Roland Dürre
Mittwoch, der 12. Oktober 2011

COMMUNICATIONWORLD

Gestern und heute (11. – 12. Oktober) war/ist eine große IT-Veranstaltung im M,O,C, in München in der Nähe der Allianzarena.

Bezahlt wurde das ganze von Sponsoren und Ausstellern. Die (Platin)-
Sponsoren waren neben einer ganzen Reihe von Mobiltelfon- und Kommunikationsfirmen die typischen Verdächtigen wie Microsoft, SAP und Siemens.

„Der IT-Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung“ war aber auch auf der Edelmetallliste und hat bestimmt auch tief in die Tasche greifen müssen.

Das Tagesticket bei der COMMUNICATIONWORLD, so hieß die Messe/Tagung, kostete laut Website 128,- € (netto) / 152,32 € (brutto), das Dauerticket 198,- € (netto) / 235,62 € (brutto). Ein interessantes „Pricing“. Wer kann sich schon ein Netto-Ticket kaufen? Sollte wohl ein dezenter Hinweis sein, dass man als Gewerbetreibender die Mehrwertsteuer absetzen kann und so weniger zahlt.

Der für mich nicht sehr aussagekräftige Slogan war

ITelligent mobility

Das war wohl als witziges Wortspiel gedacht. Man verballhornt einen ein paar englische Schlagworte und integriert ein grünes „IT„. Das auch in der Ankündigung eingesetzte Grün soll wohl suggerieren, dass es eine grüne Veranstaltung ist. Bei der Tagung ging es wohl um „intelligente Mobilität auf Basis der IT„.

Da ich ein VIP-Ticket angeboten bekam (ich vermute wie auch die meisten anderen Besucher) und ab und zu mal gerne raus komme, um mir bekannte Menschen wieder zu sehen und neue kennen zu lernen, habe ich den gestrigen Tag  für die Tagung eingesetzt und bin hingegangen.

Hier mein Bericht:

Es war eine große Veranstaltung in angenehmer Umgebung mit aufwändigem Catering. So wie man sie aus den goldenen Tagen kennt.

Und es gab viele parallele Vorträgen. Bei dem, was ich mir anhören konnte, war aber nichts Aufregendes dabei. Viele „olle Kamellen“ (alte Karamellen) wurden aufgewärmt und nur zu oft ging es um „advertising“. Die neue Welt hat wohl nur einen Zweck: Uns noch mehr zu verkaufen. Oder auch nur so an unser Geld heranzukommen. Wahrscheinlich kann man solche Veranstaltungen auch nur so und durch staatliche Subvention finanzieren.

Da waren Vorträge dabei, bei denen ein „digital native“ entweder sich nur wundern, über was die Leute da reden oder nur Bahnhof verstehen kann. Ab und zu recht belanglos.

Irgendwie merkt man, wie die „neue digitale Welt“ doch viele überfordert. Ich habe auch ein Problem mit „mobiler“ IT und „normaler“ IT. Weiß wirklich nicht, wann ich „mobiler“ oder „normaler“ Nutzer bin. Arbeite halt mal mit größeren oder mal mit kleineren Bildschirmen, mal mit einer mechanischen Tastatur und mal mit einer virtuellen …

Auch die Aufregung um die Apps in manchen Vorträgen habe ich nicht verstanden. Rechner führen nun mal Applikationen aus. Und wie die in den Rechner reinkommen, ist doch zweitrangig. Und wenn man halt eine Verbindung zu einem Rechner hat, ob „air“ oder „wire“, dann ist es halt einfacher als die SW auf CD, DVD oder stick rein zu laden. Und dass man für Programme eine Lizenz zahlen muss, das gab es früher auch schon. Die InterFace AG hat davon sogar mal gelebt.

Aber wie hat einer der Referenten gesagt: Jetzt haben wir sogar Apps mit „augmented reality“. Will heißen, dass das geladene Programm die Kamera des „mobilen Gerätes“ und aktuelle GPS-Daten nutzt und dann Musterkennung und Datenbankzugriffe macht. Auch nicht so aufregend, sondern ganz normale Weiterentwicklung bei Software.

Mir haben Vorträge gefehlt, die einen Beitrag zur sozialen Relevanz der „digitalen Revolution“ hätten leistet können. Ob der Erstklässler vielleicht in fünf Jahren mit einem xPad in die Schule geht? Oder was das eigentlich heißt, wenn ich in der S-Bahn sitze und von den 10 Reisenden um mich herum 9 mit ihrem Laptop, iPad oder Smartphone herum fummeln? Was die Verlagerung von Büchern weg von Papier zu Lesegeräten bedeuten wird? Wie sich die Rechtesituation beim Content entwickelt? Was im Spielemarkt wirklich passiert und was das für Folgen hat und haben wird …

Dafür gab es viel Marketing (Advertising) garniert mit ein wenig Datenschutz. Und natürlich viel Cloud. Wobei mir da eine Aussage aus einem anderen Vortrag haften geblieben ist: Dass die echte „public cloud“ viel besser wäre als die „cloud im Keller“.

Mir drängt sich der Verdacht auf, dass solche „Wissensberieselungsveranstaltungen“ nicht mehr zeitgemäß sind. Da lobe ich mir freie „Unkonferenzen“, „barcamps“ und „Open Spaces„, auf denen mit Leidenschaft frisches Wissen interaktiv ausgetauscht wird. Ist besser als so eine Wissensdusche!

Die groß angekündigte Abendveranstaltung „Bayerischer Abend“ musste ich gestern einem anderen Termin opfern. Bin aber sicher, dass da die Teilnehmer sehr gut verwöhnt worden sind. Und mir einiges an Bier und Leberkäse entging .

RMD

P.S.
🙂 Nett fand ich auch, dass mir der Bayerische CIO in die Messe-Unterlagen eine kleine Pyramide mit Gummibeeren rein geschmuggelt hat. Ist mir doch lieber als so ein Trojaner.

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