Roland Dürre
Freitag, der 8. Oktober 2010

brand eins im September, Nachlese II

In der Welt in Zahlen auf Seite 10 in diesem brand eins lese ich unter anderem:

Jährlicher Ausstoß an schädlichen Schwefeloxiden durch alle 760 Millionen Autos weltweit, in Tonnen:
76760

Jährlicher Ausstoß an schädlichen Schwefeloxiden durch die 15 größten Schiffe der Welt, in Tonnen:
78000

Das finde ich doppelt bemerkenswert.

Zum einen die absolute Zahl von Autos. Wir haben offensichtlich die 3/4-Milliarde überschritten. Und wenn ich rechne, wie viele Autos wir bauen, dann ist in ein paar Jahren die Milliarde in Sicht.

1 Milliarde Autos in einer Welt, in der mehr als eine Milliarde Menschen hungern! Das macht mit gruseln.

Zum anderen die Schadstoffe der Schiffe.

Dass die 15 größten Schiffe noch mehr Schwefel als alle Autos zusammen ausstoßen, wundert mich nur auf den ersten Blick. Das Auto stößt seine Schadstoffe direkt in unserer Mitte aus. Da haben wir viel getan. Schadstoff optimierte Motoren, Katalysator, hochwertige Treibstoffe bis hin zum schwefelarmen Diesel.

Die Schiffe dagegen stoßen ihre Schadstoffe über den Meeren aus. Bei meiner letzten Schifffahrt in den Norden habe ich viele dieser gigantischen gelben Schwefelschwaden am Horizont gesehen. Das war sichtbar gemachte Umweltverschmutzung in einer Dimension, vergleichbar nur mit den Emissionen von Industrien unserer Vergangenheit.

Bis auf einige wenige Hafenstädte stört das niemand. Und international geltende Regeln und Vereinbarungen sind fast unmöglich und wenn schwer zu kontrollieren. Man denke nur an das Problem mit Tankreinigung auf hoher See.

Der Kosten regieren die Welt. Und jeder hat Angst, im Geschäft einen Nachteil zu erleiden, wenn er die Kosten im Wettbewerb einseitig für Umweltschutz gewaltig erhöhen muss. So werden die Flotten dieser Welt noch länger mit Schweröl der untersten Qualität fahren. Und das Kerosin wegen (vermeintlicher) nationaler oder regionaler Wettbewerbsnachteile nicht besteuert werden.

Ich habe mal in einem brasilianischen Hafen einen Tankunfall an unserem Schiff beobachten können. Die Ursache war ein Fehler bei der Betankung. Schweröl ist so zäh, dass es durch Erwärmung flüssig gemacht werden muss. Das Öl wurde nicht ausreichten erwärmt und so platzte der Schlauch vom Tankschiff zur MS Europa. Da konnten wir sehen und riechen (und glücklicherweise nicht fühlen), was das feine Schiff so verbrennt.

Es war und ist grauenhaft, was die Schifffahrt an Emissionen produziert. Und nicht zu rechtfertigen. Konsequent überwachte Regeln müssen dringend eingeführt werden..

Wir brauchen aber auch Alternativen. Die beste scheint hier wieder mal der Wind zu sein. Der wurde viele Jahrhunderte für den Vortrieb genutzt. Mit moderner Technologie kann man ihn eingefangen und Schiffe dann elektrisch betreiben. Man schaue mal auf die Webseite von Enercon. 1984 durch Aloys Wobben gegründet. Eine enorme Erfolgsgeschichte rund um Wind. Und die planen so etwas.

RMD

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