Roland Dürre
Montag, der 9. März 2009

Banken, eine systemrelevante Industrie …

Jetzt haben wir das Schlamassel, die Stimmung wird immer schlechter. Und langsam mache auch ich mir Sorgen, wo das ganze hinführen soll. Aber vor allem ärgere ich mich:

Am Beispiel Opel habe ich gehört, dass man Opel nicht retten muss, weil Opel nicht „systemrelevant“ ist. Bei den Banken wäre das etwas anderes gewesen, die hätte man retten müssen, die wären „systemrelevant“!

Natürlich braucht man Banken im Wirtschaftskreislauf. So gibt es den ursprünglichen Kern des Bankgeschäfts, der für das Funktionieren der Wirtschaft notwendig ist. Diesen Teil mag man als „systemrelevant“ bezeichnen dürfen. Was aber in den letzten 20 Jahren als Bank und Bankgeschäft so alles gewuchert ist, hat mit damit nichts mehr zu tun. Zum Beispiel dienen mehr als 98 % des Wechselgeschäfts mit Währungen nicht mehr dem Austausch von Waren, sondern der Spekulation mit Währungen, dies großzügig gerechnet.

Im Bankengeschäft dürfte es ähnlich sein. Nur noch ein kleiner Teil des Bankengeschäfts ist für den Kreislauf der Wirtschaft wichtig, sprich „systemrelevant“. Beim Rest geht es um das Business mit dem „ohne Arbeit reich werden“, einem weltweiten „Hobby“, das mittlerweile gesellschaftsfähig und moralisch legitimierter Anspruch geworden ist. Blöd nur, dass für jeden der „ohne Arbeit reich wird“ andere „arm werden“ müssen. Und dass meistens viele „arm werden“ müssen, damit wenige „ohne Arbeit reich werden“ und an diesem Spiel kräftig dran verdient wird, macht es auch nicht besser.

Ergänzend erklärt mir der Sparkassendirektor, dass man die BayernLB eh nicht retten könne und dass man sowieso maximal eine Bank dieser Art in Deutschland brauchen würde. Und dass mit der HRE (Hypo Real Estate) und ihren Pfandbriefen verstehe ich ja sowieso nicht. Warum sind die 65% Volumenprozent der öffentlichen Pfandbriefe das Problem, wenn diese zum einen bestens gesichert sind und zum anderen der Staat als Schuldner dahinter eh nicht pleite gehen kann? Das ist übrigens das erste Axiom des Bankings: „Staaten können nicht pleite gehen können“. Aber wehe, wenn Axiome falsch sind.

Am meisten ärgere ich mich, weil ich den Eindruck habe, dass ich noch nie in meinem Leben so belogen und betrogen wurde wie heute. Eine Bank dürfe man nicht kontrolliert insolvent gehen lassen, nur weil sie eine Bank ist und Banken „systemrelevant“ wären. Dabei ist das so einfach zu widerlegen. Natürlich kann in einer kontrollierten Insolvenz auch bei einer Bank das „systemrelevante“ Geschäft bewahrt werden.

Aber wenn alle Mächtigen einem Glaubenssatz (Dogma) wie „Alles Bankengeschäft ist systemrelevant“ nachlaufen und nicht mehr vorstellbare Summen Staatsgeldes (das Geld des Volkes) aufs Spiel setzen, obwohl man einfach erkennen kann, das dies nicht funktionieren kann, dann fange ich an, zu verzweifeln. Was sind die Ursachen dafür dieses Handeln? Dummheit, Feigheit, Massenhysterie, Panik oder der politische Wille, große Vermögen zu schützen?

Wenn einem Mittelständischem Unternehmen die Luft ausgeht, dann bleibt ihm die Insolvenz nicht erspart. Offensichtlich sind Mittelständler nicht „systemrelevant“, obwohl sie das absolute Rückgrat der Volkswirtschaft sind und den höchsten Wertbeitrag für unsere Wirtschaft erbringen.

Zurzeit höre ich auch täglich, dass die Banken kein Geld mehr herleihen würden. Der Kreditkreislauf zwischen den Banken wäre gestört. Ich stelle dann fest, dass man mich zurzeit privat wie geschäftlich mehr als je bedrängt, doch Geld auszuleihen. Als Privatperson würden Personalausweis und der Gehaltsnachweis für die beiden letzten Monate völlig genügen. Und wenn der Familienvater dann die Rate fürs Eigenheim nicht mehr bezahlen kann, dann versteigert die „systemrelevante“ Bank das Eigenheim unerbittlich und ganz schnell. Familien sind wohl auch nicht „systemrelevant“.

Jetzt bin ich sogar als Radfahrer dafür, die Autoindustrie zu „retten“. Aber nur, weil man vorher die Banken so mit Geld überschüttet hat. Gleiches Recht für alle. Und: an den geretteten (?) Arbeitsplätzen bei den Banken wird im Schnitt wesentlich besser verdient als in den Autofabriken.

Ja, ab und zu läuft auch bei mir einfach der Topf über.

Sorry!

RMD

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