Roland Dürre
Mittwoch, der 12. Mai 2010

BP

Der Golf von Mexiko wird weiter vom Erdöl verschmutzt. Nachdem man das Leck nicht stopfen konnte, hat man es mit einer Stahlglocke probiert. Die erste Glocke war zu groß, jetzt versucht man es mit einer kleineren. Ob man Erfolg haben wird, weiß man nicht. Immerhin nutzt BP jetzt „crowd sourcing“ und hat einen „Ideenwettbewerb“ im Internet ausgeschrieben.

Das Interesse der Medien hat aber abgenommen. Auch sonst scheint die Öl-Havarie keinen mehr besonders zu berühren. So ist das in unserer Zeit.

Barrack Obama hat gesagt, dass BP die Rechnung bezahlen müsse. Der Subunternehmer, der die Bohrinsel im Auftrag von BP betrieben hat, kann das sicher nicht.

Die Höhe des Schadens ist umstritten. Manche wollen uns trösten: In fünf Jahren (ab dem Stopfen des Lecks) würde die Natur das ja wieder heilen. Andere bleiben zynischer: Der wahre Umweltschaden wäre doch das Plastik in den Meeren. Das wäre weltweit verbreitet und verschwindet nicht so schnell wie das Öl im Golf.

Die Zahlen zum Schaden in USD oder EURO sind auch nicht so schlimm. Manche reden von 3 Milliarden, die anderen von 12 Milliarden (die Währung darf man sich aussuchen). Das sind natürlich Peanuts verglichen mit Griechenland oder einer HRE und BayernLB. Und gegenüber des Jahresgewinns von BP  von 21.157 in 2008 und 16.578 Milliarden Euro (Quelle) klingt das auch nicht so aufregend.

Was aber ist (rein theoretisch), wenn es teurer wird und die BP insolvent macht? Müssen dann die Engländer haften, so wie die Isländer für ihre Bank (was das Volk dann abgelehnt hat)? Oder ist die EU dran, wenn die Engländer das alleine nicht schaffen?

Man sieht schon, all diese Überlegungen sind Blödsinn. Sie werden dem wahren Schaden nicht gerecht. Artenvielfalt, Klima und ähnliche Themen spielen keine Rolle, wenn es ums Geld geht. Finanziell trifft es am Schluss sowieso uns. Entweder begleichen wir die Schäden mit unseren Steuern oder zahlen es als Konsumenten über den Preis.

Das ist auch völlig gerecht. Denn wir sind die öl-hungrigen Endkonsumenten. Wir sind die Verursacher. Unsere Energie- und Plastikgier ist grenzenlos, sie treibt das Big Business mit dem Öl.

Wir sollten mal rechnen: Wie viel Prozent unseres Geldes geben wir für (unnötigen) Komfort, (uneffiziente) Mobilität, (ungesunde)Bequemlichkeit oder (irrationale) logistische Vorteile aus. Überall dahinter steckt eine gigantische Verschwendung von Energie und Öl.

Und wie wenig Geld kosten unsere eigentlichen Bedürfnisse? Brauchen wir so viel beheizte und gekühlte Räume? Muss alles in Plastik verpackt sein? Müssen wir zu jeder Zeit und an jedem Ort alles haben können? Muss immer alles auf den Cent optimiert und total „rationalisiert“ sein, auch wenn es logistischer Irrsinn ist?

Ist das alles nicht zu einem Overkill an Unverstand geworden? Warum akzeptieren wir nicht zumindest teilweise die Grenzen von Zeit und Raum?

Auch die Lebensmittelindustrie schafft ihr Angebot nur auf der Basis von Erdöl. In den Gewächshäusern wird geheizt und künstlich beleuchtet, viele Nahrungsmittel haben eine Weltreise oder eine lange Geschichte in einer Logistik-Kette von Kühlhäusern und -autos verbracht. In unserer Gedankenlosigkeit meinen wir, das wäre „alternativlos“ und vergessen, dass man es auch ganz anders machen könnte. Und dies nicht zu unserem Schaden!

Die Industrie und BP machen nur das, was wir wollen. Sie handeln ausschließlich in unserem Auftrag. Sie folgen nur unserer Gier und pressen so die letzten Tropfen Öl aus der Erde heraus. Und da wir jeden Preis bezahlen, machen sie das natürlich ohne Rücksicht auf Verluste – aber nur an der Umwelt. Ihre Gewinne optimieren sie sehr wohl. Und ihre Umsatzrendite ist nicht schlecht.

Wir aber schimpfen auf BP. Weil sie solche Umweltsünder wären. Gleichzeit schimpfen wir bei der Fahrt zur Tankstelle auf die hohen Ölpreise. Und würden trotzdem tanken, selbst wenn der Spritpreis doppelt so hoch wäre.

Gut, ein wenig sind wir auch verführt werden. Entweder mit „Geiz ist geil“ oder durch „Easy going“.

Stimmt aber beides nicht.

RMD

4 Kommentare zu “BP”

  1. Chris Wood (Mittwoch, der 12. Mai 2010)

    Perhaps this oil disaster had some influence on the vote in NRW, where the Green party doubled its share of the vote. Strangely nobody has suggested this.

  2. Tweets die IF-Blog » Blog Archiv » BP erwähnt -- Topsy.com (Mittwoch, der 12. Mai 2010)

    […] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von David Mändlen, Thomas Götz erwähnt. Thomas Götz sagte: Sehr kluger Beitrag. Danke Dir. RT @RolandDuerre: Golf von Mexiko vergessen. http://bit.ly/dlWvSJ Dann schreibe ich halt dazu #Oel #Leben […]

  3. JUS (Mittwoch, der 12. Mai 2010)

    Klar ist das ein Disaster ersten Ausmaßes, aber das liegt nur an der Aktualität des Ereignisses.
    Der Erde wird noch weitaus mehr zugemutet, und zwar mit noch nicht absehbaren Folgen. Als ein Beispiel soll die stetige unkontrollierte Entsorgung von Atommüll dienen, alles dazu in einem Film von Arte zu sehen, auf Wikipedia nachzulesen
    http://de.wikipedia.org/wiki/Albtraum_Atomm%C3%BCll
    oder auf youtube anschauen.
    http://www.youtube.com/view_play_list?p=FAC5EF940E2266B8

    Erdöl dient übrigens nicht nur der Erzeugung von Brennstoffen, sonder weitaus mehr Produkten der chemischen Industrie, Kunsstoffe, Azneien etc.
    Ohne Erdöl könnten wir quasi wieder auf die Bäume ziehen.

    Was ich nicht verstehe ist, warum ein solcher Zwischenfall von den Betreibern nicht ins Kalkül gezogen wurde und man hat, mal ganz zu schweigen von dem nicht eingesetzten Sicherheitsventil, so einen Zwischenfall noch nicht geprobt.
    Wenn man ein 1500m langes Rohr zum Meeresgrund bringt um dort nach Öl zu bohren, ohne solche Pannen zu simulieren, dann ist das so, als ob ich mit dem Auto fahre und ich weiß nicht, ob meine Bremse funktioniert.

  4. rd (Mittwoch, der 12. Mai 2010)

    Lieber Jens,

    mir geht es wie Dir. Aber jetzt bohrt man schon in 2.500 Metern und tiefer.

    Und es wird uns versichert, dass diesmal ein unabhängiger Experte darüber wacht, dass alles ordentlich zu geht. Gestern im Radio gehört.

    Deshalb fahre ich nicht mehr Auto und esse auch kein Joghurt aus Plastikbechern mehr.

    Ich grüße Dich aus dem Zug von Nürnberg nach Ingolstadt.

Kommentar verfassen

*