Roland Dürre
Mittwoch, der 20. März 2019

Das digitale Auto der Zukunft (extrapoliert)

So leben wir 1975 – Hobby Titelblatt November 1955

Die Extrapolation ist ein Verfahren zur Ausdehnung von Aussagen über ihre eigentlichen Gültigkeitsbereiche. Meistens setzt die Extrapolation eine Interpolation voraus.

Schon in der Mathematik ist das nicht einfach. Jetzt versuche ich mich mit einer sanften Zukunftsprognose. Die unser zukünftiges Leben mit Mobilität betrifft. Nicht mit Hilfe von Mathematik sondern nur durch logisch-zynisches Denken.

Dazu stelle mir vor, wie die digitalen Landfahrzeuge, auch selbstfahrende Kraftfahrzeuge genannt, in Zukunft ausschauen könnten?

Wie immer beginne ich mit Wikipedia. Da finden wir aktuell folgenden Beschreibung:

 


Als selbstfahrendes Kraftfahrzeug (manchmal auch autonomes Landfahrzeug) bezeichnet man ein Auto oder anderes Kraftfahrzeug, das ohne Einfluss eines menschlichen Fahrers fahren, steuern und einparken kann (Hochautomatisiertes Fahren bzw. Autonomes Fahren).


 

Ja, wenn es so einfach wäre. Ursprünglich habe mir vorgestellt, dass – wenn ich mir ein selbstfahrendes Auto bestelle – mich dann ein Fahrzeug abholen kommt, das eher einem Auto-Scooter ähnelt. So wie wir es als Kinder auf dem Volksfest gefahren sind. Und ich hopse rein, das Auto bringt mich an mein Ziel und fertig.

Dann habe ich aber fleißig Zeitung gelesen (wie den Teil Mobilität in der Wochenendausgabe der SZ) und gelernt, dass so ein Auto viel mehr können muss.

  • Es ist voll digital. Ich kann also alles machen wie daheim im WLAN.
    Das macht besonders dann Freude, wenn wir – das Auto und ich – im Stau stehen. Dann kann ich meine ganze Arbeit vom Auto aus machen – wie in meinem Home Office – und muss eigentlich gar nicht mehr zur Arbeit fahren.
  • Wahrscheinlich soll das Auto auch fliegen können.
    Das muss es ja allein schon wegen den vielen Staus. Und weil ich ja den direkten Weg nehmen will. Ohne den Zickzack der Straßen ausgeliefert zu sein. Flugtaxis sind ja zurzeit sehr in Mode.
  • Auf längeren Strecken will man sich im Auto dann auch ausschlafen können. Wenn die Fahrt z.B. über Nacht von München nach Hamburg geht. Eigentlich möchte ich von München nach Westerland fahren. Nur komme ich im Schlaf so kaum nach Sylt. Denn da gibt es den Hindenburg-Damm mit der ollen Eisenbahn. Wieder ein Hindernis für das Zukunftsauto. Was natürlich für das fliegende Auto kein Problem wäre, das würde ja einfach drüberfliegen.
    Das Problem fängt damit an, dass ich dann für mich (und meine Begleitung) einen Sitz brauche, der so in etwa der Business Class oder Firstclass im Flieger entspricht. Das heißt, es darf kein City-Scooter sein, sondern eher so eine Art Wohnmobil. Wenn ich aber so ein Auto habe, dann brauche ich ja gar kein Hotel mehr. Der dann notwendige Parkplatz muss dann ja auch gar nicht beim Ziel sein. Da bringt mich das Auto ja dann am nächsten morgen hin. Und fliegt dann weg – und kommt wieder, wenn ich zurück nach München will. Die Digitalisierung soll das alles möglich machen

 

Kommt ein Auto geflogen … Hobby Titelblatt August 1956

Ich brauche also so eine Art Drohne um einen VW-Bus herum. Dieses neue Wunderfahrzeug soll ja auch gar nicht mehr mein Eigentum sein.

Wir haben ja „shared economy“. So kann ich mir – ob es der Stadt-Scooter oder das Wohnmobil ist – das Fahrzeug einfach per Klick ordern. Das kommt dann, ordentlich geputzt und für die Fahrt vorbereitet. Ganz gleich, ob es zum Café um die Ecke oder in die Ferne geht. Und ich steige ein und ab gehts.

Was für eine schöne neue Welt!

Die wird aber eher etwas für die ganz Reichen sein. Also für die, die früher Adelige und Bischöfe waren. Die früher eben die Kutschen und Pferde hatten. Und auch die Kutscher. Die beim einfachen Volk nicht so beliebt waren. Weil sie in den engen Gassen der Städte das Recht der „feien Fahrt“ mit der Peitsche durchsetzen.

Die „normalen Menschen werden in Zukunft mit „people mover“ (das was man früher ÖPNV bezeichnet hat) von zentralen Punkten zu zentralen Punkten verfrachtet. Und müssen dann den Rest zu Fuß gehen oder diese Wege mit elektrischen Rollern, Skateboards und was es noch für Mobilitäts-Spielzeuge geben wird zurücklegen. Sofern das Bundesverkehrsminister da eine vernünftige Regelung findet. So sieht es ja derzeit  nicht aus.

Und treffe dann einen jungen SW-Ingenieur. Der ist zu BMW gegangen, weil die Programmierung eines selbstfahrenden Landfahrzeuges angeblich eine der wenigen wirklichen Herausforderungen ist, die es für einen Informatiker heute noch gibt. Und der glaubt genauso wie viele Analysten und Entscheider an das selbst fahrende Auto.

Ich habe Zweifel an der schönen neuen Welt der Zukunft. Aus ganz banalen Gründen. So glaube ich, dass wir in einem Zeitalter von Klima-Veränderung, Verarmung, Zerfall der Infrastrukturen und sozialer Probleme ganz andere Sorgen haben werden. Ich bin mir auch nicht sicher, ob die Menschen, die in prekären Situationen leben, das so toll finden werden, wenn die Reichen von Luxus-Sänften durch die Gegend geschaukelt werden.

Angeblich soll hat ja eine Universität im Gebiet der ehemaligen DDR schon autonom fahrende Fahrräder konstruiert haben. Auf der Basis von Dreirädern (weil das autonom fahrende Zweirad wohl zu schwierig ist).

Und lobe mir die gute alte individuelle Mobilität auf zwei Rädern. Gerne auch mit dem e-Bike (womit wir dann wieder bei Motorisierter individuelle Mobilität MIV wären). Aber vernünftig motorisiert mit wirklicher Freude am Fahren.

RMD

2 Kommentare zu “Das digitale Auto der Zukunft (extrapoliert)”

  1. Thomas Kleiner (Mittwoch, der 20. März 2019)

    Lieber Roland, gestatte mir einen Kommentar aus der Sicht eines Mitbürgers, der oft und öfters bundesweit täglich unterschiedliche Einsatzorte bedient und dabei viel Erwachsenenbildungsmaterial durch die Gegend bewegt: für die effiziente Ausübung diese meines Gewerkes bleibt mir nur das Auto als Transportmittel, weil die Bahn für viel Gepäck nicht ausgelegt ist und das Fliegen mit viel Gepäck zu teuer ist. Dass ich mit der Wahl meines Verkehrsmittels zum Stau effektiv beitrage, ist mir wohl bewusst, doch in Ermangelung von Alternativen ist mir die Erkältung lieber als die schwere Grippe. Herzliche Grüße Thomas Kleiner

  2. rd (Freitag, der 22. März 2019)

    Lieber Thomas,

    ich freue mich über Deinen Kommentar. Wahrscheinlich habe ich es nicht auf den Punkt gebracht. Ich versuch es hier noch mal.
    In der Diskussion über das „selbstfahrende Auto“ bin ich ganz gut drin. Und das was bei mir als Zukunftsskizze ankommt, ist ein vollautomatisch und unbedient elektrisch fahrendes (oder eigentlich sogar fliegendes) Objekt in unterschiedlichen Ausprägungen wie die kleine „Schüssel“ für die City. Für Deinem Zweck wäre das eher ein mobiler Container mit Schlafabteil, der Dich einfach so von a) nach b) bringt.
    Immer als digitales Monster, das nur noch im Ausnahmefall im privaten Eigentum sein wird, sondern als Service eines Konzerns angeboten wird, der diesem weiter guten Ebit bringt (also teuer ist) 🙂
    Und ich persönlich glaube nicht an die „Schüssel“ und auch nicht an den „Container“. Weil der reiche Feudalist auch in Zukunft seine eigene Kutsche haben will und Menschen in prekären Situationen sich wahrscheinlich kaum den ÖVNP leisten können und erst recht nicht automatische Kutschen.

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