Roland Dürre
Donnerstag, der 7. Januar 2016

Böses tun – Böses bestrafen?

#WAFFENTERRORISMUS

Barack Obama hat es vor kurzem selber gesagt: In den USA sterben im Jahr mehr als 30.000 Menschen durch Schusswaffen (genau sollen es über 31.000 sein). Das sind mehr als zehnmal so viel Tote wie es zurzeit Verkehrsopfer in Deutschland im Jahr gibt. Obama hat auch verstanden, dass Waffen in privater Hand und in der Öffentlichkeit eine große Gefährdung für Alle darstellen.

Am Ende seiner Amtszeit will er jetzt noch etwas Gutes tun und die amerikanischen Waffengesetze ein wenig verbessern. Obwohl die amerikanische Verfassung da eine klare Vorgabe gibt. Und jeder, der in den USA Waffen „verbieten“ will, schnell zum „Verfassungsfeind“ wird.

Colt Model 1873 Single Action, Werksgravur 1893 von Cuno Helfricht

Colt Model 1873 Single Action, Werksgravur 1893 von Cuno Helfricht

Obama hat so viele Gegner, die jede Einschränkung des Rechts „Waffen zu besitzen und zu tragen“ auf das Schärfste ablehnen. Diese sammeln sich nicht nur in den Reihen der Republikaner, die immer noch dem eigenartigen Freiheitsbegriff ihrer langjährigen Chef-Philosophin und -Vordenkerin Ayn Rand folgen. Wenn man Mrs. Rand liest, dann merkt man schnell, dass diese Frau nie eine Philosophin von Format sondern eher „eine Polemophin“ war. Zumindest strotzen ihre Texte nur so von flacher Polemik und sind leicht zu widerlegen.

Ein anderer Vordenker der amerikanischen Rechte und konservativen Kräfte ist Wayne LaPierre. Er lebt noch, vor kurzem habe ich Auszüge aus einer Rede von ihm im bayerischen Radio gehört. Er sagte:

„Einen bösen Mann mit einer Waffe kann nur ein guter Mann mit einer Waffe stoppen“ (auf englisch)

Zu diesem Satz ein Zitat aus einem Artikel in der Zeit:
Knapp eine Woche (nach dem Massaker von Newtown) trat Wayne LaPierre, seit 1991 die Stimme der NRA, vor die Presse.Wayne LaPierre, seit 1991 die Stimme der NRA, vor die Presse. Er warf den Medien, Hollywood und Videospieleherstellern vor, für Taten, wie die von Adam Lanza, verantwortlich zu sein. Seine Rede gipfelte in der Aussage, weil Schulen waffenfreie Zonen seien, würden sie solche Überfälle geradezu einladen. „Das einzige, was einen Bösen mit einer Waffe stoppen kann, ist ein Guter mit einer Waffe“, erklärte LaPierre. Er bot an, Freiwillige der NRA in Schulen patrouillieren zu lassen – voll bewaffnet, versteht sich.

(Anmerkung: Bei einer Attacke in Newtown im Bundesstaat Connecticut im Dezember 2012 erschoss der 20-jährige Adam Lanza 26 Menschen in der örtlichen Grundschule, darunter 20 Kinder. Damals erschienen schärfere Waffengesetze als durchsetzbar, die NRA (National Rifle Association in Wikipedia) zeigte aber sofort ihre Macht und gilt seitdem als unüberwindbar.)

Und so geht die Diskussion weiter. Und immer dabei ist
Das #BÖSE und die #BÖSEN

Die sind an allem Schuld und müssen entfernt und bestraft werden. Nur so kann man eine heile Welt bauen. So klingt es, aber so einfach ist es aber wirklich nicht. Sicher gibt es Menschen, die Böses tun. Und sicher kann man die bestrafen. Aber was ist das wirklich, das Böse und das Gute? Gibt es sie wirklich, die guten und die bösen Menschen? Die Bösen, die kommen und mit den Waffen die Anderen bedrohen? Und die Guten, die mit den Waffen die Anderen beschützen.

Und ist die Welt besser, wenn die Anderen sich mit Waffen gegen die Bösen schützen können? Wie viel Menschen sterben denn in den USA durch Schusswaffen von Bösen, die als Böse das Böse tun wollten?

Jesus hat wohl mal gesagt: „Wer frei von Schuld, werfe den ersten Stein!“ Gibt es diese Guten tatsächlich. Wollen nicht vielmehr die wenigsten Menschen Böses tun? Und wer war in seinem Leben war nicht schon mal nicht mehr er selbst und hat großes Glück gehabt, dass er keine Waffe zur Hand hatte.

Die Opfer von Gewalttaten verdienen unser Mitleid und unsere Hilfe. Die Verursacher betreffend geht es aber nicht darum, die Bösen zu bestraft. Sondern es wird versucht, die Tat und ihre Folgen besser zu verkraften in dem man sich an den Tätern rächt. Man fordert für sie den Galgen, um so das einem zugefügte Unglück zu kompensieren. Oft übt die Gesellschaft die Rache als Stellvertreter aus und begeht aus der Gier nach Rache heraus einen kollektiven Mord aus Rachgier.

In den USA gibt es nicht nur das Recht des Waffenbesitzes – in einer Reihe von Bundesstaaten gibt es auch noch die Todesstrafe. Und das erscheint mir eine ganz besonders unheilvolle Kombination. Denn die Todesstrafe ist doch genau der Mord aus Rache. Denn Abschrecken tut sie nicht, wie sie auch keine erzieherische Wirkung hat.

Man kann die Bösen auch ins Arbeitslager stecken. Dummerweise bin ich nicht nur gegen Todesstrafe sondern auch gegen Zwangsarbeit oder -dienst. Habe ich doch selber 18 Monate darunter gelitten …

Aber was kann man tun um? Wahrscheinlich sollten wir die „Schuldhaftigkeit des Menschen“ differenziert betrachten, so wie die Gehirnforschung uns das lehrt. Denn der Mensch ist viel komplexer, als wie er uns bisher erklärt wurde. Und ganz so einfach ist es eben nicht mit der Verantwortlichkeit und Schuldhaftigkeit für unsere Taten.

Und ich träume mal weiter von einer Utopie einer „Gesellschaft frei von Strafe“. Und schau mir jetzt erst Mal den Kampf des US-Präsidenten gegen den amerikanischen (Waffen-)Terrorismus an (BARACK – NRA). Wird aber kein spannendes Match, ich weiß schon jetzt, wie es ausgehen wird.

RMD

P.S.
Das Bild ist aus Wikipedia (Revolver) und stammt von HmaagEigenes Werk, 2007.

1 Kommentar zu “Böses tun – Böses bestrafen?”

  1. Bberlina (Freitag, der 8. Januar 2016)

    Mich inspirierte der Text zu folgender Frage:
    Ist Todesstrafe nicht unlogisch, also dumm?
    Die Todesstrafe dient zur Abschreckung, etwas nicht zu tun. Dann wird es doch getan. Demzufolge dient die Todesstrafe NICHT zur Abschreckung.

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