Roland Dürre
Donnerstag, der 1. Januar 2009

Computer Vintage #8 Knoblauch und Computer (1979)

Im Versuchsfeld im Feurich-Bau in der Hofmannstraße bei Siemens, da standen sie, unsere neuen TRANSDATA-Prototypen. Auf dem Weg von der Ortenburgstr. (da waren unsere Büros ausserhalb des Stammgeländes) zum Feurich-Bau gab es einen Gemüseladen. Besonders erinnere ich mich an frische Walnüsse (Schälnüsse) und leckere Maroni. Abhängig von der Jahreszeit gab es immer frische Ware. Gerne nutzten wir den Weg ins Versuchsfeld, um dort fürs Abendessen einzukaufen. Einmal gab es wunderschöne Knoblauch-Zöpfe. Kauflust steckt an, so kam ich zu einem Knoblauch-Zopf.

An diesem Tag wollte unser Prototyp mal wieder gar nicht so wie ich wollte. Ich war richtig böse auf ihn. Und Knoblauch soll ja die bösen Geister vertreiben. So klebte ich den Knoblauchzopf ans Gehäuse des Rechners. Immerhin konnte ich so meine schlechte Laune ausleben – und siehe da, der Test verlief jetzt schon deutich besser. Als ich am Abend heimging, ließ ich den Zopf am Rechner hängen. Am nächsten Morgen ging es weiter, alles lief bestens.

Dummerweise kam am späteren Vormittag unser Hauptabteilungsleiter Dr. M. mit Kunden vorbei, um diesen die neuen TRANSDATA-Systeme zu zeigen. Der Knoblauch hat unsere Gäste sichtlich irritiert, aber sie sahen geflissentlich über den Rechnerschmuck hinweg. Es gab auch kein Nachspiel.

Zu diesem Blödsinn hatte mich eine Weihnachtsvorlesung von Prof. Lammel inspiriert, die dieser Ende 1969 gehalten hatte. Das ist jetzt bald unglaubliche 40 Jahre her. Professor Lammel las damals Analysis 1 für die Erstsemester, später habe ich bei ihm auch „Spezielle Funktionen“ gehört. Professor Lammel war ein Professor vom alten Schlag. Er kam gut vorbereitet in die Vorlesung und konnte die Dinge ausgezeichnet erklären. In der letzten Stunde vor Weihnachten las er uns aus einem Buch von Heisenberg verschiedene Geschichten vor. Eine Geschichte hat mir besonders gut gefallen. Sie ging ungefähr so:

Bohr, Einstein und Heisenberg treffen sich am Wochenende in einer Hütte, die Einstein gehört. Über der Eingangstür hängt ein Hufeisen. Die beiden Gäste necken Einstein mit der Frage, wie er als Naturwissenschaftler so abergläubisch sei, dass er ein Hufeisen als Talisman vor das Haus hängen würde. Einstein weist jede Form von Aberglauben strikt zurück, indem er antwortet: Natürlich glaube er nicht, dass das Hufeisen etwas Positives bewirken könne. Wenn es dies aber tatsächlich vermögen würde, hätte er allerdings auch nichts dagegen.

Ich erinnere mich nicht mehr genau an die Geschichte und habe sie auch nie mehr in der Literatur gefunden. Insofern kann es gut sein, dass ich die Sache nicht korrekt wieder gebe. Vielleicht war es auch nicht die Hütte von Einstein sondern die von Bohr, und die schlagfertige Antwort kam von ihm.

Mit dem Knoblauch an der TRANSDATA-Maschine war es ähnlich. Natürlich hat er nichts geholfen. Aber es hat Spaß gemacht – es waren halt noch richtige Pionierzeiten.

RMD

P.S.

🙂 Der Talisman soll Glück bringen, das Amulett soll das Böse abwehren. Diese feine Differenzierung war mir bis vor kurzem nicht bekannt. Ein Knoblauchzopf wäre dieser Definition folgend also ein Amulett. Und wenn Sie wissen, in welchem Buch die von mir erzählte Geschichte steht, dann bitte ich um eine kurze Info per E-Mail.

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