Roland Dürre
Montag, der 4. Februar 2013

brand eins im Februar

Am Mittwoch war es bei mir. Das brand eins im Februar. Von außen ist es ein wenig farblos.

Wundert mich beim Schwerpunkt „Marken und Glaubwürdigkeit“ nicht. Auch die Frage auf der milchigen Cola-Flasche holt mich nicht hinter dem Ofen hervor:
„Wofür stehst
Du?“.

Richtet sich ja wohl nicht an mich, sondern an die Marken. Und wofür die stehen, weiß doch wirklich keiner. Eher was sie bewirken sollen – nämlich zum blinden Konsum animieren und so Umsatz und Profit der Marken-Unternehmen mehren.

Vor kurzem war ich im Volkstheater und habe mir den „Felix Krull“ angeschaut. Eine fantastische Aufführung. Im Programm-Heft war ein tolles Interview mit einem Psychologen, der sich wohl intensiv mit „Hochstaplern und Hochstapelei“ beschäftigt. Der hat Marketing- und Markenbildung als eine Form von „systemischer und zweck-orientierter Hochstapelei“ bezeichnet.

Aber zum Inhalt des Hefts. Bin ich doch am Freitag Abend im Zug nach Augsburg-Hochzoll gefahren und hatte so Zeit, viele der Artikel lesen. Die waren wie immer gut recherchiert, mit interessanten Unternehmen und respektablen Meinungen.

Aber so wie ich das brand eins gelesen habe, wird das Thema „Marken“ dort schon stark entzaubert. Sie sollen Vertrauen schaffen. Es scheint aber mehrheitlich bei den meisten Unternehmen darum zu gehen, einen Vertrauensvorschuss abholen zu wollen, der aber so nicht unbedingt eingehalten werden will, kann und soll. Oder die Unternehmen verbinden das „Angenehme mit dem Nützlichen“.

Insofern eine Nummer, bei der mir als (hoffentlich ehemaliger) „Markengläubiger“ gezeigt wird, wie ich mich doch immer wieder rein legen lasse. Und gutes Geld für „heiße Luft“ aus gebe. Und dass halt Marketing auch vor allem Marken schafft, die eigentlich nichts über den Rest des Unternehmens aussagen. Marketing unterstützt sozusagen den Aufbau von schizoiden Unternehmen. Die Realität wird verschleiert, unwahre Behauptungen des bloßen Erfolgs wegen aufgestellt. Und immer wieder heißt es dann: Außen Hui, innen Pfui.

Aber wie gesagt, so haben die Artikel auf mich gewirkt. Vielleicht liest ja ein jemand anderes etwas ganz anderes heraus.

RMD

P.S.
😉 Gerade habe ich in den Nachrichten des heutigen Tages gehört, mit welchen Sprüchen einer der beiden Vorstände der Deutschen Bank diese zu einer „Wertemarke“ machen möchte. Trotzdem wird die Bank weiter mit Lebensmittel-Werten zocken, weil da doch zurzeit die besten Steigerungsraten drin sind. Da hat jemand das brand eins des Februars wohl noch nicht gelesen.

P.S.1
Eigentlich wundert es mich (nicht), dass in diesem brand eins wieder so viele „Marken“ mit ihren Anzeigen vertreten sind. Aber so ist er, der Kapitalismus.
🙂 Aber Karl Marx soll  ja schon gesagt haben: „Die Kapitalisten werden uns die Stricke verkaufen, an denen wir sie aufhängen werden.“? Und Marx ist ja angeblich wieder in.

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