Roland Dürre
Sonntag, der 2. Mai 2010

brand eins im Mai – Dieses Heft macht sexy!

Dieses Heft macht sexy – stimmt! Ist aber nicht mein Kommentar, sondern tatsächlich der Titel der Mai-Ausgabe von brand eins. Natürlich will ich sexy (am liebsten sogar sehr sexy 🙂 ) sein, fühle mich also sofort angesprochen.

Noch mehr trifft mich der Untertitel:

Der Sieg des Irrationalen!

Das ist Wasser auf meine Mühlen. Erfahre ich doch täglich, wie auf kompliziert und rational ermittelten Annahmen mühsam aufgebaute, filigran geplant und so schön konstruierte Vorhaben zerplatzen.

Während die schönsten Dinge und die besten Projekte aus irgendwelchen Winkeln kommen, an die man nie gedacht hätte. Und irgendwie ist das immer so.

Viele Jahre habe ich daran geglaubt hat, dass die Ratio eine wertvolle Begleiterin meines Lebens ist. Mittlerweile weiß ich, dass in Wirklichkeit die alte Volksweisheit gilt: „der Mensch denkt, Gott lenkt“ (wer oder was dieser Gott auch immer sein mag). So bin ich zur Überzeugung gekommen:

Wir müssen weise handeln und nicht so viel und kompliziert denken.

Unter „weise handeln“ verstehe ich „basierend auf sittlich verantworteten Werten, Lebenserfahrung und Intuition und keinesfalls auf intellektuellen, komplizierten rationalen Überlegungen zu handeln“ – siehe auch mein Artikel „Unternehmer„.

Und das Team von brand eins sieht das wohl auch so. Auf der Titelseite wird das alles in einem kurzen Satz zusammen gefasst:

Der Sieg des Irrationalen!

Und dann finden wir im Heft einen bunten Blumenstrauß passender Artikel. Klasse!

Am Donnerstag war unser brandeins da, gestern habe ich zu Lesen angefangen. Als erstes wie immer das Editorial von Frau Gabriele Fischer, diesmal Parallelwelten. Ein Volltreffer. Genial, Frau Fischer spricht mir aus dem Herzen.

Und gleich auf Seite 4 schaut mich mein „Freund“ Woody an. Woody Allen ist neben John Lennon, Albert Camus und weiteren einer der Idole, die mich beim Erwachsen werden begleitet haben. Da muss ich sofort an Casino Royale (1967),  Woody, der Unglücksrabe (Take the Money and Run – 1969) oder Bananas (1971) aber auch Die letzte Nacht des Boris Gruschenko (Love and death – 1975) oder Zelig (1983) denken. War das alles ein (schöner) Wahnsinn!

Dann kommt Die Welt in Zahlen und ich erfahre, dass der Anteil der Erdoberfläche, die von Wald bedeckt ist in Prozent 8% und der Anteil der Erdoberfläche, die von im Meer treibenden Plastikmüll bedeckt ist, in Prozent 25 % beträgt. Unvorstellbar, ich interpretiere das als den Teil des Meeres, in dem wesentlich Plastikmüll schwimmt.

Oder dass die Zeit, die zwischen Barrack Obamas Amtsantritt und der Verabschiedung der Gesundheitsreform mit Versicherungspflicht für alle US-Bürger verstrich, in Monaten 14 war, die Wertsteigerung der Aktien der amerikanischer Krankenversicherer in dieser Zeit bei Prozent 71 lag.

Und weiter geht es im Heft, Schlag auf Schlag!

Ja, Frau Fischer hat wirklich recht. Es ist schwer zu entscheiden, was vernünftig und was durchgeknallt ist. Wir befinden uns in der Tat auf einer Gratwanderung zwischen Normalität und Wahnsinn.

Die Artikel in brand eins bestärken mich in meiner Auffassung, dass wir vermeintlich Selbstverständliches in Frage stellen müssen. Das ist für mich Grund, mein eigenes Leben zu ändern. So ärgere ich mich weniger über mich und andere, gewöhne mir das Bedürfnis Recht zu haben ab, versuche nicht mehr so viel über das was ich hätte besser machen können nachzudenken und vor allem, mich selbst und die Welt außen herum nicht mehr ganz so wichtig zu nehmen. Und lass mich auch gerne mal von den Gefühlen treiben und schalte die Vernunft aus. Das macht mich zufriedener, vielleicht kann ich so sogar besser sterben wenn es dann mal soweit sein sollte.

Und in brand eins lese ich, dass ich nicht alleine bin. Das tut schon mal ganz gut!

Also:

Lesen, Lesen, Lesen

und

Weiterempfehlen, Weiterempfehlen, Weiterempfehlen!

We all live in a yellow submarine!

RMD

P.S.
Die älteren Ausgaben von Brandeins bestechen sämtliche durch zeitlose Validität. Wer also den Weg zum Kiosk scheut, kann sie ganz einfach auf brandeins.de nachlesen. Viel Spaß beim Schmökern.

Der Film …

… und die Musik:

9 Kommentare zu “brand eins im Mai – Dieses Heft macht sexy!”

  1. Tweets die IF-Blog » Blog Archiv » brand eins im Mai – Dieses Heft macht sexy! erwähnt -- Topsy.com (Sonntag, der 2. Mai 2010)

    […] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Roland Dürre und Thomas Götz, Thomas Götz erwähnt. Thomas Götz sagte: RT @RolandDuerre: brand eins Mai gelesen – fühle mich sexy 🙂 http://bit.ly/bGqYwc Der Sieg der Irrationalen … #Brandeins #dominante #logik #NeueWelt […]

  2. Chris Wood (Sonntag, der 2. Mai 2010)

    Dearest Roland, what a load of rubbish! Anybody who has looked at the sea knows that it is not even 1% covered in plastic rubbish. I suppose the statement was originally that at least one piece of plastic rubbish can be seen on 1% of kilometre squares.
    And how do you propose to question common beliefs without thinking?
    Maybe irrationality is winning, but that is not good. Look at Africa, where AIDS has been spread by Catholic prejudice against condoms, and by Mbeki who refused to accept that it was spread by sex. Eradication of polio was prevented by reliance on ignorant religious views (mostly in Nigeria). (Perhaps it is unfair of me to link ignorance with irrationality, but it tends to have similar effects). I just read that Christianity and Islam have taken over Africa, to 90%, and that (except where they come into contact with each other) the people of each religion believe there are no problems in the other,!
    It is I rather than you who suspects (very sadly) that it may even be good for the world if mankind goes under due to ignorance, irrationality, hunger, disease and religious wars. Yet you sing the praises of irrationality.
    I never liked Woody Allen. The few of his films that I have seen seemed to have been written just for neurotic New Yorkers.
    I must start to read „brand eins“ (know your enemy).

  3. rd (Sonntag, der 2. Mai 2010)

    Lieber Chris,
    hast Du schon einmal ein Geschäft, eine Liebe oder etwas wesentlich in Deinem Leben rational geplant und ist dann das passiert, was Du erreichen wolltest?
    Zum Meer: Auf meinen Schifffahrten habe ich kaum plastikfreies Meer erlebt.
    Ich freue mich, aber, dass Du vor hast, brand eins zu lesen!
    Roland

  4. Chris Wood (Sonntag, der 2. Mai 2010)

    Dear Roland, love, health, and friendship have been what mattered most to me, so I have always been rather rational about them. This has worked out well. Decisions about my career have been taken less seriously, so it worked badly.

  5. rd (Sonntag, der 2. Mai 2010)

    Lieber Chris, schon fast zu intim, aber für die Sache:

    Hältst Du es für möglich, dass es da bei Dir einen Unterschied zwischen Deinem Eigenbild und Deinem Fremdbild gibt (Differenz von Deiner eigenen Wahrnehmung Deiner Person und wie Dich Dritte wahrnehmen)?

    Oder:

    Wie kann man mit Liebe und Freundschaft rational umgehen?

  6. Rene (Montag, der 3. Mai 2010)

    @chris Even if it is less then 1 % of water, but the facing is different. If you take a plastic bag and take the volume, it’s pretty little. If you take the facing it is much more. 27 % of facing could be true.

  7. Chris Wood (Mittwoch, der 5. Mai 2010)

    I assume I should understand „facing“ to mean „surface“. But I still don’t really understand the last comment. Of course „bedeckt“ refers to surface, but I have never seen the sea so covered (25%). I cannot even remember a beach quite that bad.

  8. Chris Wood (Montag, der 10. Mai 2010)

    Sorry Roland, I have found you out! You recommend brandeins, but do not read it properly! I bought this issue, and have read half of it, including the two main articles about the triumph of irrationality. (The rest seems rather boring). These two articles do not celebrate the triumph of irrationality. They deplore and condemn it (with too flowery style, and too long-winded). The well known study on making decisions by „gut- feeling“ is said to have made the point that this depends on previous (logical) investigation and consideration, which lead to the right gut-feeling.
    So, when you condemn my too logical approach, you may well be thinking like the majority, but not like those writing for brandeins.

  9. rd (Donnerstag, der 13. Mai 2010)

    Hi Chris!

    Nein, du hast mich nicht. Ich lese die Artikel sehr gern. Und es ist ein Pladoyer für weniger Kopfgeburten.

    Das Problem ist, dass wir beide ein völlig unterschiedliches Verständnis von Vernunft haben.

    RMD

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