Roland Dürre
Mittwoch, der 10. April 2013

Autofahrer – die Raucher von morgen?

Wenn ich in eine Kneipe geh, kann ich es ab und zu immer noch nicht glauben. Es stinkt nicht mehr nach Rauch. Zumindest in Bayern. Sogar auf der Wiesn. Obwohl die CSU ja gegen das Rauchverbot war. Eigentlich unvorstellbar wie das mal war und wie es überhaupt möglich war, dass es dazu kam.

Dann gehe ich raus auf die Straße und es qualmt, stinkt und lärmt. Aber nicht die Raucher sind’s – sondern die Autofahrer. Wenn ich die Idylle des aufgelassenen Flughafen Neubibergs verlasse und auf die Rosenheimer Landstraße komme, ist es wie ein Kulturschock. Ich verlasse eine leise Welt mit frischer Luft und versinke in Lärm und Gestank.

Weiter im Süden fällt es mir schwer, die Straße zu überqueren. Ganz gleich ob mit oder ohne Fußgängerampel muss ich ganz schön lange warten, bis der Strom abreißt und ich auf die andere Seite kann. Und selbst wenn ich an der Fußgängerampel Grün habe, muss ich warten bis der letzte noch bei Rot durch ist. Fast ist’s gefährlicher, die Straße bei „grün“ zu überqueren als bei „rot“. Konzidiert die Polizei übrigens auch an Ampeln für Fußgänger vor Kindergärten und ratet vom Bau solcher ab (Erfahrung aus dem Eltern-Kindergarten-Beirat).

Muss das wirklich so sein? Brauchen wir als „Krönung der Schöpfung“ diese lärmenden und stinkenden Fahrzeuge, die ein mehrfaches von uns selbst wiegen? Die uns Zeit und Bewegung stehlen und uns faul machen? Ausgelegt für Geschwindigkeiten und eine Art der Fortbewegung, für die wir nicht geeignet sind und die auch sonst absolut keinen Sinn macht?

Ich habe gelernt, dass man „autofrei“ leben kann und dies nicht zum eigenen Nachteil. Es ist eigentlich wie immer im Leben – man muss es nur wollen und tun. Die Kunst ist, Autonomie zu entwickeln und sich von Fremdsteuerung befreien, die uns sagt, was wir tun und kaufen müssen. Uns nicht in eine Richtung dressieren zu lassen, die uns nicht gut tut und die wir „eigentlich“ gar nicht wollen. Weil es halt (vermeintlich) anders nicht geht.

Und könnte es nicht sein, dass eine ruhige Welt mit den normalen Geräuschen des Lebens genauso eine Art von Allmende ist wie saubere Luft? Dass wir nicht weiter unseren Boden für die mobile Verschwendung zu zementieren dürfen? Und dass wir nicht das Recht haben, aus Gedankenlosigkeit und vermeintlicher Bequemlichkeit unsere Umwelt zu ruinieren? Und im satten Gefühl der Omnipotenz am Steuer letzten Ende unsere Lebensgrundlage zu zerstören wie andere Menschen beeinträchtigen und gefährden?

Und dann denke ich mir:
Vielleicht ist der Tag gar nicht mehr so weit, an dem ein Autofahrer ungefähr so wertgeschätzt wird, wie der Raucher, der uns beim Italiener seinen Qualm über unsere Spaghetti bläst …

RMD

P.S.
Noch eine lustige aber wahrscheinlich gar nicht so lustige Anmerkung zum Artikel. Vielleicht fahren die Menschen auch so gerne Auto, weil das Auto das letzte Refugium ist, wo man noch „in Ruhe“ seine Zigarette genießen kann (erlaubt)  – wie übrigens auch telefonieren (ohne Freisprechanlage nicht erlaubt, aber wer mag die schon). Zumindest habe ich diesen Eindruck, wenn ich beim Radeln in die vorbei rauschende Autoflut rein schaue. Zornig werde ich dann nur, wenn der Raucher (m/w) dann kleine Kinder auf der Rückbank hat, was auch häufig vorkommt.

Warum man aber im Auto rauchen aber nicht telefonieren kann verstehe ich auch nicht, vermute ich doch, dass Unfälle durch verloren gegangene Zigaretten wahrscheinlicher sind als die durch Handys. Und das Anzünden von Zigaretten könnte ja auch vom Verkehr ablenken.

Und noch eine Anekdote: Wie ich als noch omnipotenter und oft zorniger „halber Autofahrer“ (Mischwesen von Radler und Autofahrer) mir meinen letzten BMW 325i in rot (ein Lustobjekt, mit dem ich der König auf der Leopoldstraße war – damals auch der mit dem größten Motor – ist schon ein paar Jahre her) in guter Ausstattung und natürlich mit schwarzen Ledersitzen bestellt habe, habe ich auch das Nichtraucher-Paket ausgewählt. Das kostete keinen Aufpreis, es war nur weniger drin (kein Zigarettenanzünder in der Steckdose) und an Stelle des Aschenbechers gab es eine Plastikablage. Und der smarte Verkäufer vom „Auto-Haus“ riet mir dringend davon ab – wegen des „Wiederverkaufwertes“. Ich habe mich durchgesetzt- und der Käufer hat sich sehr darüber gefreut, dass es ein Nichtraucher-Fahrzeug war.

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12 Kommentare zu “Autofahrer – die Raucher von morgen?”

  1. Klaus Rabba (Freitag, der 1. Januar 2016)

    Lieber Roland
    Deine Mobilitätspessimismus driftet immer mehr ins sendungsbewusste oder polemische Betrachtungen, die alle Vorteile negiert.
    Vor allem, nach einem Berufsleben, in dem Mobilität und das Auto eine Rolle spielten, gibt die militante Abkehr vom Auto dem ganzen Engagement die Aura eine eifernden Konvertiten.
    Ich bin auch der Meinung, dass der Individualverkehr reformiert werden muss und die Automobilität nicht mehr mit dem Begriff von Freiheit assoziiert werden darf, sondern eher mit dem Gefühl der Bewegungsfreiheit und Komfort.
    Die Elektronik und Satellitennavigation wird einen wichtigen Teil der Verkehrsplanung übernehmen. Ferner werden die Antriebe weg von der fossilen Verbrennung führen und hin zu elektrischen Antrieben.
    Das kannst Du schon in Tokio beobachten, wo der Lärmpegel durch E-Antriebe deutlich sank. Dort gibt es aber seit langem einen entsprechenden politischen Willen, Abgase in den Städten zu reduzieren.
    PKW und LKW sind mittelfristig nicht ersetzbar. Wie sollten die gegenwärtigen Menschenströme von der Bahn übernommen werden?
    Was ist mit Flugzeugen?
    Mit dem Radl gibt es individuelle Lösungen, die nicht schlecht sind.
    Wohnen, dort wo man täglich kein Auto braucht, ist eine positive Entscheidung.
    Grüße
    Klaus

  2. rd (Freitag, der 1. Januar 2016)

    Lieber Klaus, danke für Deine offene Rückmeldung. Ich weiss, dass Sendungsbewusstsein und Polemik keine schönen Eigenschaften sind. Ich verstehe Deine Einwände also gut. Der Dialog mit Dir macht mir viel Freude. Und ja, ich bin für radikale Lösungen, die auch Angst machen.

    Trotzdem, eine Antwort (Rechtfertigung 🙂 ?):

    Persönlich:

    Schon als junger Unternehmer (ab 1984) habe ich die meisten geschäftlichen Wege mit dem Fahrrad erledigt. Das wurde schon damals zu meinem Markenzeichen, dass mir rückblickend beruflich mehr genutzt als geschadet hat.

    Allgemein:
    Mobilität wird sicher weniger werden (müssen). Vielleicht wird das auch durchs Internet unterstützt. Ich arbeite in mehreren örtlich verteilten Teams, und wir treffen uns höchstens einmal im Jahr persönlich. Früher wäre das eher zehn mal gewesen.
    Und die Fahrt von Opa und Oma am Nachmittag aus München mal zum Kaffeetrinken nach Garmisch liegt auch nicht mehr im Trend.

    Flugzeuge:
    Der erste Schritt wäre eine Steuer auf Kerosin wie bei anderen Verkehrsmitteln auch. Der zweite: Alle Mobilität müsste auch direkt ihre externalen (zusätzlichen) Kosten bezahlen oder zumindest nicht weiter subventioniert werden. Das würde da auch einiges verändern.

    Transport
    Ich vermute, dass von den Lkws auf der Autobahn viele leer sind und andere den größten Blödsinn transportieren (materiell oder logistisch).

    Zusammenfassung:
    Ich leide als Radler sein Mitte der 70iger Jahre unter den Abgasen der Autos. Das stinkt mir, und wenn mir was stinkt werde ich emotional, polemisch und (leider) indoktriniert.

    Meine Fahrradgeschichte:
    1968 habe ich den Führerschein gemacht und bin dann nur noch Auto gefahren. Wie ich in den 70iger Jahren zu Siemens in Festanstellung ging, bin ich wieder aufs Rad umgestiegen, einfach weil die Fürstenrieder Straße jeden Morgen auf meinem Weg von Laim in die Hofmannstr. total verstopft war. Damals gabe es noch keine Gleitzeit, ich musste pünktlich um 7:30 im Büro sein. Genauso pünktlich war dann um 16:05 Schluss, und ich stand wieder im Stau. Also – zurück aufs Fahrrad. Und siehe da, ich war auf den wenigen (vielleicht 5) Kilometern mit dem Rad schneller als mit dem Auto.
    Das habe ich bis heute durchgehalten.

  3. Klaus Rabba (Freitag, der 1. Januar 2016)

    Lieber Roland
    Es ist eben Fakt, dass es keine allgemeine Formel für unsere Individualität gibt. In meiner Geburststadt Bremen ist auch heute noch für alle Bremer das Fahrrad das schnellste Verkehrsmittel in der recht kleinen Stadt.
    Anders sieht es für die Pendler aus dem Bremer Speckgürtel aus, die 20 und mehr Kilometer aus dem Umland kommen. Die deutsche Kleinstaaterei hat aus unvernünftigen Gründen eine wirklich gute Lösung des öffentlichen Nahverkehrs verhindert, da sich Gemeinden untereinander über die Anbindungen streiten. Folge: morgendlicher und abendlicher Dauerstau mit maximaler Umweltbelastung.
    Meine mobile Autozeit in Frankreich bedeutete 60 – 80.000 km/anno über 20 Jahre. Heute fliege ich und nehme Leihwagen, was aber umweltlich nicht besser ist.
    Heute fallen in der Tat weniger Reisen an, da wir das Internet haben und sehr schnell per Email kommunizieren und Videokonferenzen halten.
    Aber die wirtschaftliche Entwicklung macht unsere Selbstbeschränkung zunichte.
    Lieferungen innerhalb 24 Stunden sind gang und gäbe. Das heißt aber einen unglaublichen Fahrzeugpark in Bewegung halten. Wenn wir im Internet bestellen, lösen wir Flug- und LKW-Bewegungen aus. Da könnten wir ebenso gut ins Kaufhaus fahren. Ein Teufelskreis.
    Heute sind wir froh in einem ‚Dorf‘ zu wohnen, in dem alle Geschäfte, Ärzte, Optiker, etc. zu Fuß zu erreichen sind. Sogar der Strand, unser Boot und ein Haufen Restaurants liegen nur 10 Fußminuten von uns entfernt.
    Zusätzlich gibt es einen billigen Nahverkehr {1 € !), um mit dem Bus nach Cannes oder Nizza zu fahren. Alles gut? Nicht für jedes Einkommen.
    Du wirst noch lange über Lärm und Gestank klagen müssen, denn eine umfassende Lösung ist nicht in Sicht. Es kann nur Schritt um Schritt gehen.
    Das Fahrrad wird dabei keine tragende Rolle spielen.
    Busse: Umstellung von Diesel auf Gas- oder Trolleybus.
    PKW: Umstellung von Benzin und Diesel auf Gas und Elektrik.
    LKW: dito.
    Für beides: GPS Steuerung mit gesteuerter Abfahrzeit und Route zur Verkehrsvermeidung.
    Flugverkehr: ? Muss was neues erfunden werden.
    Bahn: Vom Stiefkind zum Wunschkind.
    Viel Spaß beim Reformieren.
    Grüße
    Klaus

  4. rd (Freitag, der 1. Januar 2016)

    Nur ein kleiner Beitrag zu einem Punkt: Zumindest könnte man in Städten wie München mit Umland die Versorgung auf „der letzten Meile“ bei der Paketauslieferung viel besser organisieren. Heute begegne ich auf 5 km Radfahrt oft ebenso vielen Lieferfahrzeugen von ebenso vielen Anbietern (Hermes, DHL, US-Parcel, DPD, GLS …). Oft irren die meist wenig gebildeten und des Deutschen nicht fähigen Ausfahrer da wild mit try & error und vielen Umwegen durch die Gegend. Das könnte man deutlich besser organisieren (zum Beispiel mit einem Park von Elektro-Lieferfahrzeugen, die logistisch optimal gesteuert werden).

  5. Klaus Rabba (Freitag, der 1. Januar 2016)

    Recht hast Du und das meinte ich auch. Die Intenetanbieter haben eine Verkehrslawine losgetreten.
    Es gab in den 50iger die legendären elektrischen Postwagen, mit kruder aber robuster Technik und Elektroantrieb.
    Trolleybusse wurden zugunsten der Diesel-Busse abgeschafft, ebenso wie die Elektrische.
    Es fehlt am politischen Willen in Großstädten konsequent den Verkehr umzugestalten, obwohl bezahlbare Technologien vorhanden sind.
    Es fehlt am Experimentierwillen, Auslieferungen bedarfsgerecht zu leiten und Leerfahrten zu verhindern.
    Aber – das verlangt den Willen und eine Entwicklung, die von Lobbyisten unabhängig ist.
    In Japan ist Manches schon weiter.
    Wer in Städten sein Auto nicht auf seinem Grundstück parken kann, kann das Auto nicht anmelden.
    Taxen, Lieferfahrzeuge fahren schon seit zig Jahren mit Propangas und nun Hybrid oder elektrisch.
    Trotzdem gibt es Staus, aber keinen Smog wie in China.
    Es geht also und es geht deutlich leiser.
    In München, Berlin oder Köln ginge das auch, wenn man denn den Mut dazu hätte.
    Dazu ein rigoroses Maut-System für Stadteinfahrten und auf allen Autobahnen.
    Es braucht nicht erfunden werden, um eine spürbare Verbesserung im Großstadt-Verkehr zu erzielen.
    Bisher haben wir nur Stückwerk und idiotische Entscheidungen, beispielsweise Fernbusse in Konkurrenz zur Bahn fahren zu lassen.
    Eigentlich widert mich das Thema an, weil eine Verkehrsreform an den kleingeistigen Interessen der Gemeinden scheitert und durch die Automobil-Lobby verhindert wird.
    Eigenartigerweise kann die Kanzlerin eine Million Menschen ins Land holen, aber zu Verkehrsreformen reicht es nicht.

  6. Martin Klier (Samstag, der 2. Januar 2016)

    Lieber Roland,

    wie so oft kann ich Dir weder bei allem recht noch bei allem unrecht geben.

    Bitte betrachte die Sache doch auch einmal aus der Perspektive eines Landbewohners. Meine Stadt hat 7.000 Einwohner, und außer Schulbussen keinen öffentlichen Nahverkehr. Der nächste Bahnhof ist 8km, der vernünftig bediente Regionalbahnhof sogar 14km weg. Zum ICE sind es 150km, zum Flughafen 200km.

    Trotzdem haben wir unser Unternehmen hier angesiedelt – weil es egal ist, von wo aus man seine Remotezugriffe macht. Aber für einige Kundentermine vor Ort kommen noch immer 50.000 km PKW pro Jahr „drauf“, und mir fällt einfach keine Alternative ein. Vor allem, weil Lieferant, Dienstleister und Kunden jeweils dermaßen „auf der Heide“ sitzen, daß selbst theoretisch 3x Wechsel des Verkehrsmittels das Minimum ist. Und für die „letzte Meile“ müsste ich auch noch ein Fahrrad quer durch Europa mitnehmen? 🙂

    Für den Freizeitverkehr hat man hier im Landkreis spezielle Busse (z.T. tolle Marketingkonzepte, z.B. „Wer foahrt? Der mim Board“) und regional ein „BAXI“ (=Anrufbus mit festen Haltestellen und flexiblen Zeiten). Das dient vor allem dazu den Leuten das Fahren unter Alkoholeinfluss abzugewöhnen, aber geschäftlich sind die Systeme total nutzlos.

    z.B. erreiche ich einen Kunden über 70km Landstraße mit PKW in 45min, im öffentlichen Nahverkehr erfordert das Ganze 4x Umsteigen und 18h(!). Das ließe sich sicher „reformieren“, aber das Verkehrsaufkommen „von Dorf zu Dorf“ ist so gering, daß schon die wenigen (sinnvollen) Buslinien im Prinzip immer leer fahren. Wie das jemals kostendeckend sein sollte, und mit Individualverkehr konkurrieren soll, ist mir schleierhaft.

    Und privat? Sicher könnte man die kleinen Kinder mit dem Fahrrad zu ihren Terminen am Ort bringen (Kindergarten, Sport etc.) – aber durch die Distanzen und den verfügbaren Parkraum ist das einfach zeitlich unrentabel und nicht im Mindesten attraktiv. Spätestens zum Arzt, Einkaufen und für Amtsgeschäfte ist man wieder beim PKW, in den dann auch Kinderwagen und Einkäufe passen müssen.

    Meine Schlussfolgerung: Der Individualverkehr ist nicht das neue Rauchen, wir machen das nicht (nur) aus Gewohnheit oder zum Lustgewinn, sondern weil es gar keine Möglichkeit (und auch vielleicht keine Notwendigkeit) gibt, seinen Alltag anders zu gestalten. Hier ist der Individualverkehr das, was er immer war: Eine effiziente Lösung für ein individuelles Problem.

    Ich freue mich auf Eure Meinungen. 🙂

    Gruß
    Martin Klier

  7. Klaus Rabba (Samstag, der 2. Januar 2016)

    Hallo
    Es gibt eben keinen Masterplan.
    In den Städten brauchen wir Lösungen für ein zu viel an Verkehr und in den ländlichen Gebieten ist der fahrbare Untersatz unabkömmlich.
    Die Fahrt von Metropole zu Metropole ist immer einfacher mit der Bahn, als aus der Provinz mit Umsteigen. Hier gilt, alles bis 400 km ist mit dem Auto schneller.
    Wer in Paris wohnt, braucht kein Auto. Wer abseits von den Hauptverkehrsadern wohnt schon.
    Grüße
    Klaus

  8. rd (Samstag, der 2. Januar 2016)

    Hi, jetzt könnte ich noch antworten, dass der Trend weg vom Land in die Städte geht. Zumindest in Bayern haben fast alle Gemeinden jenseits der Speckgürtel einen drastischen Einwohnerverlust und einen ständig wachsenden Altersdurchschnitt. Die Gemeinden in den Speckgürteln halten sich bzw. haben einen leichten Zuwachs. Nur die Städte wachsen. So könnte man eine Korrelation sehen, weil das Durchschnittsalter der Autokäufer in Deutschland ähnlich steigt wie das Durchschnittsalter auf dem Land (Vorsicht Zynismus).
    Dazu ein seriöser Artikel aus der SZ von heute (aus Mobiles Leben): http://www.sueddeutsche.de/auto/diese-woche-autokaeufer-immer-aelter-1.2787889
    Spannend und sehr zur Lektüre empfohlen!
    Zum Alter von Autokäufern auch persönliches Erleben. Ich habe 23 Jahre in der Waldparkstr. in Riemerling gewohnt. Eine piekfeine Strasse in einer feinen Gegend. So waren meine Nachbarn Vorstandsvorsitzende (von richtigen Konzernen wie der Rück) und Top-Manager wie -Ingenieure von relevanten Unternehmen verschiedener Branchen (Flieger, Technologie, eigentlich allem). Die meisten waren allerdings „ehemalige“ und zu meinem Trost deutlich älter als ich. Manche davon konnten sich nur noch mit Stöcken bewegen. Aber die meisten hatten jedes Jahr ihren neuen großen Daimler oder BMW in oder vor der Garage stehen, und in der Regel wurde das über die Jahre ein Luxus-SUV. Und ab und zu krabbelten sie dann aus ihrem Haus heraus und kletterten mühsam ins blitzeblanke Auto. Und ich dachte mir dann, dass ich mit dem Rad doch besser gut aufpassen muss, wenn ich sehe, was da alles und vor allem wie es unterwegs ist. Einer der Herren ist dann auch mal in ein Schaufenster des lokalen Spielzeug-Geschäfts in der Kufsteiner Str. von Ottobrunn mit Vollgas vorwärts rein geschossen. Weil er rückwärts aus der Parklücke raus fahren wollte …

    In dem zitiertem Artikel liest man unter anderem, dass der SUV-Neuwagen-Käufer das Durchschnittsalter der Neuwagenkäufer in Deutschland von eh schon hohen 53,0 Jahren (+0,9 in 2015 im Vergleich zu 2014) um 2,3 Jahre toppt. Spitzenreiter scheint übrigens der BMW Active Tourer sein, der es auf einen satten Durchschnitt von 59,8 Jahren bei seinen Neukäufern bringt :-). Das finde ich schon beachtlich …

    Im Artikel steht übrigens auch drin, dass die Automobilindustrie nun auf die „Integration der Migranten als Hoffnungsanker setzt, denn die ausländische Bevölkerung sei in Deutschland nur 39,3 Jahre alt“.

  9. Martin Klier (Samstag, der 2. Januar 2016)

    Lieber Roland,

    wenn wir beim Zynismus bleiben wollen – je mehr Leute in die Stadt ziehen, desto mehr Platz haben wir. Aber das kann ja nicht das Ziel sein, das Land leer und die Stadt voll zu machen, nur damit der Transport der Leute effizienter wird. 🙂

    Es muß sich jeder selbst fragen, wieviel Individualismus (bei Wohnen, Lebensstil, Fortbewegung etc) er der Umwelt und der Umgebung zumutet. Denn eine gewisse Wohnfläche, Grundstücksgröße sowie Aussicht ist einfach nur auf dem Land finanzierbar. Was wiederum dazu führt, daß zum Haushalt 1 bis 2 (vorrangig praktische) Autos gehören.

    Allerdings sieht man hier auch in der Regel beim Blick aus dem Fenster die eigenen Bäume, maximal 1-2 Häuser, keine Menschen und dahinter bewaldete Hügel.

    Zur Altersstruktur: Meine Nachbarn gehören meiner Altersgruppe bzw. der meiner Eltern an (etwa zu gleichen Teilen), die Ersteren haben im Schnitt 2 Kinder, gehören zum Mittelstand (kleine Unternehmer, leitende Angestellte, Ärzte) und putzen selber.

    Die Autos bewegen sich so im Schnitt zwischen Focus Kombi und Mercedes E-Klasse, aber man kann mit einer guten Kreis- oder Kettensäge bzw. der Schneefräse noch eher punkten als mit dem dicken Wagen. Auto = Ge- oder Verbrauchsgegenstand. Sicher gibt es auch hier Leute die ständig Autoputzen, aber im Schnitt haben die Fahrzeuge den Status eines Arbeitsgerätes, den sie verdienen.

    Die Fahrgemeinschaft gehört dagegen zum Alltag – Kinder zusammen in den KiGa, mit einem Auto 15km ins Kino, mit der Nachbarin zum Shoppen 30km in die Kreisstadt oder mit Freunden 200km ins Theater. Und das ganz ohne App! 🙂

    Bis bald
    Martin Klier

  10. rd (Samstag, der 2. Januar 2016)

    KLingt gut!

  11. Wolfgang Gross (Samstag, der 2. Januar 2016)

    Hallo Martin Klier!

    Dein geschildertes Beispiel klingt gut und macht mir Hoffnung!

    Klar ist es „einfacher“ in der Stadt sich mit dem Radl zu bewegen als „auf dem platten“ Land. Funktionieren würde es schon heute.
    Morgen muss es dann funktionieren. Allein schon, weil sich keine Gemeinschaft die Subventionierung (ausschließlich) eines Verkehrsmittels auf Dauer leisten kann. Aber aus der Subventionierungsfalle kommen wir nun nach Jahrzehnten auch nicht mehr ganz heraus. Nur werden wir Anderes als Automobile subventionieren (müssen).
    Und es kann auch nicht mehr lange dauern und die Einzelhändler kommen darauf, dass Autofahrer weniger Geld zur Verfügung haben (dass sie mal „locker“ (einfach so) ausgeben) als Personen, die über ihre Mobilität nachdenken, sich bewusst bewegen und dabei auf die Kosten schauen.

    Eine tolle Diskussion zu einem Blogbeitrag, der schon über zwei Jahre alt ist …

    Ich bleibe gespannt!

    Servus – Wolfgang Gross

  12. Klaus Rabba (Sonntag, der 3. Januar 2016)

    Hallo
    China mutierte innert kurzer Frist von totalen Radlerland zum Autofahrer Albtraum. Einige E-Fahrräder pedalieren noch über gute Fahrradwege, aber das ist die Ausnahme.
    Wie kann es sein, dass gut ausgebildete Chinesen diesen Weg gehen, obwohl die Nachteile auf der Hand liegen?
    Ganz einfach: Autofahren ist schön und vor vor allem bequem. Zum Radeln bei Wind und Wetter muss man entweder arm sein oder ideologisch überzeugt.
    Brasilien entschied sich zu 100% für Motorverkehr und gegen die Bahn.
    Nun hat ja jeder seine Freiheit zu entscheiden, ob er raucht, mit dem Auto fährt oder radelt, Alkohol trinkt oder nicht mal n’en Joint raucht.
    Eine Lösung für Deutschland allein reicht nicht, denn Flugzeug- und Güterfernverkehr ist grenzübergreifend.
    Begonnen muss erst einmal mit dem teilweisen Ersatz von Öl durch elektrische Lösungen. Allerdings nicht gerade mit Kohlestrom.
    Also Hybrid (LNG/LPG) und Elektrik in den Städten.
    Wenn denn mal konsequent begonnen würde.
    Grüße
    Klaus

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