Roland Dürre
Freitag, der 27. September 2013

brand eins im Oktober

brandeinsOKT13Vor drei Tagen kam es wieder regulär zu mir, das brand eins. Heute am Ende der Woche habe ich ein wenig Zeit und schaue es mir an.

Im Oktoberheft ist der Schwerpunkt Normal. Auf dem Umschlag steht in großen Lettern:

Alle sind normal.
Nur du nicht.
(kleiner und in rot).

Bevor ich das Heft öffne, lass ich das auf mich wirken. Habe ja vom brand eins des September gelernt, dass man mit dem Titelblatt behutsam umgehen muss.

Ich fühle mich an meine Kindheit erinnert. In der Tat habe ich damals doch einige Menschen beneidet, wie „normal“ sie sind. Und fand mich gar nicht normal …

Dann muss ich an meinen Freund und Lehrer Rupert Lay denken. Der hat erst vor kurzem im hohen Alter einen schönen Vortrag gehalten über die verschiedenen Welten anderer Menschen. Eine Aussage von ihm war:
Jeder Mensch hat seine eigene Welt. Die ganz anders ist und anders sein muss als die eigene.
Er hat auch gesagt, dass man mit dem Anders-Sein der Mitmenschen umgehen können muss. Und den Satz formuliert:

„Toleranz heißt, das Anders-Sein des anderen anzunehmen, Liebe heißt, das Anders-Sein des Partners zu wollen“.

Das ist für mich eine gigantischer Satz. Ich kann aber das Anders-Sein anderer kaum akzeptieren, wenn ich nicht auch mein eigenes Anders-Sein akzeptiere. Das wird wohl nicht gehen, wenn ich mich als „nicht normal“ empfinde.

Ich glaube, dieses als „nicht normal empfinden“ liegt daran, dass gutwillig wie wir Menschen halt sind, wir die Welten vieler anderer Menschen bewundern. Und unsere eigene gelegentlich als schäbig empfinden, weil wir sie halt gut kennen. Und das ist wohl ein großer Fehler. Denn auch unsere eigene Welt ist eine wundervolle.

Aber genug der Vorrede. Ich schaue ins Heft rein. Und finde da einiges von dem, das mich bedrückt. Nämlich die totale Ökonomisierung unserer Welten. Ob in den Unternehmen, in der Arbeit, bei Gesundheit und Medizin, bei der Altersvorsorge, schier überall. Auch im individuellen Bereich werden die Entscheidungen immer mehr von ökonomischen Überlegungen dominiert, so zum Beispiel bei der Familienplanung und allgemein dem privaten Lebenskonzept.

Diese Ökonomisierung hat ihre Ursache in der wohl offensichtlichen Tatsache, dass alle sozialen Systeme versuchen, ausschließlich zu ihren Gunsten zu optimieren. Jeder Prozess wird so ausgerichtet, dass er vor allem oder gar nur dem System dient. Die Kunden und Mitarbeiter, Teilnehmer und Nutzern, Betroffene und Opfer aller Art spielen hierbei keine Rolle. Und das, obwohl diese ausschließliche Optimierung fürs System letztendlich auch diesem selbst zum Nachteil gereicht.

Und für beide Thesen, nämlich dass diese Ökonomisierung unserer Gesellschaft wirklich stattfindet, aber auch dass sie letzten Endes allen mehr schadet als nutzt (auch den Systemen, für die sie gemacht wurde), habe ich den einen oder anderen Beleg in den Artikeln des brand eins des Oktober gefunden. Wie ich bei der Lektüre auch dieses brandeins wieder entdeckt habe, dass diese Entwicklung die Folge eines doch sehr reduzierten Menschenbildes ist – nicht nur im unternehmerischen Denken – und so zu diesem (Miss-)Erfolg führt.

Aber am besten – selber lesen und selber entdecken.

RMD

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1 Kommentar zu “brand eins im Oktober”

  1. Chris Wood (Sonntag, der 29. September 2013)

    I am reminded of the film „Life of Brian“. There is a scene where Brian tries to convince a crowd that he is not the Messiah. He shouts something like „Don’t just follow the crowd. Every one of you is an individual“. The crowd roars agreement, except for one who disagrees.

    Don’t worry too much about „economising“. Remember that for billions of years, life on Earth has been organised according to the effectiveness with which genes are reproduced. And this will probably continue for further billions, long after humanity disappears, unless we manage to eliminate life (as we know it). You may or may not like the result of this process, but we would not be here without it. Your „economising“ is a miniscule part of this process.

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