Roland Dürre
Dienstag, der 11. Dezember 2012

Das Päckchen zu Weihnacht geht seinen Weg.

Ich habe mir mal überlegt, welchen Weg so ein Weihnachtspäckchen geht. Wenn ich es z.B. mit Hermes versende. Zuerst muss ich als Absender prüfen, welche Maße das Paket hat, damit ich weiß, von welchem Typ es ist und wieviel der Versand kostet. Den Paketaufkleber generiere ich am besten im Internet und drucke ihn aus. Dann bringe ich das Paket zu einem „Paket Shop“ – natürlich von Hermes.

Manche Paket- und Päckchen-Arten sind bei anderen Providern günstiger zu versenden. Die muss ich dann aber zu anderen Abgabestationen bringen. Den optimalen Tarif zu finden ist nicht einfach. Wer weiß z.B., dass man mit DHL (Deutsche Post) Waren bis 500 Gramm für 3,45 als Großbrief auch nach Japan oder in die USA versenden kann und es da keinen Unterschied zwischen Europa und Welt gibt? Dass dieses Angebot aber nicht für Deutschland gilt, da die Dicke des Großbriefs im Gegensatz zum internationalen Format stark eingeschränkt ist?

Dass das Päckchen bei der Post großzügigere Maße hat als ein kleines Paket bei DHL, dafür aber bei dem günstigen Preis nur bis zu 2 Kilo schwer sein darf? Dass bei diesem Produkt der Preis sehr wohl wesentlich unterschiedlich ist zwischen Deutschland, Europa und Welt? Dafür kann ich die Postprodukte im Internet günstiger kaufen als am Schalter und ganz praktisch mit Paypal bezahlen.

Man merkt, wie die Anbieter sich mit differenzierten Kunden locken wollen, wohl in der Hoffnung, dass sie dann den Kunden auch mit den ungünstigeren versorgen können. Letztendlich stellt sich nur die Frage, ob sich die Optimierung durch die vielen Varianten lohnt. Nicht nur, dass das Regelwerk immer einem kleinen Tarifdschungel ähnelt und die Angebote nie so direkt vergleichbar sind – vielmehr lauern bei den verschiedenen Providern kleine und unterschiedliche Fallstricke wie die Höhe der Versicherung, keine Zustellung sondern Abholung durch den Empfänger, kostenloser oder kostenpflichtiger Abhol-Service und ähnliches.

Aber zurück zu Hermes.und den Weg der Pakete. Hier ist der Paket Shop meistens ein kleines Geschäft. Mit Lotto-Toto-Annahme, Zeitungen, Zigaretten und ähnlichen Artikeln. Der „Paket Shop“-Mensch scannt das Paket ein. Dabei überprüft er, ob ich die richtige Preiskategorie ausgewählt habe. Wenn ich ein Paket falsch bewertet habe, dann korrigiert der „Paket-Shop“-Inhaber dies und erhöht (oder senkt) den Tarif. Wenn er es merkt. Wenn er es nicht merkt, dann riskiert er, dass es die nächste Instanz – der Hermes-Bote – merkt und er mehr zahlen muss und so Geld verliert.

Ich zahle im Paket-Shop und bekomme einen Beleg. Ab jetzt kann ich den Weg des Pakets im Internet nachverfolgen. Vom Paketshop  holt der „Hermes-Bote“ die Pakete ab. Auch er scannt alle Pakete wieder. „Paket-Shop“-Inhaber und Hermes-Bote sind ihre eigenen „Unternehmer“. Der „Paket Shop“-Inhaber bezahlt den „Hermes-Boten“; der gibt das eingenommene Geld nach Abzug der festgelegten Provision an ihn weiter.

Der „Hermes-Bote“ wird die Pakete dann zur nächsten Verteilstation bringen. Da muss er das von den „Paket Shop“-Inhabern eingesammelte Geld – sicher auch wieder nach Abzug der ihm zustehenden Provision – abgeben. Auch hier wird wieder geprüft und eingescannt. Und wenn ein Paket falsch eingeordnet war, dann zahlt es jetzt halt der „Hermes-Bote“.

Ab der „(Sende-)Verteilstation“ ist die Hermes-Logistik gefordert. Die sorgt dafür, wahrscheinlich auch gestützt von anderen Sub-Unternehmen, dass das Paket zu der „Ziel-Verteilstation“ kommt, die für den Empfänger zuständig ist. Jetzt kommt der dortige „Hermes-Bote“ zum Zug. Er übernimmt das Paket, wird es wohl auch wieder einscannen und dann zum Empfänger bringen und die Übergabe protokollieren. Ob er Geld dafür bekommt, weiß ich nicht. Könnte sein, dass er von der Differenz leben muss, die er beim Abholen der Pakete von den Kunden bekommt.

Das Scannen und Überprüfen kostet Zeit. Könnte mir vorstellen, dass da immer ein paar Sekunden gebraucht werden. Ich sage mal fünf. Das würde bedeuten, dass der „Hermes Bote“ bei der Übernahme von 100 Pakete vom „Paket Shop“ 500 Sekunden prüft und scannt. Das könnte zusätzlich 8 Minuten bedeuten. Das zählt aber nicht, denn der „Hermes Bote“ ist ja ein Unternehmer. Und die Arbeitszeit zählt bei Selbstständigen nicht, arbeiten ja gerne ein wenig mehr. Oder schneller. Bis zum Herzinfarkt.

Das System soll ja mehrere Vorteile haben. Viele kleine Privatunternehmer garantieren eine billige, schnelle und zuverlässige Abwicklung. Man kann den Weg des Paketes verfolgen und rekonstruieren und weiß dann, wodas Paket im negativen Fall verloren ging.

Man kann es aber auch so sehen: Eine Reihe von Klein- (oder Schein-)Unternehmern kontrollieren sich gegenseitig. Sie werden vom Hauptunternehmer gepresst und haben Stress. Und im Schlechtfall den Schaden. Dem Anwender bringt die Sendungsverfolgung auch nur dann etwas, wenn er davon ausgehen muss, dass das beauftragte Unternehmen nicht zuverlässig arbeitet.

Gehe mal davon aus, dass es bei den Konkurrenten von Hermes ähnlich funktioniert. Ich meine, dass dieses System nicht besonders effizient ist. Zwar mag es effektiv sein, aber vielleicht ginge es ja anders besser?

Ich könnte mir auch ein ganz anderes System vorstellen. Ein Unternehmen mit tüchtigen und zuverlässigen Mitarbeitern, das perfekt arbeitet. Der Paketversender vertraut dem Unternehmen – und das zu recht. Er gibt das Paket ab und weiß, dass es pünktlich und unversehrt ankommen wird. Darauf kann er sich verlassen. Und braucht so auch keine „Verfolgungsinformation“, wo das Paket gerade ist.

Und das gab es mal. Es war die Post. Die hat sehr zuverlässig gearbeitet. Eingebettet in internationale Strukturen. Ihre Mitarbeiter waren Beamte, die stolz auf ihren Job und im Normalfall absolut zuverlässig waren. Fehlverhalten war selten, vielleicht auch, weil es hart sanktioniert wurde (mit dem Verlust des Status und dessen Folgen). Ist aber schon lange her.

Der Verfall des Beamtentums mag die Privatisierung notwendig gemacht haben. So bekämpfen sich heute viele Privatunternehmen am Markt. Viele Leistungen werden zum Nachteil von Umwelt und Kunde doppelt erbracht. Die Ausführenden strampeln in ihren Hamsterrädern und werden nach Strich und Faden ausgepresst. Den Unternehmen selber geht es auch nicht gut; der Markt wird mit massiver Werbung umkämpft. Aber auch die finanziert der Kunde schweigend. Was bleibt ihm auch sonst anders über.

Bis dann eines Tages wieder alles verstaatlicht werden muss, weil die Unternehmen sich zu Tode bekämpft haben. Und der Kreislauf dann wieder von vorne beginnt.

RMD

Be Sociable, Share!

Kommentar verfassen

*