Roland Dürre
Donnerstag, der 28. Mai 2009

Der Fluch von Wysiwyg!

Wysiwyg ist – wie wahrscheinlich ein jeder weiß – die Abkürzung für „What you see is what you get“. Das war der große Hype vor 20 Jahren und hat dann z.B. den zeichenorientierten UNIX-Terminals (VT-100-kompatibel) und vielen schönen Anwendungen den Garaus gemacht.

Auch wir bei InterFace waren überzeugt, dass in Zukunft alles „wysiwyg“ sein muss. Und haben nach HIT/CLOU dann den MagicHIT entwickelt. Für X-Windows und MS-Windows. Mit ODA-ODIF. Und genialer Semantik in den Dokumenten. War toll, kaufmännisch aber (überhaupt) nicht erfolgreich.

Imponiert hat uns der erste vernünftige Desktop-Publisher – total „wysiwyg“! Es war der „Framemaker“. Microsofts Word wurde zum „wysiwyg“-Editor für alle Lebenslagen. Das Produkt der Zukunft! Ist es ja auch geworden.

Heute sehe ich das anders.

Wenn ich zuschaue, wie die Kollegen bei großen Ausschreibungen mit „word“ und den überbrachten Dokumentvorlagen kämpfen, dann denke ich mir wie viel Zeit man doch mit LaTeX sparen würde. Das sage ich aber besser nicht, weil so ein sinnvoller Vorschlag wahrscheinlich nur Unverständnis auslösen würde. Und das Leben in geschlossenen Abstalten soll ja nicht so attraktiv sein.

Jeder vernünftige Student schreibt seine Diplomarbeit oder Doktorarbeit mit LaTeX an Stelle von Word und spart beliebig viel Zeit und Nerven. Und ein größeres Angebot für eine Ausschreibung ist mindestens so anspruchsvoll wie eine Doktorarbeit. Aber LaTeX als Werkzeug vorzuschlagen, erfordert schon viel Zivilcourage.

Aber es gibt viele Werkzeuge, die auf „wyisiwyg“ verzichten und deshalb hoch effizient sind. Herr Oppelt von b-sys hat uns vor kurzem gezeigt, wie einfach man Angebote erstellen kann – ganz ohne word von Microsoft. Und da dachte der Maximilian sofort an unser Admin-Team. Was haben die Stress mit Word und ihren Dokumentvorlagen – und wir haben b-sys gleich mal zum Testen gekauft.

Oder der TextEdit auf meinem Apple! Seitdem ich den verwende, brauch ich NeoOffice nur noch in seltensten Fällen. Ja, sogar mit dem ganz einfachen WordPress bin ich glücklich. Ich schreibe, schau mir den Artikel an – und fertig ist er.

Wenn ich mir vorstelle, ich müsste mit Word bloggen …

Wahrscheinlich würde ich mir dann ganz schnell ein neues „Hobby“ suchen!

Jetzt traue ich mir es doch: Ganz im Ernst, ich glaube, dass wir alle mit dem Einsatz von Wysiwyg-Office-Systemen beliebig viel Zeit verschwenden.

RMD

1 Kommentar zu “Der Fluch von Wysiwyg!”

  1. Chris Wood (Donnerstag, der 28. Mai 2009)

    I decided it should be „wysiayg“ („what you see is all you get“).

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