Roland Dürre
Dienstag, der 10. November 2009

„Compliance 1.0?“ oder „Korruption 2.0!“

V2.svgImmer strenger wird (nicht nur) bei den großen Konzernen auf Compliance (in Deutsch: Regelkonformität) geachtet. Und immer präziser werden die Verbote, was alles nicht gemacht werden darf. Und immer stärker die Kontrollmaßnahmen und Vorschriften.

Gleichzeitig werden die Anstrengungen der Unternehmen, sich mit allen Methoden und Mitteln Vorteile zu verschaffen, immer trickreicher und rigoroser. Die Einflussnahme auf Kunden, Lieferanten, Gesetzgeber erfolgt nicht mehr so sehr auf die ehemals plumpe Art von direkter oder indirekter finanzieller Zuwendung oder geldwerter Bevorteilung.

Nein, die Methoden der Einflussnahme sind seit dem ganzen Compliance-Tantam viel subversiver geworden. Man kauft sich einflussreiche Menschen, steuert Politik wie Unternehmen, Wissenschaft und Forschung mit Zuckerbrot und Peitsche, manipuliert Meinung auf geniale Art und Weise und nimmt so viel eleganter und wirksamer auf seine Umwelt Einfluss als es früher mit dem einfachen Werkzeug der Bestechung ging.

Mit der Compliance ist es wie so oft mit den Gesetzen zur Bekämpfung von Missständen. Wenn der Hase Gesetzgeber ankommt, ist der pfiffige Igel schon da, und hat neue und bessere Methoden erfunden.

Compliance wird sogar zum Komplizen der neuen Korruption. Man stellt seine weiße Weste – garantiert zertifiziert – zur Schau, und kann dann unten drunter so richtig schmutzen und besch… .

Unsere Gesellschaft braucht keine Compliance, sondern eine „neue Redlichkeit“. Die Regeln der Redlichkeit sind viel simpler – aber auch viel schwieriger einzuhalten. Ihnen folgend darf man einfach nicht mehr dauernd versuchen, sich mit unlauteren Methoden Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.

RMD

Das Bild habe ich in Wikipedia gefunden. Dort hat es Dr. Torsten Henning für die Allgemeinheit bereitgestellt. Danke!

2 Kommentare zu “„Compliance 1.0?“ oder „Korruption 2.0!“”

  1. Enno (Dienstag, der 10. November 2009)

    Nach z.B. Göbel sollte die Redlichkeit durch Maßnahmen auf Institutionenebene, d.h. in den Unternehmen unterstützt werden, damit „der Ehrliche nicht der Dumme“ ist.
    Durch Compliance-Maßnahmen soll der Wunsch oder die Forderung nach ethischem Verhalten soll um das ethische „Können“ ergänzt werden, indem sie sicherstellen, dass niemand durch ethisches Verhalten Nachteile gegenüber weniger ethischen Konkurrenten hat.

    Für mich klang und klingt das bisher sehr plausibel.

  2. hans-peter kühn (Donnerstag, der 12. November 2009)

    Lieber Enno,

    Ok, das klingt plausibel aber auch naiv blauäugig. Als Berliner kann ich nur sagen: Wer’t gloobt wird selich, wer’t nich gloobt kommt ooch in’n Himmel.

    Compliance ist nichts anderes als geheuchelte Redlichkeit mit Hintergedanken.

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