Roland Dürre
Sonntag, der 15. Januar 2012

Unternehmertagebuch #64 – Project Management goes Brecht

In der Dreigroschenoper gibt es viele kluge Lieder.

Im Blog 23actions hat Jens Hoffmann einen Artikel mit dem Titel

Projekte sind schädlich für die Gesundheit Ihres Unternehmens!

veröffentlicht. Ich zitiere die einleitenden und provokativen Sätze:

„Projekte haben sich überlebt. Ihre Tage als Organisationsform sind gezählt. Agile Coaches meinen, Projekte seien ungeeignet, um aktuelle Unternehmensprobleme zu lösen. Sie verhindern die kundenorientierte Wertschöpfung und sind nicht geeignet permanenten Wandel wirksam zu steuern. Welche Daseinsberechtigung haben Projekte noch?

Anstatt der klassisch Linien- und Projektorganisationen fordern Agile Coaches die agile Transformation des gesamten Unternehmens. Auch der Begriff des agilen Projektmanagements wird abgelehnt, da dadurch das falsche Bewusstsein nur zementiert würde.

Drei Ausrufezeichen und Fragezeichen? !!! ???

Das hat mich sehr beschäftigt und ich habe dort bei den „comments“ fleißig mit diskutiert.

Um die Sache mal künstlerisch anzugehen, bringe ich zwei Songs aus der Dreigroschenoper (in der eigentlich jeder Song ein gestanztes Stück Lebensweisheit ist!).

🙂 Zuerst kommt eines für den modernen und aufgeklärten Projekt Manager. Vielleicht sogar den, der glaubt, Er möge bedenken.

Der Mensch lebt durch den Kopf
Der Kopf reicht ihm nicht aus
Versuch es nur, von deinem Kopf
Lebt höchstens eine Laus.
Denn für dieses Leben
Ist der Mensch nicht schlau genug.
Niemals merkt er eben
Allen Lug und Trug.

Ja, mach nur einen Plan
Sei nur ein großes Licht
Und mach dann noch ’nen zweiten Plan
Gehn tun sie beide nicht.
Denn für dieses Leben
Ist der Mensch nicht schlecht genug.
Doch sein höh’res Streben
Ist ein schöner Zug.

Ja, renn nur nach dem Glück
Doch renne nicht zu sehr
Denn alle rennen nach dem Glück
Das Glück rennt hinterher.
Denn für dieses Leben
Ist der Mensch nicht anspruchslos genug.
Drum ist all sein Streben
Nur ein Selbstbetrug.

Schöner kann man es nicht sagen! ich höre förmlich im Hintergrund die Musik von Kurt Weill.

Aber jetzt noch eine Lied für den konservativen Fakten Manager wie für alle taffen Projektleiter.

Der Mensch ist gar nicht gut
Drum hau ihn auf den Hut.
Hast Du ihn auf den Hut gehaut
Dann wird er vielleicht gut.

Denn für dieses Leben
Ist der Mensch nicht gut genug.
Darum haut ihn eben
Ruhig auf den Hut.

Spricht doch auch für sich!

🙂 Fast hätte ich Leben durch Projekt ersetzt, aber dann reimt es sich ja dann nicht mehr.

In München läuft zurzeit übrigens im Volkstheater eine wunderschöne Aufführung. Natürlich von „unserem“ Christian Stückl inzseniert. Unbedingt hingehen!

(Bertolt Brecht, Dreigroschenoper)
Quelle: Bertolt Brechts Dreigroschenbuch (suhrkamp taschenbuch)

P.S.
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet man in der Drehscheibe!

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