Roland Dürre
Dienstag, der 22. April 2014

Carl Heinrich Graun – Der Tod Jesu

Evelyn Gemkow (EG), die soviel für IF-Blog tut und dafür sorgt, dass wir Leser in der ganzen Welt haben – hat ein ganz besonderes Hobby – sie singt bei den arcis vocalisten, einem Chor von seltener Professionalität. Und die haben wieder ein neues ganz besonderes Konzert vorbereitet – und produzieren auch eine CD:

Flyer Graun - Internet CD-Produktion und Konzert der Arcis-Vocalisten Carl Heinrich Graun – „Der Tod Jesu“

Seit Jahren arbeiten die Arcis-Vocalisten und das Ensemble L‘ arpa festante regelmäßig bei der Gestaltung von Werken aus Barock und Klassik zusammen – zum großen Gewinn für das Münchner Konzertpublikum.

Mit Carl Heinrich Grauns „Der Tod Jesu“ nehmen sich die beiden Ensembles mit Unterstützung der Bayerischen Volksstiftung nun eines Werks an, das in Berlin aus gutem Grund fast ein Dreivierteljahrhundert lang praktisch jährlich – am Karfreitag – aufgeführt wurde. Es ist die dritte CD-Produktion, die das Barockorchester L’arpa festante und die Arcis-Vocalisten gemeinsam in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk in Angriff nehmen:

Nach Johann Sebastian Bachs Kantaten „Aus der Tiefen“ (BWV 131) und „Himmelskönig, sei willkommen“ (BWV 182), welche im Jahr 2011 eingespielt wurden, sowie den in 2012 aufgezeichneten Kantaten „Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“ (BWV 12) und „Herz und Mund und Tat und Leben“ (BWV 147), steht nun das Werk eines heute nur noch vergleichsweise selten gehörten Komponisten auf dem gemeinsamen Programm der beiden Ensembles: „Der Tod Jesu“ von Carl Heinrich Graun (* 7. Mai 1704, † 8. August 1759). Und das gemeinsame Projekt verspricht, erneut ein großer musikalischer Erfolg zu werden.

Im Rahmen der inzwischen zahlreichen Kooperationen der Arcis-Vocalisten mit L’arpa festante hat sich gezeigt, dass hier zwei Ensembles zusammengefunden haben, die bei der Erarbeitung und Aufführung alter Musik perfekt harmonieren. Da sind einerseits die im Jahr 2005 von Professor Thomas Gropper gegründeten Arcis-Vocalisten, deren „großen Fundus feinsinniger Ausdrucksmöglichkeiten“ die Süddeutsche Zeitung hervorhob – „stets verbunden mit einer präzisen Diktion und erzählerischen wie musikalischen Homogenität“.

Zum andern das Barockorchester L’arpa festante – eines der traditionsreichsten deutschen Ensembles für alte Musik, das sich durch große musikalische Erfahrung und Virtuosität seiner Mitglieder sowie durch das sagenhafte Farben- und Ausdrucksspektrum seines Spiels auszeichnet.

Die Ensembles ergänzen sich wechselseitig ideal, und jede neue Zusammenarbeit ist musikalisch wie menschlich stets eine großartige Erfahrung für alle Beteiligten. Nun wenden sich die Arcis-Vocalisten L’Arpa Festante also Carl Heinrich Grauns „Tod Jesu“ zu – einem eindrucksvollen Werk, allein schon unter dem Gesichtspunkt seiner Aufführungsgeschichte. Uraufgeführt am 26. März 1755 im Berliner Dom, bestimmte Grauns Passionskantate für mehr als siebzig Jahre regelmäßig das musikalische Karfreitagsprogramm in der preußischen Hauptstadt, was umso bemerkenswerter ist, als damals eine Rückbesinnung auf die Werke von Komponisten aus früherer Zeit eher die Ausnahme darstellte und die Aufmerksamkeit des Publikums vielmehr in erster Linie musikalischen Novitäten galt

Diese lang andauernde Popularität wird dem heutigen Musikliebhaber beim Genuss des Werks indes ohne weiteres verständlich, denn während das zugrundeliegende Libretto klar dem damaligen Zeitgeschmack verhaftet ist (und uns nach heutigen Maßstäben teilweise affektiert erscheinen mag), berührt Grauns Komposition das Empfinden auch des heutigen Zuhörers ganz unmittelbar. Groß ist die Palette musikalischer Technik wie musikalischen Ausdrucks, derer sich Graun bedient – von der archaisch anmutenden, im alten Stil streng durchgeführten Doppelfuge für Chor über ausdrucksvolle Arien im zu Grauns Zeit im Aufblühen befindlichen galanten Stil bis hin zur opernhaft-überschäumend jubelnden Tenorarie.

Dabei erweist sich das Werk, was das zugrundeliegende theologische und erzählerische Konzept betrifft, auf eine faszinierende Weise entgegengesetzt – oder besser: komplementär – zu den Bach’schen Passionen, die für den heutigen Musikliebhaber naturgemäß das nonplusultra der Passionsmusik darstellen.

Bachs Passionen bilden das Passionsgeschehen zum einen als „historischen“ Vorgang ab und rücken zugleich das heilsgeschichtliche Geschehen – die Vollendung und den Vollzug eines göttlichen Plans mit Christus als Dreh- und Angelpunkt – in den Mittelpunkt. Ganz anders bei Graun, wo Jesus mehr als Mensch unter Menschen, als Tugendheld und Wohltäter inmitten steht, denn als Akteur eines eschatologischen Plans. Die individuellen Gefühle des göttlichen Menschen Jesus sind es, die reflektiert und dem Zuhörer nahegebracht werden.

Das äußere Passionsgeschehen als geschichtliches Ereignis findet hingegen nur am Rande und nur indirekt Erwähnung. Musikfreunde brauchen nicht auf das Erscheinen der von den Arcis-Vocalisten und L’arpa festante produzierten CD zu warten, denn anlässlich ihres gemeinsamen Projekts führen die beiden Ensembles Grauns Werk am

Sonntag, den 18. Mai 2014 um 20.00 Uhr in der Sendlinger Himmelfahrtskirche

unter Gesamtleitung von Professor Thomas Gropper auf. Bereits um 19:00 Uhr findet eine Konzerteinführung mit Thomas Gropper statt, die für Mitglieder der Bayerischen Volksstiftung kostenlos ist. Der Tod Jesu – ein facettenreiches Passionsoratorium mit beeindruckender Aufführungsgeschichte, dargeboten von den Arcis-Vocalisten und dem Barockorchester „L’arpa festante“ in der Sendlinger Himmelfahrtskirche.

Bereits um 19:00 Uhr – eine Stunde vor Konzertbeginn – findet eine Konzerteinführung mit Professor Thomas Gropper statt. Eintrittskarten zu 28,- € zzgl. VVK-Gebühren sind erhältlich bei allen bekannten Vorverkaufsstellen, unter www.muenchenticket.de oder telefonisch unter 089- 54 81 81 81. Schüler- und Studentenkarten: 12,- € (nur Abendkasse). Konzerteinführung: 5,- €.

RMD
(Der Text kommt von Arcis Vocalisten e.V.)

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