Roland Dürre
Freitag, der 24. Dezember 2010

Das kleine Wirtschaftswunder ♫

Das war die Überschrift eines Kommentars im Wirtschaftsteil der Papier-Süddeutschen in der heutigen Weihnachtsausgabe am Samstag, den 24. Dezember 2010. Auf Seite 25, ganz oben links, stand es: „Das kleine Wirtschaftswunder“.

Die Aussage des Kommentars lässt sich ganz kurz wiedergeben:

Deutschland geht es plötzlich gut – jetzt muss die Nation an alle denken!

und

Man hat ja alles viel schlimmer erwartet. Jetzt müsse man sich fair verhalten.

Klingt ja irgendwie weihnachtlich. Und dass man an alle denken soll, wenn es einem gut geht, finde ich auch richtig. Die Frage ist nur, wie gut es uns wirklich geht?

Vor kurzem habe ich im Wirtschaftsteil der gleichen Zeitung gelesen, dass wir im letzten Jahr eine Rekordverschuldung gemacht haben, mehr als jedes andere Land in Europa. Dass immer noch ein paar Milliarden fehlen würden. Und auch, dass wir zusätzlich heimliche Schulden in nie gewesener Höhe gemacht haben, durch Privatisierung von so sinnvollen Infrastrukturen wie Frauengefängnisse und mehrspurige Autobahnen. Für die wir ab jetzt auch zahlen müssen.

Klar, wenn ich Schulden mache, geht es mir auch gut. Wenn ich eine Million Schulden mache und die konsumiere würde, könnte ich mir ein schönes Schiff, ein paar Urlaube in der DomRep und manches mehr leisten. Und von der Million immer noch  jeden Tag köstlich essen gehen. Und muss die Schulden nicht mal versteuern – wie mein Einkommen. Eigentlich genial.

Gut – ich mache keine Schulden. Will das alles nicht und bin überzeugt, dass ich mit weniger glücklicher bin. Und bezweifle genauso, dass das was unsere Regierung mit den (deutlich mehr als) 100 Milliarden Neuschulden macht, uns glücklich macht.

Jetzt habe ich aber auch gerade gelesen, dass die Kinder in Deutschland Gutscheine für ein warmes Mittagessen bekommen sollen, weil sie sonst nach dem eh schon fehlenden Frühstück auch kein Mittagessen mehr bekommen würden. Und selbst sehe auch immer mehr alte Leute, bei denen es finanziell gar nicht mehr so rosig ausschaut, wie sie mal dachten.

Höre auch, dass die Belastungen der Arbeitnehmer im nächsten Jahr weiter steigen werden und sogar die Pflegeversicherung vor einem Kollaps steht, den man mit ein paar Milliardchen dann bald abfedern müssen wird.

Nein, dann bin ich an Weihnachten doch recht zufrieden, dass es mir eigentlich so gut geht wie nie zuvor. Obwohl ich eigentlich weniger konsumiere als je zu vor. Wahrscheinlich ist das der Trick fürs Glücklichsein: Weniger Konsum und zu neuen Ufern aufbrechen, will heißen vermeintlich Unmögliches oder Schwieriges einfach zu tun.

Aber das ist dann so wie mit dem Alois Hingerl und der Bayerischen Staatsregierung. Dieser Rat wird unsere Politiker nie erreichen.

Die Geschichte, warum die Bayerische Staatsregierung noch heute auf die göttliche Eingebung wartet …

RMD

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