Roland Dürre
Dienstag, der 19. Mai 2009

Bloggen in Deutschland

szmag200919Ein Freund hat mich auf einen Artikel im SZ-Magazin hingewiesen.

Da geht es um Bloggen.

Nach dem Motto:

In den USA beeinflussen Blogs Präsidenten-Wahlen. In Deutschland sind Blogger Randfiguren.

Und um 10 Thesen, warum Bloggen in Deutschland nicht funktionieren kann.

Jetzt bin ich mit diesen Aussagen gar nicht einverstanden und halte sie für Unfug.

Deshalb bringe ich „twittermäßig“ verkürzt die 10 Thesen aus dem SZ-Magazin und dazu meine 10 Antithesen! Und zum Nachlesen haben wir ja den Link.

Zuerst die Aussagen des erfolgreichen US-Bloggers Felix Salmon im SZ-Magazin:

  1. Hier wäre man immer noch fixiert auf Status und Hierarchie.
  2. In Deutschland zähle Qualifikation mehr als alles andere.
  3. Die Stimme des Volkes zu respektieren wäre eine sehr amerikanische Haltung keine besonders deutsche.
  4. In Deutschland würden die Menschen dauernd an ihre Karriere denken.
  5. In Deutschland Menschen haben Angst davor, etwas zu schreiben, das sie dumm aussehen lässt.
  6. Die Deutschen sind methodisch und systematisch, das wäre nicht typisch für Blogger.
  7. In Deutschland kommt man nicht besonders weit, wenn man sich zum Außenseiter erklärt.
  8. Deutschland hat eine andere Professorenschaft, die es nicht lieben, Ideen auszutauschen und miteinander online zu diskutieren.
  9. Die Deutschen würden nicht arbeiten, wenn sie kein Geld dafür bekommen.
  10. Die Deutschen nehmen ihre Ferien extrem ernst. Der Blogger kennt keine Ferien.

Jetzt kann ich mir nur vorstellen, dass der Felix Salmon ein Schelm ist.

Oder ein mit vielen Vorurteilen beladener Dummkopf.

Denn hier meine 10 Antithesen:

  1. Ich kenne viele (nicht nur) junge Deutsche, denen das Leben wichtiger ist als Status und Hierarchie.
  2. Ich kenne viele sehr erfolgreiche Deutsche, die nur eine „eingeschränkte“ Qualifikation haben.
  3. Wenn jemand in Deutschland die Stimme des Volkes nicht respektiert, dann sind das nur einige wenige Politiker, die autistisch in ihrer Vorurteilswelt verharren.
  4. Ich kenne beliebig viele Frauen und Männer, die ihre Karriere für Wichtigeres hinten angestellt haben.
  5. Viele Menschen in Deutschland verfügen über Zivilcourage und konstruktiven Ungehorsam.
  6. Methodisch und systematische Arbeit zeichnet einen guten Blog aus (sogar die amerikanischen siehe auch FelixSaloms Blog).
  7. Gerade Außenseiter werden in Deutschland immer öfters bewundert und zum Leitbild.
  8. Ich pflege exzellenten Ideenaustausch mit jungen und alten Professoren, online wie „physisch“.
  9. In keinem Land der Welt wird soviel ehrenamtlich gearbeitet wie in Deutschland.
  10. Gerade Bloggen aus den Ferien macht Spaß und den Urlaub erst so richtig schön.

Soweit meine Anmerkungen!

Ich gehe mal davon aus, dass der Felix Salmon ein Schelm ist, der provozieren wollte (und kein Dummkopf).

Und dann kann Bloggen auch in Deutschland funktionieren! Wer diskutiert mit?

RMD

3 Kommentare zu “Bloggen in Deutschland”

  1. Chris Wood (Dienstag, der 19. Mai 2009)

    German is the main problem with German blogs. The language problem tends to make them parochial. A lot of the best reference links are in English. (English wikipedia has different content from German, and I assume more).
    But American blogs tend also to be parochial.

  2. rd (Dienstag, der 19. Mai 2009)

    Unter „leo.org“ finden wir folgende Übersetzungen zu „parochial“: beschränkt, engstirnig, kirchlich, provinzlerisch und „Vorworte“ wie Gemeinde… und Pfarr…

    Die Beiträge von Chris empfinde ich immer sehr spannend, aber auch immer beschränkt und engstirnig, ja sogar kirchlich und provinzlerisch. Aber ab und zu auch rechthaberisch. Kann es sein, dass „parochial“ auch mit „rechthaberisch“ zu übersetzen ist?

    Vielleicht ist Englisch genauso schlimm wie Deutsch – oder fallen dem Leser in einer fremden Sprache die Schwächen der Artikel eher auf … ?

  3. Alexander (Donnerstag, der 21. Mai 2009)

    Offenbar scheint der Autor eigentlich die „Szene“ der Wirtschaftsblogs zu meinen, er wollte nicht über Blogs allgemein sprechen, was aber im SZ-Magazin nicht so rauskam:

    http://www.stefan-niggemeier.de/blog/schoener-sterben-mit-dem-sz-magazin/

    http://www.stefan-niggemeier.de/blog/schoener-sterben-mit-dem-sz-magazin-2/

    http://www.stefan-niggemeier.de/blog/schoener-sterben-mit-dem-sz-magazin-3/

    Hier ein Interview mit Salmon darüber:

    http://www.thelocal.de/sci-tech/20090518-19351.html

    Abgesehen davon, um mal genauso pauschal und verallgemeinernd polemisch zu urteilen (was natürlich genauso unfair ist): Englischsprachige Blogs meinen oft, sie wären internationaler, weil ihre Sprache von sehr vielen verstanden wird. In Wahrheit projizieren sie aber ihre genauso auf das eigene Land beschränkte Sichtweise auf die ganze Welt. 😉

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