BILD0284Zu meinem letzten Beitrag zum Umgang mit Nahrungsmitteln passt ein Artikel, den mir Chris (cw) gesandt hat.

In diesem Artikel (hier zum „download“ auf Englisch C4-Rice (315) und auf Deutsch C4-Reis (403)) geht es um die sagenhaften Möglichkeiten, die uns die C4-Nahrungsmittel-Technologie verschaffen könnte. Und die Euphorie ist groß, dass man so den Welthunger auf hohem Niveau stillen könnte.

Sicher eine schöne Hoffnung, aber mit welchen Implikationen! Eine noch domestiziertere Welt mit Pflanzen basierend auf einer neuen Technologie. Früher war ich von Technik begeistert und hätte das vielleicht toll gefunden. Heute ist das für mich eher eine grauenvolle Vorstellung. Ich fühle mich an die vergangenen Utopien des Sozialismus oder anderer totalitärer Regime und an Aldous Huxley ’s „Brave new world“ erinnert.

Meine Generation ist mit dem Glauben an den technischen Fortschritt groß geworden. Geprägt haben uns Publikationen wie die „Hobby-Hefte“. Ich empfehle die Lektüre dieser bunten und toll gemachten Hefte aus den 50iger und 60iger Jahren. Der Blick, den wir damals auf die Welt hatten, war faszinierend, aber auch völlig unrealistisch.

Heute stehe ich dem technischen Fortschritt kritischer gegenüber. Zum einen glaube ich nur bedingt an Visionen wie C4, da ich zu oft enttäuscht worden bin. Schon vor vielen Jahrzehnten hat man mir erzählt, wie die Technologie der Fusion von Wasserstoff der Menschheit eine sorgenlose Energiezukunft bescheren würde. Und so richtige Fortschritte sehe ich hier auch nicht. Wahrscheinlich kann man das Paradies auf Erden eben nicht einfach so ingenieursmässig entwickeln, wie man auch das Glück nicht von der Stange kaufen kann.

Die C4- Technologe ist für mich ein weiteres Beispiel, dass wir in die falsche Richtung träumen. Es geht nicht darum, unbegrenzte Ressourcen „koste es was es wolle“ zu schaffen. Ich sehne mich nach einer Wiederkehr des achtsamen und verantwortungsvollem Umgangs mit den Ressourcen unserer Welt. Und nach einem würdigen Annehmen der Dinge, die uns die Natur beschert. Und eine Besinnung auf das, was für unser Leben wirklich relevant ist. Und dann würde auch heute schon alles viel weiter reichen.

Und ich wünsche mir ein „Weg“ von den Träumen sich allmächtig fühlender Technologen, die die Welt auf dem Designerbrett neu entwerfen und sie dabei zu ruinieren drohen. Technologische Omnipotenz wird mir täglich unheimlicher.

RMD

P.S.
Das Bild ist übrigens aus dem Nachtzug der Bulgarischen Bahn von Wien nach Bukarest. Da gab es nur ein Gericht zum Abendessen. Dafür wurden in der Küche die Schnitzel geklopft und richtig in einer Pfanne gebraten, der Salat gewaschen und eigens per Hand zubereitet. Und die Bratkartoffeln haben in einer großen Pfanne auf dem Herd „gebruzzelt“. Die Portion hatte eine vernünftige Größe (nur die Schnitzel hätten auch gerne kleiner sein dürfen). Aber das Abendessen und der bulgarische Wein haben dann so richtig gut geschmeckt.

2 Kommentare zu “C4 Reis – „Die relevante Technologie für die Welt!“ – oder „Der falsche Weg?“”

  1. Chris Wood (Donnerstag, der 24. September 2009)

    Please scroll down for the English version of this comment.
    Tut mir leid, aber mein Freund Roland irrt wieder einmal. (Ich sage schon wieder, will er auch dachte, man hätte die risikofreudigen Banken pleite gehen lassen sollen. Sehen Sie sich doch nur einmal an, welchen Schaden allein „Lehman Brothers“ angerichtet hat). Seine negativen Ansichten zu C4-Reis haben mich schockiert. Hier korrigiere ich seine Fehler. Ich möchte auch bald ein Posting schreiben das tiefer in den Problem von Neo-Ludditen geht.
    „C4“ ist keine „Lebensmitteltechnologie“. Es handelt sich dabei vielmehr um eine natürliche Photosynthese, die anscheinend unabhängig voneinander schon 50 Mal in verschiedenen Pflanzen beobachtet wurde. Am besten bekannt ist Mais. Es ist effizienter als der C3-Mechanismus, den andere Pflanzen anwenden, einschließlich der anderen wichtigen Anbaupflanzen. Was das IRRI (http://irri.org, Leider nur in Englisch) versucht ist, den Reis dazu zu bringen, diesen Evolutionssprung zu machen. OK, man braucht dazu Technologie. Aber das Ergebnis wird etwas sein, was leicht auch so hätte passieren können, vielleicht halt dann ein paar Millionen Jahre später.
    In der Tat ist es ein wunderbarer Traum, und hoffentlich bleibt es nicht nur ein Traum, dass der Hunger auf der Welt drastisch verringert werden kann. Dr. Hibbard weist darauf hin, dass man ein Ende des drastischen Bevölkerungswachstums erwarten kann, sobald dies passiert. (http://if-blog.de/wp-content/uploads/2009/09/Emmanuelreviewpage12.pdf). Gut ernährte, gesunde, gebildete Frauen kriegen nicht mehr viele Kinder. Im Wesentlichen besteht die Alternative dazu darin, dass die fortschrittlichen Länder die armen Leute dieser Welt vom Futtertrog fernhalten, und zwar mit immer mehr Brutalität und Schwierigkeiten. Dabei lassen sie sich von brutalen örtlichen Minderheiten helfen. Eine andere Alternative ist der Atomkrieg. Beide Alternativen erfüllen mich mit Sorge. Ein Mangel an Intelligenz, Bildung und Ethik auf der Welt machen sie ziemlich wahrscheinlich. Roland träumt davon, dass wir zurückgehen könnten zu einer Welt mit Pferdepflügen und Äpfeln statt Bananen. Aber das wird einfach nicht funktionieren.
    Es ist ein weitverbreiteter Irrtum, technologischen Fortschritt mit „totalitären Regimes“ in einen Topf zu werfen. Ich konnte niemals verstehen, warum Science-Fiction so oft davon ausgeht, dass Diktaturen die normalen künftigen Regierungsformen sein sollen. Das fing (spätestens) mit den Formen von „Utopia“ an, die Plato postuliert hat. Der lebte in einer Half-Demokratie, die so liberal war, dass sie seine hässlichen faschistischen Ideen erlaubt hat. Sie stammten von Sokrates, der es nach intensiven Bemühungen schaffte, dafür zum Tode verurteilt zu werden.
    Nicht Myanmar und Nord-Korea sind die führenden Technologienationen der Welt. Technologie half vielmehr innerhalb der letzten Jahrtausende die Gewalt aus der Hand von Diktatoren zurück in die Hand des Volkes zu bringen (von Alexander über Hitler und Stalin).
    Zu den „Hobby Heften“ kann ich nichts sagen, aber ich habe viel gelernt aus den „Mecano Magazines“ und „New Scientists“ meines Vaters aus den 1930er Jahren.
    Kontrollierte Kernschmelze macht entscheidende Fortschritte. Die frühen Schätzungen bezüglich dieses Verfahrens haben sich um etwa den Faktor 2 geirrt. Folglich gibt es diese Technologie noch nicht und es wird wohl noch weitere 50 Jahre dauern, bis sie sich durchsetzt. Auch auf anderen Gebieten ist es durchaus üblich, dass man sich in dieser Größenordnung verschätzt. (Ich selbst habe Softwareprojekte meistens ziemlich gut eingeschätzt, aber andere waren wesentlich optimistischer. Deren Karriere haben wohl oft davon profitiert). Trotzdem erstaunt es mich, dass so wenig in Kernschmelze-Forschung investiert wird, weniger als in die Bezuschussung von Kohlekraftwerken. Über einen langen Zeitraum hinweg schien es, als ob keine Eile besteht. Es gab genug Öl, um die Knappheit zu überbrücken. Aber kluge Leute wussten schon vor 35 Jahren, was fossile Brennstoffe mit unserem Klima anrichten.
    Nukleare Kraftwerke auf der Basis der Kernschmelze werden sicherlich ziemlich groß sein. Vielleicht ist das schade (klein ist schön). Aber ich bin ziemlich froh darüber, dass wir ein internationales Stromnetzwerk haben, gleiches gilt für das Telefonnetzwerk und die Straßen und Eisenbahnen. Wenn wir es schaffen, die Menschen auf der Welt gut zu ernähren, dann wird es weniger Verrückte geben, die Sachen wir Elektrizitätswerke in die Luft sprengen wollen. Diese Technologie ist relativ harmlos hinsichtlich der Strahlung. Sie wird aber verteufelt von Leute die annähmen dass sie so gefährlich wie Kernspaltung ist.
    Der Gegensatz, den Roland zwischen C4- Technologie („egal, was es kostet“) und Naturprodukten herstellt, ist total falsch. Semmeln wachsen nicht auf Bäumen. Sein Schnitzel kommt auch nicht von einem Wildschwein, das mit einem Speer erlegt wurde. Sein Schwein war enorm verändert durch Zucht. Im Gegensatz zu den Lammen, die in Wales und Neuseeland herumlaufen war sein Schwein vermutlich gemästet mit (C4!) Mais, der bedauerlicherweise nicht dort wächst, wo Reis wächst. Daraufhin war dieser Mais für Menschen nicht mehr verfügbar, weil man ihn an Schweine verfüttert hatte. Gemessen an modernen Standards hat die Natur sehr wenig zur Verfügung gestellt. Getreide ist über tausende von Jahren verbessert werden. Kartoffeln fand man erst bei der Entdeckung von Südamerika. Europa war ein einziger großer Wald und davon konnte nur ein Bruchteil der heutigen Bevölkerung leben. Hätte Roland lieber zu jener Mehrheit gehören wollen, die nicht von dem leben konnten, was die Natur hergab? Ich ziehe mein Leben mit Technologie denen vor, die zur „glücklichen“ Minderheit gehörten, welche nah an der Natur leben konnte. Mir gefällt mein Computer ganz gut, auch mein Squash-Schläger, mein warmes Bett, mein Fernseh –und Radiogerät, meine abwechslungsreiche Kost und mein fließendes Wasser. Da ich ein wenig älter bin als Roland, kann ich mich daran erinnern, wie das Leben einer Mittelklasse-Familie vor 60 Jahren aussah. Für solche Familien ist das Leben besser geworden. Für mich ist das Leben nicht besser geworden, weil ich jetzt alt bin. Das ist die Wurzel von Nostalgie wie der von Roland geschriebenen. Schau Dir doch alles an, was es nie wieder für dich geben wird, oder, noch schlimmer, schau Dir mal alles an, was es niemals gegeben hat und niemals geben wird.
    Roland träumt von einer Rückkehr der Zeiten, als man mit den natürlichen Ressourcen noch respektvoll und verantwortungsvoll umging. Wann soll das gewesen sein? Ich fürchte, dass ich gerade in den fünf Minuten, als diese kurze Epoche in Geschichte besprochen wurde, unkonzentriert war! 85% der Englischen Wälder waren bereits vor 1000 Jahren zerstört. Leben und Evolution sind nicht so. Es geht darum, etwas zu wagen und nach Vorne zu denken. Jetzt haben wir dank Bildung, Intelligenz, ethischer Wissenschaften und Technik die Möglichkeit, den Lauf der Dinge zu beeinflussen. Aber wie stehen unsere Chancen, wenn solche netten, erfolgreichen Leute wie Roland solche rückwärtsdenkenden Ansichten verbreiten?

  2. Chris Wood (Donnerstag, der 24. September 2009)

    Sorry, but my friend Roland has got it all wrong again. (I say again, because he thought all the reckless banks should have been left to go bust. Look at the damage caused by just „Lehman Brothers“). I was shocked by the negative stuff he wrote about C4-rice. Here I point out his mistakes. Soon I plan a posting to go deeper into the problem of neo-Luddites.
    „C4“ is not a „food technology“. It is a natural photosynthesis mechanism, which seems to have evolved independently 50 times in different plants. The best known case is maize. It is more efficient than the C3 mechanism used by other plants, including the other important food crops. What irri (http://irri.org) is trying to do, is to help rice to make this evolutionary jump. OK, technology is needed, but the result will be something that could easily have happened anyway, perhaps only after some millions of years.
    It is indeed a wonderful dream, hopefully not just a dream, that world malnutrition can be greatly reduced. Dr. Hibbard points out that we can expect an end to drastic world population growth when this happens, (http://if-blog.de/wp-content/uploads/2009/09/Emmanuelreviewpage12.pdf). Well fed, healthy, educated women stop having big families. The main alternative is that the developed nations keep the poor people of the world away from the food troughs, with ever increasing brutality and difficulty, using help from rich brutal local minorities. Another alternative is nuclear war. These alternatives really worry me. Shortage of intelligence, education and ethics in the world make them fairly likely. Roland dreams that we all go back to horse drawn ploughs, and apples instead of bananas. But that just won’t work.
    It is a common mistake to lump technological advance together with „totalitarian regimes“. I have never understood why science fiction usually assumes dictatorship to be the normal future form of government. This started (at the latest) with the forms of „utopia“ postulated by Plato, who lived in a half-democracy so liberal that it permitted his nasty fascist views. He got these from Socrates who tried hard and managed to get himself executed for them.
    It is not Myanmar and N. Korea that are the world’s leading technology nations. Technology has helped wring power from the dictators of recent millennia into the hands of the people (from Alexander to Hitler and Stalin).
    I cannot comment on „Hobby Hefte“, but I learnt a lot from my father’s „Mecano Magazines“ and „New Scientists“ from the 1930s.
    Controlled nuclear fusion is making considerable progress. Early estimates for its development were optimistic by a factor about 2. So it is not yet there, and will take about another 50 years to become significant. Such underestimates are common in other areas too. (I estimated software projects quite well, but others were hugely optimistic. I believe their careers often profited from it). It surprises me though that so few resources have been pumped into nuclear fusion development; less than into subsidising coal mining. For a long time there seemed to be no rush. There was enough oil around to bridge the gap. But clever people have known for 35 years what fossil fuels are doing to the climate.
    Nuclear fusion power stations will surely be fairly large. Perhaps this is a pity, (small is beautiful). But I am fairly happy that we have an international electricity network, like the telephone network, and road and rail networks. If we can feed the world well, there will be fewer madmen who want to blow up things like power stations. This technology is relatively harmless, as regards radiation, but will be damned by many who will assume that it is as dangerous as nuclear fission.
    Roland’s contrast between C4-technology („whatever it costs“) and nature products is all wrong. Bread rolls do not grow on trees. His Schnitzel does not come from a wild pig killed with a spear. His pig was greatly changed through selective breeding. Unlike the lambs that run around in Wales and New Zealand, his pig was probably fattened using (C4!) maize that unfortunately does not grow well where rice does. The corn was then unavailable for people, because pigs had eaten it. Nature provided very little by modern standards. Grain has been improved for many thousands of years. Potatoes were only found in S. America. Europe was covered in forests that could support only a fraction of the current human population. Would Roland have liked to belong to the majority who could not have existed with what nature provides? I prefer my technological life to those of the „lucky“ minority who could exist naturally. I like my computers, my squash racket, my warm bed, my TV and radio, my varied diet, and my running water. Being a little older than Roland, I can remember life in a middle-class family 60 years ago. Things have got better for such families. Things have not got better for me, because I am now old. That is the root of nostalgia like Roland’s. Look at all that will never come again for you, or, even worse, never came and never will.
    Roland dreams of a return to respectful and responsible use of natural resources. When was that? I fear that I lost concentration during the five minutes in history class when this brief period was described! 85% of England’s forests were already destroyed, 1000 years ago. Life and evolution are not like that. It’s all about taking chances and getting ahead. Now we have the chance through education, intelligence, ethics, science and technology to change the way things run. But what chance do we have if nice successful people like Roland spread such atavistic views.

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