Roland Dürre
Mittwoch, der 16. April 2008

Computer Policy und Car Policy

Regeln für Geschäftsautos

Bei der InterFace AG gibt es eine ganze Menge von Geschäftsautos. Mitarbeiter, die ein Geschäftsauto benötigen, dürfen sich im Rahmen eines definierten Budgets aus vier Marken das passende Modell frei konfigurieren. Sind viele Kilometer zu erwarten, dann muss eine Dieselvariante gewählt werden. Das ist die einzige Einschränkung. Das Unternehmen übernimmt die kompletten Kosten, der geldwerte Vorteil wird gesetzestreu versteuert.

Ich selbst fahre seit Jahren kein Geschäftsauto mehr. In die psychologische Falle, dass Autofahren nichts kostet, mag ich mich nicht begeben.

Bei befreundeten Unternehmen wie bei Herstellern von Autos, bei denen sich die Mitarbeiter an den Kosten des Geschäftsautos beteiligen müssen, ist der Freiheitsgrad noch größer. Da hat man dann die Wahl zwischen dem schnellen Sportwagen, der Luxuslimousine, dem großen Geländewagen oder einem praktischen Kompaktwagen.

Ich kenne keine Firma, die in ihren Richtlinien festlegt hat, dass jeder Mitarbeiter einen viertürigen Golf des Jahrganges 2003 mit identischer Ausstattung fahren muss, damit z.B. die Räder oder Motoren kompatibel sind. Bei der IT-Ausstattung ist das aber so.

Regeln für Laptops

Bei den Arbeitsplatzrechnern wird normiert. Jeder Mitarbeiter bekommt dieselbe Konfiguration. Keine Wahlfreiheit, ein Betriebssystem wird für alle festgelegt, ein bestimmter Browser vorgeschrieben …. Das Zauberwort heißt „managed service“ und lässt keine Freiheit zu. Die Rechner werden zentral gesichert, was als Service gedacht ist, wird zur Zwangsjacke.

Das halte ich für nicht mehr zeitgemäß. Sollte moderne Unternehmenssoftware nicht funktionieren wie die großen WEB-Anwendungen? Für Wikipedia, Google, Ebay oder E-Mail-Provider sind Browser wie Betriebssystem unwesentlich relevanter wie die Farbe des Gerätes.

Nutzen fürs Unternehmen !?

Die Zwangsjacke schadet den Unternehmen. Es entwickeln sich Stabsabteilungen, die strategische Fragen zum Selbstzweck machen und dabei beliebig Ressourcen beanspruchen. Der Overhead steigt, Lizenzkosten explodieren, ungesunde Marktstrukturen werden zementiert.

Die Mitarbeiter werden gezwungen, tagsüber mit Windows zu arbeiten. Nachts stürzen sie sich dann in die Open Source Projekte. Am Sachverstand ihres Unternehmens zweifeln sie, aber damit finden sie sich ja Gott sei Dank meistens ab.

Culture Change

Ich selbst habe mir jetzt den Luxus geleistet und mein über vier Jahre altes XP-System gegen ein macBook Pro mit dem schönen Namen Leopard getauscht. Da dies ein extremer Verstoß gegen unsere äußert strenge Company Police ist, greife ich hiermit zum Mittel der öffentlichen Selbstanzeige.

Aber: Es ist ein Genuss – der pure Luxus. Diese Freiheit nehme ich mir und fahre dafür dann lieber doch kein Geschäftsauto 🙂 . Und vielleicht war die Company Police (alle fahren Microsoft) doch nicht so sinnvoll?!

Als Office nutze ich NeoOffice. Meine Daten werde ich selber sichern, da gibt es tolle Möglichkeiten (Time Machine). Ich werde versuchen, bei allen Themen mit den Bordmitteln des Mac auszukommen (E-Mail, Kontakte, Kalender …).

Ein paar Schwierigkeiten erwarte ich auch noch. An Manches am Apfel muss ich mich noch gewöhnen. So habe ich zu erstmal den Backslash und die Tilde auf der Tastatur gesucht – und nicht gefunden. Und ein paar Word-Vorlagen muss ich noch nach NeoOffice bringen (genau genommen sind es zwei – unseren Geschäftsbrief und das Vorstandsprotokoll). Und meine Kontakte muss ich rüber nehmen. Alles lästig, sollte aber mit vernünftigem Aufwand machbar sein.

Und die Kalendersynchronisierung mit unserem Exchange wird nicht mehr funktionieren (Outlook kommt mir nicht auf meinen Mac). Wieder ein Thema, bei dem ich Ärger mit unserer Policy bekommen werde. Aber auch hier ein Vorteil: Bisher hatten nur meine Mitarbeiter Einsicht in meinen Kalender, aber nicht meine Familie und Freunde (Siehe hierzu auch meinen Terminkalender-Post). Und wenn ich jetzt meinen Appel-Kalender öffentlich synchronisiere, dann geht auch das.

Und an meinen Mac lasse ich niemanden mehr ran – besonders keinen Sysop.

RMD

P.S.

Vor kurzem habe ich mich mit Laptop-Klassen in Bayerischen Gymnasien beschäftigt und Grauenhaftes erleben müssen. Aber dazu kommt dann demnächst ein Post.

8 Kommentare zu “Computer Policy und Car Policy”

  1. Felix Lange (Mittwoch, der 16. April 2008)

    Sehr gute Entscheidung, Roland! 🙂 Du wirst sehen, dass du deine Entscheidung nicht bereust. Und mit dem (fast ganz) neuen Entourage 2008 (Teil von Office 2008:mac) bräuchtest du auch auf den Exchange nicht verzichten.

    Viel Spaß bei der Entdeckungsreise! Und wenn du Fragen hast, dann helfe ich dir natürlich sehr gerne wo ich kann.

    Viele Grüße,
    Felix

  2. Matthias Apitz (Mittwoch, der 16. April 2008)

    Spaete Entscheidung, Roland 🙂
    Ich habe auf meinen laptops seit ca. 1997 fast nur noch FreeBSD benutzt; die Einschraenkung ‚fast‘ bezieht sich darauf, dass ich mal 1-2 Jahre Linux benutzten musste, weil bei FreeBSD driver fuer die im laptop verbauten chips fehlten.
    Mein derzeitiges notebook (und das meiner Frau) laeuft mit FreeBSD 7.0, mails schreibe ich mit ‚mutt‘ und ‚vim‘, Dokumente mit Lyx (LateX) oder mit OpenOffice 3.0; falls ich wirklich mal nicht anders kann, weil z.B. das BOD etwas unbedingt als PowerPoint braucht 🙂 , dann habe ich noch in einer VM (OpenSource Qemu, nicht VMWare) noch ein XP, aber nur wenn kein Weg vorbeifuehrt… ich brauche keine Exchange ‚feature‘, bin aber der einzige in der Firma, der nach wenigen Sekunden eine alte e-mail aus dem Jahr 199x ‚hochhalten‘ kann, der noch nie einen Virus im notebook hatte, der noch nie auch nur ein file verloren hat. Windows? Nein, danke! Give me UNIX or give me a typewriter. Matthias

  3. Maximilian Buchberger (Mittwoch, der 16. April 2008)

    Hallo Roland,
    den Blog finde ich sehr gelungen, ich bin selbst sehr erstaunt, was man alles lernt, wenn man die Fesseln sprengt und andere Wege geht. Ich habe zum Beispiel all meine Outlookdaten seit einiger Zeit mit Plaxo synchronisiert. Nun da ich auch stolzer Benutzer eines Mac bin habe ich die Vorteile von offenen System kennen gelernt, ich habe mir das Plugin für dein Mac aus dem Web geladen und es installiert, und hatte in wenigen Minuten alle meine Termine im iCal, meine Kontakte im Adressbuch und konnte sofort weiterarbeiten.
    Einzig die so ersehnt Integration in unseren Firmen – Exchange Server, für das ich mir extra Office 2008 Standardedition geleistet habe, funktioniert nicht.
    Doch nun nach dem ich von Plaxo so freudig überrascht wurde, vermisse ich sie auch nicht mehr.
    Mit o2m werde ich am Wochenende noch meine alten Mailordner aus dem Outlook ziehen und dann aber in MacMail einspielen und keine Microsoftfesseln mir mehr anlegen.

    Was ich heute bei dem Versuch meine InterFace-Mails auf meinen Mac zu bekommen über unsere Infrastruktur und unsere Serviceprovider gelernt habe, das habe ich in den vergangen 5 Jahren nicht geschafft.

  4. oli (Freitag, der 18. April 2008)

    Hallo Roland und Max,

    ich kann mich durchaus noch erinnern, wer unbedingt einen Exchange-Server (u.a. fuer die Compaq PDAs) haben wollte. Die (boesen) Sysops versuchten damals das zu verhindern ;).

    viele Gruesse,
    oli

    Hi Oli – Das ist Salz in die Wunden gestreut – „shit happens“ – aber nicht nach hinten sondern nach vorne schauen! Roland

  5. Anonymous (Montag, der 21. April 2008)

    search @ google for plaxo spam and you will get more than 200000 hits! do you really want to spam all your private and business contacts?

  6. JUS (Donnerstag, der 24. April 2008)

    Hallo Roland,

    bei dieser Diskussion muss man aufpassen, nicht in Wespennester zu stechen und die uralte Diskussion „welches OS ist das beste“ wieder anzufachen.

    Ich gehörte früher auch zu den Leuten, die Windows verschmäht haben und ihre Linux Kernel selbst konfiguriert und kompiliert haben. Auch BSD lief schon auf meinen Rechnern.
    Heutzutage bin ich da eher pragmatisch. Mein Firmenklapprechner läuft mit Windows. Wenn etwas nicht läuft frag ich Ramona. Ich sehe ihn als Handwerkszeug, wie dem Zimmermann der Hammer.
    Zu Hause benutze ich Ubuntu, weil es am einfachsten, schnellsten und billigsten ist. Ich habe keine Lust mehr, an irgendwelchen Rechnern nächtelang herumzufummeln, um etwas zum laufen zu bringen. Mit Apple hatte ich noch nie zu tun, hatte noch nie einen in Händen, aber man kann sie jetzt in die Auswahl aufnehmen – es läuft ja ein stabiles Betriebssysten „drunter“.
    Zu den Autos in der Car Policy: Die Autos, die der Richtlinie entsprechen, sind für die Strecken, die ich zurücklege (40 – 50000 km/Jahr), nicht geeignet. Ausserdem ist der Betrieb von Autos mit Benzin oder Diesel nicht mehr zeitgemäß, ein Langstreckenfahrzeug hat mit Autogas zu laufen und muss über Ausstattungsvarianten verfügen, die in der IF Richtlinie nicht vorgesehen sind (Tempomat, Automatik, ausreichend Platz).

    Grüsse, JUS

  7. Jürgen (Dienstag, der 29. April 2008)

    Hallo Roland,

    etwas überrascht und etwas entsetzt bin ich doch über Deine freigeistigen Gedanken. Vergiss nicht, daß die Betriebsvereinbarungen Deine Unterschrift tragen und auch von der Geschäftsleitung „angezettelt“ worden sind. Zudem finde ich die abfälligen Äusserungen über die Sysops auch nicht erquicklich. Die meisten Entscheidungen und Veränderungen (ua. eine kleine Groupwarelösung für einen eingeschränkten Nutzerkreis) wurden von Seiten der Geschäftsleitung gewünscht und gefördert, manchmal auch gegen den Wiederstand der Sysops. Die richtigen Probleme gingen doch erst los, als IF hier immer grösser, schneller, weiter werden musste.
    Ich finde unsere Sysops haben immer einen super Job gemacht und waren immer für die Probleme und Nöte der Mitarbeiter da.

    Verwundert bin ich doch, daß bei allem CI bei InterFace mittlerweile Vorstände E-Mails von externen Accounts schreiben (ua. mac.com).

    Ein wenig Freigeist ist gut, sich auch mal über Grenezen hinwegsetzen auch, aber man kann alles übertreiben…

    Gruß

    jr

  8. George Brooke (Dienstag, der 20. Mai 2008)

    Hi Roland,
    re. the PC configurations … it all depends on your perspective From a personal point of view extreme flexibility and tailoring to needs and interests is great. So choose a favourite OS and toolset, add a gizmo here and there. However, look at this from a team perspective. There goes the flexibility of PC and staff interchange. There goes teh contingency of anyone able to work anywhere from any machine. By all means choose a powerful and „interesting“ PC for all, but adopt a common kernal approach. There will be a common set of tools, directory structures, document structures, etc, per project / team. The alternative can be more fun but ultimately is „hobby arbeit“. Roland, what happens if you are away from your new machine…. is your secretary able to deal with the differences competently? Is she to be trained in her and your configurations? Sadly I am much in favour of standardisation of what can be sensibly standardised, and then we can get on with the job in hand. Why would we not extend this tailoring approach to our methodologies? For obvious reasons. The same reasons, but less obvious, also apply to the tools of our trade.

    George Brooke

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