Roland Dürre
Dienstag, der 9. November 2010

Das Taxi-Dilemma

Letzte Woche habe ich 5 Tage und Nächte in Cardiff verbracht. Die Verbindung Cardiff-München mit dem Zug war eigentlich nicht zumutbar und hätte ein Mehrfaches des Direktfluges mit BMIBaby gekostet. Das wollte ich meinen Mitreisenden nicht antun und habe deshalb mein Prinzip des Nichtfliegens für diese Reise außer Kraft gesetzt.

Eigentlich braucht man kein Taxi, wenn man vom Flughafen Cardiff zum Hauptbahnhof (Cardiff Central) will. Da gibt es gute öffentliche Verbindungen. Für denjenigen, der aber trotzdem Taxi fahren will, vielleicht weil es sehr spät oder man zu mehrt ist und außerdem nicht weiß, wo sich genau das gebuchte Hotel befindet, stehen genug am Flughafen herum.

Da kann man aber nicht das nächstbeste nehmen. Nein, man muss erst in ein kleines Office mit Warteraum für die Fahrer. Dort nennt man sein Ziel, bekommt einen Zettel mit einem Festpreis (z.B. 27 £ zum Hotel Sandringham, gleich neben Central Station) ausgedruckt und wird einem der wartenden Taxi-Fahrer anvertraut. Ist so ein typischer angelsächsischer Prozess.

Der Rückflug dafür war recht früh. Und wir mussten auf dem Weg zum Flughafen noch jemand abholen. Also haben wir nochmal ein Taxi genommen, das uns um 6:30 abgeholt und zum Flughafen gebracht hat. Der Fahrer war ein sehr gesprächiger Mann. Ich habe ihn gefragt, ob er jetzt am Flughafen für die Rückfahrt Fahrgäste aufnehmen dürfe. Er sagte nein, er müsse leer zurückfahren und dass dies Unsinn sei.

Sehe ich auch so. Das ist ein gutes Beispiel, wie Eigennutz vor Gemeinnutz gestellt wird und wie dumm das eigentlich ist. Denn die Taxifahrer am Flughafen verteidigen ihre Pfründe gegen die anderen Taxifahrer. Und umgekehrt. Am Schluss haben aber alle einen Nachteil – nämlich höhere Kosten und mehr Zeitaufwand bei geringeren Umsätzen. Die Umwelt und der sparsame Umgang mit Ressourcen leiden auch darunter. Das ist nicht nur ein Taxi-Dilemma, sondern auch im LKW-Verkehr ein Leerfahrten-Dilemma.

Es ist in Wales wie in Deutschland. Teilen macht keine Freude, auch wenn man letztendlich mehr vom Kuchen ab bekommen würde.

RMD

P.S.
Die Rückfahrt hat dann wegen des kleinen Umwegs 30 £ gekostet. Macht zusammen 57 £. Der Flug für drei Personen von München nach Cardiff und zurück kostete 350 €. Das Taxi hat fast ein Fünftel des Fluges gekostet. Finde ich auch interessant.

Die Fahrt mit der Eisenbahn pro Person hätte einfach (!)  pro Erwachsenen deutlich über 150 EURO gekostet. Abfahrt in München wäre um fünf Uhr gewesen, Ankunft in Cardiff gegen Mitternacht. Die in S-Bahnen und auf Plakaten angepriesenen Sonderpreise waren für einem längeren Zeitraum im Internet nicht auffindbar. Einen vernünftigen Nachtzug gab es auch nicht (außer mit Umsteigen in Köln in der Früh vor fünf Uhr, dies verbunden mit einem Aufenthalt von gut eineinhalb Stunden im Morgengrauen am kalten Bahnsteig in Köln).

Was soll ich da machen?

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2 Kommentare zu “Das Taxi-Dilemma”

  1. Chris Wood (Dienstag, der 9. November 2010)

    I have a soft spot in my heart for Wales, particularly the middle, which supplies Birmingham with water, and the North where my father lived from age 11 and then went to university (Bangor). He lived in a slate mining village, where the people spoke Welsh, a Celtic language which is said to be more difficult than those of Ireland and Scotland. It has three rather different dialects.
    The main trouble with Wales is the rain. There is a tremendous cultural heritage, with poetry competitions going back centuries. They have wonderful choirs (mostly men). The singing before a Welsh rugby match is tremendous.
    I was born on the Welsh border at Ross-on Wye.
    It is an insult to the Cardiff taxi-system to describe it as „Anglo-Saxon“. The Anglo-Saxon invasion stopped at the Welsh mountains. The population there despite a few Sassenach and African immigrants, and the Celtic language is, as at the time of Stonehenge, largely British (not Celtic). I found out very recently that the Norman invasion (1066) involved descendants of the British who had fled to NW France, as well as descendants of Vikings and their French wives. So, to some extent, the British regained their birthright.

  2. E2E (Dienstag, der 9. November 2010)

    Da soll man gar nichts machen – das System ist so, dass es global unsinniges Verhalten fördert, indem es das für das Individuum sinnvoll macht. (siehe meine Mietwagenfahrten mit einer Person, die deutlich billiger als die Bahn sind).Ich glaube auch, dass man nichts ändert, wenn man sich hier anders verhält (man macht es nur für einen selbst unbequemer oder teurer) während die breite Masse sich individuell „intelligent“ verhält.
    Das einzige Ziel kann sein, das „System“ zu verändern – indem man „richtig“ wählt, auf Demos geht, hier im Blog unbequem ist….;-)

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