Roland Dürre
Sonntag, der 29. Mai 2011

brand eins im Juni

Von Mittwoch bis Freitag liegt das neue brand eins auf meinem mittelständischem Schreibtisch. Ungelesen, noch in der Cellophan-Hülle verpackt. Und jeden Morgen lacht mich der Titel an (aus):

Es gibt intelligentes Leben im Konzern.

So habe ich genug Zeit zum Überlegen und Spekulieren. Was meint brand eins? Der in rot gehaltenen Aussage möchte ich nicht widersprechen. Aber da kommt noch eine Frage:

Warum die Großorganisation überlebt?

Wie ich finde, eine sehr gute Frage. Ich beantworte sie mir  so:

Große Organisationen haben eine unheimliche Macht. So können sie den Markt, vielleicht sogar die ganze Welt beeinflussen, steuern und verändern.

Und da Systeme träge sind und gesellschaftliche Veränderungen in der Regel nur langsam vor sich gehen, haben die eher nicht so schnellen Großen genug Zeit sich anzupassen. Gefährlich wird es für die großen nur, wenn die Veränderung zu schnell kommt.

Subversive (positiv wirkende) Intelligenz in Konzernen habe ich natürlich auch schon gelegentlich erlebt. Meistens waren das Menschen, die durch die etablierten Prozesse nicht beherrschbare Probleme mit gesundem Menschenverstand und direkter Kollaboration mit anderen Instanzen unter Umgehung von Vorschriften und Regeln schnell und einfach zum Vorteil des Konzerns gelöst haben.

🙁 Huch – was für ein langer und komplizierter Satz.

🙂 Am Freitag Abend nehme ich das Heft mit nach Hause und am Samstag öffne ich die Cellophan-Hülle. Ab ins Heft! Mit der Hoffnung und auch Gewissheit, dass da die Sätze bestimmt kürzer sind!

Diesmal lobe ich wieder mal die kurzen Artikel, die in jeder Ausgabe sind. Freue mich, dass ich erfahre, wie Eine Bäckerin in Bolivien lebt. Diese Serie immer ganz vorne im Heft ist mir wichtig. Erinnert sie mich doch immer wieder daran, in welch privilegierter Sondersituation ich und meine Familie leben.

Aber auch die andere Ein-Seiten-Serie Die Welt in Zahlen lässt mich immer wieder schmunzeln  – oder bringt mich zum Nachdenken. Oder beides. Leichte aber leckere Zwischenkost für den eiligen Leser.

Und natürlich die Gute Frage! Diesmal heißt sie: „Was kostet die Welt“. Da geht es nicht um die Frage: „Wie lange halten denn die Versicherer und deren Rückversicherer diesen Druck aus, der durch die zumindest von mir wahrgenommene Zunahme an Katastrophen verursacht wird?“ (die ich mir gerne stelle), sondern darum, wer für die vielen Schäden aufkommt, die wir letzten Endes permanent anrichten und die nicht versichert sind. Ein Satz elektrisiert mich:

„Externitäten sind eine Art gesamtwirtschaftlicher Bad Bank“

Spannend! Ich habe in meinen Vorträgen bisher gerne auch von der „Externitätenbilanz“ eines jeden Unternehmens gesprochen, die man auch bei der Bewertung eines Unternehmens neben der Kultur, den Menschen und vielem anderen betrachten sollte (und nicht nur den Shareholder Value). Und jetzt finde ich hier Ideen in Richtung einer gesamtwirtschaftlichen „Externitätenbilanz“. Klasse!

Den Schwerpunkt Großorganisation hebe ich mir für den heutigen Sonntag auf. Und die nächste Woche sollte ja aufgrund des süddeutschen Feiertages dann ein wenig Muße sein, um auch den Rest zu lesen.

So schließe ich mit meinen eigenen Gedanken sozusagen als vorläufiges Fazit:

Es wird immer Große und Kleine geben. Die Großen werden immer größer, weil sie die Kleinen fressen. Das geht, bis die Großen zerfallen oder sich selbst zerlegen.

Kleine werden immer wieder neu gegründet. Die Kleinen sterben oder wachsen. Die meisten der Kleinen werden dann gefressen, andere werden größer weil sie selbst Kleinere fressen.

So geht der Kreislauf des Lebens – und wohl auch der Wirtschaft.

Verbessern können sich immer alle – die Kleinen wie die Großen!

RMD

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