Roland Dürre
Samstag, der 14. April 2012

Das assoziative Cocktail-Gespräch

Ab und zu bin ich bei Empfängen im Rahmen von irgendwelchen Veranstaltungen auf so etwas, das man früher eine Cocktailparty genannt hätte.

Uns sehe neben mir die schlanke und braun gebrannte, zwar nicht mehr ganz junge aber sehr jugendlich gekleidete Single-Blondine mit dem agilen Babyboomer-Manager in den Vierzigern.

Beide den Spritz in der Hand, sind sie so richtig schicki-micki und machen Smalltalk.

Und ich höre dann Dialoge wie den Folgenden:

Sie zu ihm: Einen tollen Anzug haben Sie da an?

Er zu ihr: Ja, ich finde es wichtig gut angezogen zu sein. Gerade mit Kaschmir. Mein Hund ist auch ein Afghane.

Sie zu ihm: Na, ja in Afghanistan möchte ich ja zurzeit nicht so gerne Urlaub machen.

Er zu ihr: Genau, da liegt mir der American way of life dann doch mehr.

Sie zu ihm: Wobei ich auf große Steaks keinen besonderen Wert lege.

Er zu ihr: Ja, da finde ich Fische auch lustiger. Mögen Sie eigentlich Zwillinge?

Sie zu ihm: Ich bin da eher der monogame Typ … Aber beeindruckt Sie Obama auch so sehr.

Er zu ihr: Ja, die Amis, das ist schon eine besondere Nation. Und ihre Autos …

Sie zu ihm: Ja, weiche Sitze sind schon etwas feines. Aber mein Mini brummt viel schöner.

Er zu ihr: Aber Ihr Mini steht ihnen auch wirklich gut!

Sie zu ihm: Ja, und wenn ich aufs Gaspedal steige, dann stört er auch gar nicht. Aber gut dass Sie mich erinnern, ich muss dringend die Winterreifen wechseln.

Und so weiter und so weiter und so weiter …

Und wenn ich dann da mit am Bistro-Tischchen stehe und solche Aneinanderreihung und Verkettung von Belanglosigkeiten höre, dann lache ich die beiden freundlich an und denke ich mir:

Oh wie wahr, wir leben wirklich im Zeitalter des unverantworteten Geschwätzes.

Und freue mich, wie leicht man glücklich sein kann. Und trinke auch ganz schnell ein Pils.

RMD

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