Roland Dürre
Dienstag, der 26. Mai 2015

Das Rad in der Fahne.

Flag_of_India.svgHeute nehme ich Abschied von Indien, am Dienstag um 00:40 soll es vom neuen Airport in Mumbai zurück nach München gehen. Eine intensive Woche geht zu Ende.

Meine Eindrücke sind gemischt. Ich habe mich mit der Kultur und der Geschichte des Landes beschäftigt. Zur Fahne Indiens gibt es einen spannenden Artikel in Wikipedia, den ich allen Interessierten sehr zu lesen empfehle.

Das Rad in der frühen Fahne Indiens ist ein Spinnrad. Ergänzend habe ich dazu folgende Geschichte gehört, die so nicht in Wikipedia steht:
Ghandi soll seine Landleute missioniert haben, die Techniken des Spinnen und Weben zu erlernen, damit sie die begehrten Baumwollstoffe aus England selber herstellen können und nicht vom Import aus England abhängig sind. Deshalb haben die Inder ein Spinnrad als Symbol in ihre Fahne integriert.

🙂 So könnte man den großen Ghandi ja als Urahn von Sina Trinkwalder sehen, die quasi in seiner Nachfolge die Fähigkeit Jeans und Kleider herzustellen wieder zurück in die ehemalige Textilstadt Augsburg bringt. Und damit auch gegen die Ausbeutung von Menschen antreten will.

Die in Indien auf jeden Fall stattfindet, und die wesentlich von europäischen und deutschen Unternehmen praktiziert wird. Nicht wenige der großen Marken verbessern mit ihren überdurchschnittlichen Erträgen aus Indien ihre nicht überall so guten Zahlen.

Die guten Zahlen in Indien sind aber das Ergebnis von an die Kolonialzeit erinnernde Strukturen, einer Denke, die Menschen immer noch nur als Arbeitsressourcen betrachtet, einer vernichtenden Externitätenbilanz (damit meine ich nicht nur die billigend in Kauf genommenen Umweltschäden) und ein Ignorieren von (allen) störenden Regeln.

Auch in Indien gibt es massive Bewegungen, die all diesem entgegenwirken und durchaus auch Erfolg haben. Ich habe so eine extreme Vielschichtigkeit der Gesellschaft wahrgenommen; meine wenigen Tage in Bombay haben mich tief ergriffen.

Und je mehr ich das Erlebte verarbeite, so mehr komme ich zum Schluß, dass es eben kein einfaches „richtig“ oder „falsch“ gibt. Ich kann und darf nicht bewerten, was „gut“ oder „schlecht“ ist. Wir sind alle Teil einer Evolution, die wir eben nicht mit moralischem Besserwissen verurteilen dürfen, zu dem wir alle (und auch besonders gern ich) neigen. Auch die besten kausalen und rationalen Erklärungen und klugen Konstrukte helfen letzten Endes nichts. Auf dieser Welt passieren Dinge, die sich meiner Vernunft nicht erschließen.

Das einzige, was mir bleibt, ist in meinem Mikrokosmos konstruktiv für mich und andere zu wirken. Das ist schwer genug und heißt zuerst mal, Entscheidungen und Handlungen zu unterlassen, die offensichtlich destruktive Folgen haben. Und dabei habe ich auch die Pflicht, an mich selber zu denken. Denn ich kann nur konstruktiv wirken, wenn ich dies auch für mich selber schaffe.

RMD

P.S.
Ich freue mich schon so richtig auf ein paar Highlights, die Ende Mai und Anfang Juni vor mir liegen. Eines davon ist das PM-Camp in Zürich #PMCampZUR am 5. und 6. Juni. Das wird ganz großartig werden und soll auch das Thema meines nächsten Artikel dann wieder aus München sein.

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