile bin ich mir sicher:

Autofahren macht unglücklich

Die Erklärung ist ganz einfach:

Beim Autofahren muss ich mich konzentrieren, kann mich aber körperlich nicht abreagieren. Unterschwellig akkumuliert sich die Hektik und der Stress. Gleich ob ich mich im Wettbewerb der hohen Geschwindigkeit auf den Autobahnen oder im  Stop-And-Go-Stadtverkehr von Ampel zu Ampel befinde. Und ich muss still sitzen, kann bestenfalls (und auch nur wenn ich alleine bin) vor mich schimpfen.

Meine demonstrierte lässige Sitzhaltung des souveränen Fahrers nutzt da auch nichts. Auch die gefühlte Omnipotenz im großen Zeh des rechten Fußes auf dem Gaspedal oder des kleinen Finger der linken Hand am Tempomat kann das nicht ausgleichen. So sitze ich scheinbar souverän am Steuer einer (über-)kräftigen Maschine mit tollem Design und glänzenden Lack , aber mein vegetatives System leidet unter einer Belastung, die körperlich nicht kompensiert werden kann.

Im Auto bin ich auch von Natur und meiner sozialen Umwelt isoliert. Alle physischen Bedürfnisse muss ich unterdrücken, wenn ich mich in so eine moderne Flunder hinein quetsche. Ich liege dann mehr als ich sitze, muss bewegungslos über Stunden ausharren und durch die bei modernen Fahrzeugen immer kleiner werdenden Fenster schauen. Wenn überhaupt ist Autofahren nur in Cabrios (bei schönem Wetter) oder in Großfahrzeugen wie SUV’s oder VAN’s erträglich. Das wiederum geht aber aus Gründen der „Political Correctness“ auch nicht.

Autofahren ist nicht nur ungesund und raubt dem Körper die notwendige Bewegung. Es schadet auch der Psyche.

Das ist auch die einzige Erklärung für mich, dass viele Autofahrer sich charakterlich hinter dem Steuer immer wieder total verändern und plötzlich von einer Aggressivität erfasst werden, die man sonst bei ihnen gar nicht kennt.

Wie ich noch geraucht habe, konnte ich den im Auto akkumulierten Frust wenigstens durch das Zerdrücken der Zigarette im Aschenbecher (oder gar das Herauswerfen des selbigen aus dem Fenster) loswerden. Auch das befreiende und früher weit verbreitete Vogel-Zeigen oder der „Stinkefinger“ als Rückmeldung an andere Verkehrsteilnehmer ist nicht mehr frei von Risiken.

Und an die vielen Verkehrstoten und -verletzten, massiven Umweltschäden und die fast unendliche Menge von verlorener Zeit denke ich mal gar nicht.

Da hilft auch der Selbstbetrug nicht, dass Autofahren (besonders mit der richtigen Marke) das schönste Erlebnis auf dieser Welt ist. Es gibt sie nicht, die „Freude am Fahren“. Kein Auto dieser Welt verschafft dem Fahrer Erholung und Entspannung, auch wenn uns eine ganze Industrie dies einreden möchte und wir nur zu gerne der wirklich genialen Werbung auf den Leim gehen und dann bereit sind, ein kleines Vermögen für so eine glänzende Maschine auszugeben.

Autofahren wird zu etwas Emotionalem hoch stilisiert. Im Alltag führt es aber nur zu hässlichem Disstress. Den angenehmen Eustress hat man eigentlich nur einmal im Autoleben, nämlich wenn man das Auto in einem fast heiligen Ritual vom Hersteller übergeben bekommt.

Führende Manager oder Politiker fahren auch nicht Auto. Sie haben einen Fahrer und lassen sich fahren. Mache ich auch so, wenn ich das Auto nutzen muss. Dann fährt bei uns mittlerweile die Ehefrau. 🙂

Ich aber steige aufs Fahrrad und genieße das Leben. Und komme (fast) immer gut gelaunt und entspannt an. Vielleicht bin ich deswegen ein wenig gelassener als ich es früher war.

RMD

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