Roland Dürre
Donnerstag, der 21. April 2016

Briefkasten-Firmen, Korruption und was so dazu gehört … (Serie) #2

Heute: Bestechung & Schwarze Kassen

Wie ich noch in Anwender-Software gemacht habe, war immer Requirement Engineering angesagt. Immerhin hatte der Begriff den Vorteil, dass das Wort Management nicht drin vorkam. Modern würde man ja wahrscheinlich „Requirement Management“ sagen. Ich bevorzuge aber heute den eher agilen Ansatz eines Systementwurfs mit „user stories“ und „use cases“.

Ganz gleich ob so oder so, immer gibt es etwas Ähnliches wie Entity-Relationship-Modelle (ERM). Es werden Objekte oder besser Klassen von Objekten und eine qualifizierte Beziehung beschrieben, die zwischen diesen besteht.

Das für mich schönste Beispiel für ein ER-Modell ist die Liebe. Da gibt es die Liebende (entity E1, die Liebe (relationship L->) und die Geliebte (entity E2), also E1 L-> E2. Das ganze geht natürlich auch männlich.
🙂  Und wenn das Relationship symmetrisch wird (<-L->), dann sprechen wir von einem „Happy End„.

Sogar die sicher sehr schlauen Jesuiten als Vordenker der katholischen Kirche haben genau diese Metapher gewählt, um das unverständliche und oft angezweifelte Dogma der Dreifaltigkeit als menschenfreundliche Metapher abzutun. Sie haben einfach Gottvater als den Liebenden, den heiligen Geist als die Liebe und Jesus als den Geliebten definiert.

:-) Was waren das noch für Zeiten, wie man diesen Schein als Reserve versteckt in seinem Geldbeutel hatte.

🙂 Was waren das noch für Zeiten, als wir diesen tristen Schein sauber gefaltet und tief versteckt als eiserne Reserve in der Tiefe unseres Geldbeutel hatten.

Bestechung kann auch als Entity-Relationship-Modell definiert werden. Es gibt den Bestecher, die Bestechung und den Bestochenen. Schon vor ein paar Jahrzehnten haben wir im Seminar bei Rupert Lay – damals auch als der Nestor von Ethik in Wirtschaft und Gesellschaft bezeichnet – das Thema Bestechung heiß diskutiert und debattiert.

Die Erkenntnis im Kreis der Manager war damals, dass die Bestechung zumindest eines deutschen Beamten zweifelsfrei ein „Nogo“ wäre, weil sie definitiv vom Gesetzgeber verboten wäre. Eine Bestechung eines Einkäufers einer definitiv korrupten Gesellschaft – um zum Beispiel Arbeitsplätze zu erhalten – könne aber ethisch durchaus zu rechtfertigen sein. Weil es ja sonst ein anderer tun würde. Und das Finanzamt würde ja auch genau deshalb eine Erklärung wie „besondere Aufwendung“ ohne Empfängerangabe in einem vernünftigen Rahmen akzeptieren.

Soweit die Management-Denke der 80iger Jahre. Ich sah und sehe das ein wenig anders. Zum einen, weil diese Logik ja alles recht fertigen würde, auch den Einsatz von weiteren unredlichen Mitteln – wie zum Beispiel Gewalt – und zum anderen, weil auf diese Art und Weise das Rad der Korruption nur noch schneller gedreht werden würde.

Wie sieht Bestechung in der (erlebten) Praxis aus?

In der Regel basiert Bestechung auf einem System von schwarzen Kassen. Denn sie funktioniert nur, wenn Bestecher (E1) und Bestochener (E2) nicht bekannt werden. Also muss das Geld möglichst früh anonym aus dem Unternehmenskreislauf entnommen und ins Schattenreich des Schwarzgeldes gebracht werden.

Dort herrscht Regellosigkeit los, bzw. die Regeln werden von einzelnen Personen festgelegt. Die sind bekanntermaßen schwach und können leicht verführt werden. Besonders wenn sie als sozialem Rahmen ein korruptes System haben, dass es ja mit seinen schwarzen Kassen vormacht.

Menschen mögen sich selber am meisten. Und ihr Gerechtigkeitssinn protestiert, wenn so ein korrupter Mensch einer fremden Welt auch noch soviel Geld kriegen soll. Also zweigen sie – für mich gut nachvollziehbar – einen wesentlichen Betrag aus dem Bestechungsgeld an sich ab. Alles andere wäre ja mehr als dumm.

Ich gehe mal davon aus, dass (mehr als) die Hälfte der Bestechungssummen gar nicht bei den Bestochenen landet sondern bei den Bestechern hängen bleibt. Das macht Bestechung so problematisch. Denn plötzlich wird das ERM symmetrisch, der Bestecher will die Bestechung genauso wie der Bestochene, sie werden zu Komplizen und die Notlüge „man muss ja bestechen, weil es die Regel ist“ steht auf noch schwächeren Beinen.

Das an beide Seiten geflossene Geld muss natürlich irgendwo hin – und wieder wird uns klar, warum es so viele Scheinfirmen gibt. So schließt sich der Kreis zum ersten Artikel meiner kleinen Serie. In den nächsten beiden Artikeln beschreibe ich dann ganz konkret, wie ich bestochen werden sollte.

RMD

P.S.
Der Tausender ist aus Wikipedia.

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