Roland Dürre
Montag, der 26. Oktober 2015

„Change Management“

Zeitgenössische Ganesha-Statue

Zeitgenössische Ganesha-Statue

Das ist auch so ein modernes Unwort. In Kurzform bezeichnet es den Kampf gegen die Denke

„Das haben wir schon immer so gemacht!“

Weil man vermutet, das man etwas verändern muss, damit es „besser“ wird. Die Veränderung will man aber nicht der Evolution oder den „möglichst Vielen“ überlassen. Weil das Vertrauen fehlt, dass die Mitarbeiter oder Bürger „Veränderung“ können (Bürger und Mitarbeiter werden ja immer für dümmer gehalten, als sie sind), unterdrückt man „Graswurzel-Bewegungen“. Man will viel mehr eine Veränderung „von oben“, die durch Manager erzwungen, gesteuert oder irgendwie herbei manipuliert werden soll.

Ich zucke da. Weil in meinem Verständnis der Begriff Manager immer mehr für einen zumindest leicht geisteskranken Priester steht, der meint, er hätte überirdische Kräfte und könne durch Zauberei Wunder schaffen.

Das von „Change Management“ erwartete Wunder ist die „Innovation“. Keiner weiß zwar, was Innovation so wirklich ist und wie man sie macht. Der Zauberer und sein Zauber funktionieren natürlich auch nicht. Wenn durch Zufall (oder andere Einflüsse) dann doch mal etwas passiert, beansprucht der Zauberer das Lob und die „Kohle“ gerne für sich.

Das „immer schon so gemacht“ hat mir öfters Frust bereitet. Trotzdem habe ich es nicht komplett negativ gesehen. Er enthält ja eine Art konservative Warnung, die daran erinnert, dass Innovation zwingend eine zwar kreative aber immer auch zumindest gefühlt negative Zerstörung zur Folge hat. So mahnt uns der kritisierte Satz, dass wir trotz des Wunsches nach notwendiger Veränderung auch die Folgen sehen und verantworten müssen. Positiv gesehen enthält er einen Aufruf zur ganzheitlichen Betrachtung einer Herausforderung.

Vor kurzem sind mir dazu noch weitere Sätze eingefallen, die ich auch öfters hören musste wie

„Wo kämen wir denn da hin, wenn das ein jeder so machen würde?“
oder
Was meint denn der, wo er ist …?“

Diese Sätze werden oft sehr unreflektiert ausgesprochen. Da fehlt mir jeder positive Nebenklang. Ich erkenne hier eine noch stärkere „moralische“ Wertung als beim „immer schon so gemacht“. Auch im eigenen Unternehmen habe ich diese Sätze öfters gehört, wenn zum Beispiele junge Mitarbeiter sich ganz spontan durchaus hinterfragbare Regeln wiedersetzt haben. Das war dann die erste Reaktion der Administration, die – natürlich zu aller erst – auf die Einhaltung der Regeln und Gesetze bedacht war.  Meistens ohne eine ausreichende Antwort auf die wichtige Frage „WARUM das Ganze?

Keiner weiß, warum in den von Menschen gebildeten „sozialen Systemen“ sich Regeln und Gesetze ganz selbstverständlich immer und überall exponentionell vermehren. Aber so läuft das immer wieder. Bis die Regelwut das System fest im Griff hat und sich verselbstständigt. Ich nenne das ganze dann gerne „bürocrazy“.

Und spätestens, wenn „bürocrazy“ uns fest im Griff hat, dann  hilft wirklich nur noch das radikale „Brechen von Mustern“. Auch wenn es mutig ist und einen selber erschrecken kann. Wichtig scheint mir aber, dass wir uns beim #musterbrechen die „WARUM-Frage gut beantworten können!

Der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog soll mal in der Zeit nach seiner Amtsführung gesagt haben, dass man zuerst die Gesetze mit den ungeraden Nummern abschaffen sollte. Und dann schauen, welche Gesetze man dann vermissen würde. Die könne man dann ja wieder einführen. Und dass man dann dasselbe mit den Gesetzen der geraden Nummern machen sollte.

Irgendwie auch eine gute Metapher fürs #musterbrechen.

RMD

Hinweis zum Bild:
Das Bild ist aus dem Wikipedia-Artikel zu Ganesha. Es ist ein eigenes Werk von onoikobangali.

1 Kommentar zu “„Change Management“”

  1. Joachim Schnurrer (Mittwoch, der 28. Oktober 2015)

    Da bieten sich ja viele Zitate an um zu antworten:
    „Wo kämen wir hin, wenn jeder sagte, wo kämen wir hin und keiner ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen.“
    Kurt Marti
    „Diejenigen, die sich weise auf das beschränkt haben, was ihnen möglich schien, sind niemals einen Schritt vorangekommen.“
    Michail Bakunin
    „Keine Schneeflocke in der Lawine wird sich je verantwortlich fühlen.“
    Stanislaw Jerzy Lec
    Eine große Wahrheit ist eine Wahrheit, deren Gegenteil immer noch eine große Wahrheit ist.
    Nils Bohr
    Der Wille ist die treibende Kraft jeder Veränderung in der Welt.
    Schopenhauer
    Jeder schließt von sich auf andere und berücksichtigt nicht, dass es auch anständige Menschen gibt.
    Heinrich Zille
    Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute.
    Seht euch an, wohin uns die Normalen gebracht haben.
    -George Bernhard Shaw-
    Das Recht auf Dummheit gehört zur Garantie der freien Entfaltung der Persönlichkeit.
    -Mark Twain
    Von allen Sorgen, die ich mir machte, sind die meisten nicht eingetroffen.
    – Sven Hedin
    Es gibt Politiker, die Angst haben, ihr Gesicht zu verlieren. Dabei könnte ihnen gar nichts Besseres passieren.
    – Robert Lembke
    Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.
    – Lucius Annaeus Seneca

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