Roland Dürre
Freitag, der 19. April 2019

Das wahre Gesicht unserer Politiker.

Auch ein Grund für meine Politik-Verdrossenheit.

Die Farben des kapitalistischen Feudalismus …

Jeder weiß, dass Fliegen die Umwelt besonders stark beeinträchtigt und die Klima-Katastrophe wesentlich befördert.

Die Bundeswehr hat (deswegen) eine eigene Flugbereitschaft. Die hat früher mal dem Transport von Truppen und Material gedient.

Heute bringt sie Politiker (und wie ich annehme hohe Offiziere und Generäle) an Ziele, an diese meinen dringend erreichen zu müssen.

Wie über die meisten technischen Sparten der Bundeswehr hört man, dass auch diese Einheit in einem schlechtem Zustand wäre. Immer wieder lesen wir von Ausfällen und Beinahe-Unglücken. So ist vor kurzem eine Global 5.000 (Hersteller Bombardier) kurz nach dem Abflug instabil geworden und musste umkehren und notlanden, wobei immerhin beide Flügel am Boden aufschlugen.

Interessanterweise hätte genau diese Maschine einen Tag darauf unseren Bundespräsidenten von Berlin nach Stuttgart bringen sollen, weil dieser am 17. April in Heilbronn die Buga eröffnen sollte.

Jetzt kann man die Frage stellen, wie wichtig die Buga ist und ob da unser Bundespräsident unbedingt eine Rede halten muss. Immerhin gäbe es ja wichtigere Aufgaben, wo er sich engagieren könnte. Aber sei es drum, wenn die BUGA ihn ruft, dann ist halt die Frage, ob er dafür extra einen eigenen Jet benutzen muss.

Als kürzeste Verbindung mit der Bahn von Berlin nach Heilbronn habe ich 5 Stunden und 47 Minuten gefunden. So schlecht ist das ja gar nicht. Es wäre interessant zu prüfen, wie lange die Reise mit dem Staatsflieger dauert. Mit Umsteigezeiten usw.

Allerdings muss man bei der Bahn eine hohe Wahrscheinlichkeit für Unpünktlichkeit einrechnen. Aber vielleicht kriegt die DB der Zug ja pünktlich, wenn ein wichtiger Staatsrepräsentat wie der Bundespräsident an Bord ist? Dürfte ja selten genug der Fall sein.

… der mittlerweile ganz Europa unter Kontrolle hat.

Auf dem direkten Weg beträgt die Entfernung zwischen Berlin und Heilbronn 478 Kilometer.  In China (oder auch Frankreich) macht das ein Zug in 2 – 3 Stunden.

So weit sind wir noch nicht, so braucht auch der ICE von München nach Hamburg (781 Kilometer) 5 Stunden 35 Minuten, der TGV von Paris nach Marseille (765 Kilometer) dagegen nur 3 Stunden 11 Minuten (Quelle Spiegel).

Das macht einen Unterschied von gut 2 Stunden 20 Minuten auf gut 750 km. Dieser Sachverhalt wäre schon wieder eine Anfrage an das Deutsche Verkehrsministerium wert, wie so etwas passieren konnte. Auf den Autobahnen soll es übrigens ähnlich aussehen – obwohl es in Frankreich eine allgemeine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen gibt.

Trotzdem könnte man auf den Gedanken kommen, Fernreisen in Deutschland mit dem Zug und nicht dem Flieger durchzuführen. Und wenn die Verbindung mit dem Zug so schlecht ist, dass es wirklich nicht zumutbar ist, dann könnte man auf die Idee kommen, einem Platz in einem „normalen Flieger“ zu nehmen, der „eh fliegt“.

Jetzt wird ja der Frank-Walter Steinmeier noch als halbwegs integrer Politiker wahr genommen. Obwohl das Gemauschel bei seiner Wahl mich irretiert hat. Und er bei der SPD ist. Aber vielleicht wurde er ja Bundespräsident, weil er bei der SPD gestört hat.

Wie schön wäre es, wenn ein Politiker, der in ein wichtiges Amt gekommen ist, auch ein wenig über die Zukunft des Planeten nachdenkt? Und dann vielleicht auch symbolische Zeichen setzen würde, indem er unnötige Reisen sein lässt und keinen eigenen Flieger für sich nutzt. Das wäre dann ein Beleg für Integrität.

Ein Umdenken bei der Flugbereitschaft der Bundeswehr würde ich mir auch wünschen. Als Antwort auf die Kritik an ihrem Flugpark hört man, dass das alles ja schon gelöst wäre, weil ja schon drei neue Flieger bei Airbus bestellt wären.

Die fast verunglückte Maschine war übrigens keine 10 Jahre alt. Dazu habe ich gelesen, dass dies für ein Flugzeug kein Alter wäre. Weil Flugzeuge viel länger leben würden. Das heißt, die Flugbereitschaft geht bei ihren Investitionen davon aus, dass sie noch für ein paar Jahrezehnte Politiker und Generäle privatmaschinenähnlich durch die Gegend fliegen wird. Was da wohl die Kinder dazusagen werden, die jeden Freitag für unseren Planeten protestieren gehen?

Für mich (und wahrscheinlich auch für die kommenden Jungwähler) wird wählen noch schwieriger. Mag ich doch nur noch Menschen wählen, die eben nicht – sobald sie was sind – den Regierungsflieger wie selbstverständlich nutzen und sich wie kleine Kinder über die große Staatslimousine (und das sogar öffentlich vor der Kamera!) freuen. Weil sie jetzt am Ziel sind und für ihren Jahrzehnte langen Einsatz als fleißiger Parteisoldat belohnt werden.

Ich würde lieber Menschen wählen, die trotz ihrer feudalistischen Position weiter mit dem Öffentlichen Personen Nachverkehr (ÖVNP) und/oder mit dem Fahrrad unterwegs sind.

Wobei ich erlebe, dass für die meisten Politiker das Nutzen des ÖPNV gegen „ihre Menschenwürde“ ist, so wie das Tempolimit auf den Autobahnen gegen den „gesunden Menschenverstand“. Menschen, die eine solche Vorstellung von „Menschenwürde“ und „Menschenverstand“ haben, werde ich nicht wählen.

Ganz kurz formuliert:

Ich würde mir wünschen, dass der oberste Repräsentant des Staates durch sein Handeln zeigt, dass er die Probleme der Menschen ernst nimmt und beispielhaft vorangeht. Und eben nicht seine „Dienstreisen“ mit einem eigenen Flugzeug wahrnimmt. Wenn er fliegen muss, weil das Ziel in einem anderen Erdteil liegt und der Termin von wirklicher Relevanz ist, gönne ich ihm in einem Linienflieger die „business class“. Aber ein eigenes Flugschiff? Anstelle des Führersonderzugs?

Und in eigener Sache habe ich mir vorgenommen, mein Flugverhalten weiter zu verbessern. Innerdeutsche Flüge habe ich schon eine Ewigkeit nicht mehr gemacht. Langstreckenflüge hatte ich in der Vergangenheit zu viele. In 2019 werde ich sie deutlich reduzieren. Und weiter versuchen, sie tendenziell auf Null zu bringen. Und mit meinen Radeltouren werde ich mich auf Bayern, Deutschland und Nachbarländer reduzieren. Halt nur noch Ziele anpeilen, wo ich mit dem Zug gut hinkomme. Also kein Cuba und ähnliches mehr.

RMD

1 Kommentar zu “Das wahre Gesicht unserer Politiker.”

  1. Hans Bonfigt (Samstag, der 20. April 2019)

    Nun hatte endlich einmal ein Politiker Bodenberührung.
    Wenn auch nur mit den Tragflächen. Und Sie schon wieder am Meckern ?

    Es wird Sie besonders freuen, daß die fette „Mutti“ bereits verlautbaren ließ, sie benötige in BER ein größeres Regierungsterminal, denn das alte, wie durch ein Wunder bereits in Betrieb befindliche, sei „zu klein“.

    Was wir wirklich wieder brauchen, ist eine RAF.

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