Roland Dürre
Samstag, der 9. Februar 2013

Der Homo Oeconomicus

Freunde bereiten eine Tagung bzw. einen Workshop vor. Ich bin da auch dabei. Hier ein erster Entwurf zum Thema der Tagung. Marc Borner (mb) hat ihn geschrieben. Titel und Termin sind noch nicht festgelegt.

Da der Inhalt zu meinem vorletzten Artikel (Nicht der Mensch ist für die Arbeit da …) passt, veröffentliche ich diesen Text von Marc mal:

Der Homo Oeconomicus ist das seit dem 19. Jahrhundert dominierende Leitbild unseres Wirtschaftslebens. Es betrachtet den einzelnen Menschen als Teil eines Gesamtgetriebes, welches funktionieren soll, optimiert werden kann und mechanistisch analysierbar ist. Das Individuum wird zu einem „homme machine“, der Einzelne zu einer bloßen Zahl. Der Glaube daran, diese Zahlen in volatilen Arbeitswelten beherrschen zu können geht zurück auf eben dieses verkürzte Bild ökonomischer Akteure.

Es lässt den ursprünglichen Akteur der Arbeit vermissen. Jedes Individuum ist zwar auch Teil eines Betriebes, aber nicht alleine Mittel sondern immer auch Zweck desselben. Geht dieser Gedanke vergessen, führt dies nicht nur zu handfesten ökonomischen Verlusten, sondern ebenso zu einer fortschreitenden Entfremdung der einzelnen Teilnehmer eines Wirtschaftsprozesses und damit zu Einbußen an emotionalem Kapital.

Neuere Forschungsarbeiten insbesondere aus Psychologie und Neurowissenschaften belegen diese zuvor gemachten theoretischen Annahmen und zeigen zudem Auswege hin zu einer nichtreduzierten Arbeitswelt, die gekennzeichnet ist von Teilhabe, Vertrauen und Verantwortung. Es kann so ein angstfreier, transparenter Raum geschaffen werden, in welchem Klarheit vorherrscht und Individuen auf Augenhöhe miteinander und nicht gegeneinander arbeiten.

Eine solche Arbeitswelt zu schaffen, die den emotionalen Bedürfnissen der jeweiligen Individuen deutlicher entspricht erzeugt eine Homöostase von Unternehmen, Unternehmern, Managern, Angestellten und Arbeitern. Sie führt dazu auch Führung neu zu denken und macht Unternehmen nicht nur erfolgreicher, sondern bringt sie wieder dorthin, woher sie ursprünglich entwachsen waren: als Institutionen zum Allgemeinwohl.

Der Workshop widmet sich diesem Thema explizit und versucht sowohl über den aktuellen naturwissenschaftlichen Kenntnisstand aufzuklären als auch die Verbindung zur praktischen Applikation zu schaffen.

Mir gefällt der Text ganz gut. Wir konnten auch schon namhafte Referenten für die Veranstaltung gewinnen. Mich interessiert jetzt, wie Sie den Text finden oder zum Beispiel, ob Sie das Thema interessieren und sie an solch einem Workshop eventuell teilnehmen würde.

RMD

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