Roland Dürre
Donnerstag, der 20. September 2012

China – Episoden II – Do you want a baby?

Da stehe ich in der Gegend herum und denke an nichts Böses …

In Yangshuo stehe ich mal fünf Minuten alleine an einem der zentralen Plätze. Um mich tobt das Leben. Es wimmelt nur so von Besuchern und Verkäufern. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Vieles fasziniert, obwohl es Unsinn ist. Ich stehe ein wenig verloren im Trubel und warte auf den Rest unserer Gruppe. Und laufend wird mir sehr aufdringlich alles Mögliche angeboten.

Und schon ist eine Dame da und fragt mich „Do you want a baby?„. Ich bin ein wenig begriffsstutzig und verstehe nicht gleich, was sie meint. Wie öfters in meinem Leben habe ich zuerst mal eine völlig falsche Assoziation. Soll ich ein Kind adoptieren? Ich habe doch schon sieben Kinder und bin zu alt für so was. So wie ich den Kopf schüttele, begreife ich aber, was sie wirklich gemeint hat. Und werde auch schon ganz enttäuscht von ihr gefragt: „No Sex?“ und die Dame geht weiter.

Da fällt mir ein, dass ich bei der Vorbereitung der Reise unter anderem gelesen habe, dass Prostitution in China verboten ist und streng geahndet wird. So bin ich ein wenig verblüfft über den überraschenden Vorstoß. Und muss darüber nachdenken.

Im Hotel angekommen lese ich im englischen Wikipedia über Prostitution in China nach.

Dort steht, dass meine Information (halb-)richtig war. Prostitution ist in China illegal und verboten. Aber auch, dass die Zahl der Prostituierten auf über vier Millionen Frauen geschätzt wird. Die Regierung weiß das sehr wohl und hat die Prostituierten ganz offiziell in 7 Klassen eingeteilt. Prostitution wird durch Wegschauen toleriert und mancherorts als Wirtschaftsfaktor geschätzt. In einigen Regionen wird sie in einer eigenartiger Mischung von Administration und Korruption sogar gefördert. Trotzdem gibt es Einzelfälle, wo die Ausübung von Prostitution – manchmal auch hart – bestraft wird. Ich lese auch, dass vom chinesischen Mann blonde Russinnen bevorzugt werden würden und nach der Öffnung Russlands so viele Russinnen zur Ausübung dieses Jobs nach China gekommen wären.

Da haben wir sie wieder, die weltweite Doppelmoral. Vielleicht hier noch ein wenig stärker als bei uns ausgeprägt. Ein wenig scheint mir das Thema Prostitution ein gutes Paradigma für manche Prinzipien zu sein, die ich hier so erlebe. Meine ich aber nicht abwertend. Es ist so, wie es ist.

RMD

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