Agrippina minor mit Diadem als Justitia auf einer Münze des Nero

Agrippina minor mit Diadem als Justitia auf einer Münze des Nero. Die oft ziemlich blinde Justitia.

Da hat (wurde) eine Kanzlei (eine von vielen solchen) „geleckt“ (gehackt), die als Dienstleistung die Konstruktion und Installation von besonderen Unternehmen in recht eigenartigen Staaten anbieten – und viele Menschen sind überrascht, was es alles gibt, wenn ein Teil der Wahrheit publik wird.

Die Medien haben das Datenleck natürlich sofort wieder in besonderer Art und Weise und ziemlich sensations-lüstern publiziert.

Nur ist das alles aber schon lange bekannt. So berichte ich hier über mir Bekanntes zu Korruption, Briefkasten-Firmen, den Methoden dahinter und über alles was da dazu gehört.

Hier also vier Korruptions-Geschichten, die ich selbst so erlebt habe.

Geschichte 1:
Wie man Schwarzgeld macht und in eine Briefkastenfirma einbringt.

Stellen Sie sich vor, Sie sind ein methodischer Berater und haben ein erfolgreiches Beratungs-Unternehmen namens „GAMMA“ – ein ganz „normales“ und leidlich erfolgreiches Unternehmen in Deutschland. Sie haben eine Idee, die Ihr Geschäft stützt und programmieren diese am Wochenende in Excel runter. So entsteht ein Werkzeug, das Ihre Methode unterstützt und Ihr Beratungsangebot effizienter macht und von der Konkurrenz differenziert. Ihre Mitarbeiter benutzen das Werkzeug gerne, Ihre Kunden schätzen es und sind vielleicht sogar bereit, dafür eine Extra-Gebühr oder Lizenz zu bezahlen. Das muss aber gar nicht sein.

Schon haben Sie eine perfekte Ausgangs-Situation, in der Sie wunderbar Schwarzgeld generieren und in eine Briefkastenfirma transferieren können.

Sie machen jetzt Folgendes – und alles ist (fast ?) legal.

Sie gründen eine Firma „ALPHA“ in so einem Briefkasten-Firmen-Staat („Steuer-Oase“). Dieser Firma übertragen Sie ihre Idee (Ihr Geistiges Eigentum, auch in Neudeutsch Intellectual Property oder IP genannt). Das Unternehmen „ALPHA“ hat offiziell die Aufgabe, Ihr geistiges Eigentum weltweit zu vermarkten. Das erscheint doch völlig legal im Sinne der geltenden Gesetze. Nur der Standort des Unternehmens mag ein wenig ungewöhnlich sein, er ist in einem sehr exotischen Land, das niemand so richtig kennt und das mit dem man den Begriff „Steuer-Oase“ assoziert. Der „Geschäftsführer“ von „ALPHA“ wird in der Regel ein Strohmann sein, der nicht viel zu tun hat und dafür auch nur ein kleines Entgelt bekommt.

In einem anderen (ein wenig vertrauenswürdigerem Land wie z.B. Irland) gründen Sie ein klitze-kleines SW-Haus namens „BETA„. Das besteht aus einem Mitarbeiter, der in seiner Freizeit gegen ein kleines Entgelt Ihr Spreadsheet ein wenig funktional erweitert und pflegt. Auch das dürfte legal sein.

Die Firma „BETA“ stellt an „GAMMA“ eine nicht zu kleine Rechnung für jeden gemeldeten (!) Einsatz von Methode und Werkzeug. Mit einem kleinen Teil der Einnahmen wird der Teilzeit-Mitarbeiter finanziert. Der wesentliche größere Restbetrag wird an „ALPHA“ als Lizenzgebühr fürs IP abgeführt. Bei „BETA“ bleibt nicht nicht mehr als notwendig hängen. Auch das ist sicher nicht illegal.

Sie erhöhen auf diesem Weg die Kosten und senken den Gewinn von „GAMMA“ (und zahlen weniger Steuern.)  So transferieren Sie regelmäßig schöne Sümmchen (Schwarz-?)Geld aus „GAMMA“ über „BETA„nach „ALPHA„, ihrem Off-Shore-Unternehmen, das in ihrem Besitz ist und Ihres geistiges Eigentums (IP) verwaltet und verkauft.

Diese Methode funktioniert so mit Rechten aller Art im Kleinen wie im Großen.

Bliebe noch die Frage:
Was macht das Unternehmen „ALPHA“ mit dem vielen Geld?

ALPHA“ investiert in ein Häuschen im Tessin oder auf Mallorca – oder in eine Yacht, ganz nach Ihrem Geschmack. Die können vermietet werden; das Vermögen wird so weiter vermehrt. Und natürlich können Sie auch ihren Wünschen folgend Yacht und Häuschen beliebig nutzen, wie zum Beispiel mit hübschen Damen dort eine schöne Zweisamkeit verbringen oder – natürlich gratis – Ihre Geschäftspartner einladen.

Wenn Sie Ihre Briefkastenfirma „ALPHA“ dann mal auflösen will, so geht das auch. Das macht dann wieder die Kanzlei, die bei der Gründung des Unternehmen so behilflich war und bringt die Moneten steuerlich günstig wieder „heim ins Reich“.

Ist doch ganz einfach! Aber Justitia schaut zu und kann in der Regel gar nichts machen.

In der nächsten Story dieser Serie berichte ich, wer vom Geschäft mit den „Schwarzen Kassen“ in Wirklichkeit profitiert – und welche Rolle dabei Brief-Kastenfirmen spielen können. Und anschließend „oute“ ich mich, wie man mich zu bestechen versucht hat, als Kunde wie auch als Lieferant (!).

RMD

P.S.
🙂 Jetzt hoffe ich nur, dass es keine Firma „Gamma“ gibt, die tatsächlich solche Geschäfte macht.

P.S.1
Das Bild ist aus Wikipedia – Eigentümer ist die Classical Numismatic Group, Inc.

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