Roland Dürre
Mittwoch, der 14. Juli 2010

Der Opern-Pirat

Hier eine nicht ganz fiktive Geschichte mit einem bösen Ende:

Es gibt Menschen, die lieben und sammeln Opern. In München finden sie ihr Paradies beim „Beck am Rathauseck“, denn der hat eine exquisite Musikabteilung. Wenn ein Opern-Sammler nach München kommt, dann zieht es ihn dorthin. Dort findet er CD’s mit Opernaufnahmen, die sonst nur schwer zu bekommen sind.

Meistens wird er fündig und kauft sich ein paar seltene oder ganz neue Aufnahmen. So nimmt seine Sammlung mit CD’s mit Opernmusik stetig zu. Zuerst werden die 100 gefeiert, dann 200, 300 und schließlich 500. Aber ganz gleich, wie groß die Sammlung ist, es fehlen immer noch viele Aufnahmen.

So werden die CD’s immer mehr, Kilo um Kilo. Die Übersichtlichkeit geht schnell verloren. Deshalb werden die Titel zuerst in einer Datenbank archiviert, schließlich werden alle CD’s auf die Platte des PC’s kopiert.

Die CD’s werden dann nicht mehr gebraucht. Vielleicht werden sie aus nostalgischen Gründen aufgehoben. Wobei keiner weiß, wie lange CDs rein physikalisch halten.

So ein privater PC hat aber seine Nachteile. Man muss ihn regelmäßig sichern. Das ist unbequem. So entsteht die Idee: die Opern werden auf einem sicheren Server gespielt.

Jetzt gibt es aber einen anderen Sammler-Freund, der dasselbe Hobby und dasselbe Problem hat. Es bietet sich an, den Server gemeinsam zu nutzen. Also schließen sich die Sammler zusammen und spielen alle ihre CD’s auf einen Server. Und so vergrößert sich die Sammlung ganz schnell.

Es gibt aber noch mehr Opern-Freunde, die da mitmachen. Eine „community“ entsteht – alle laden ihre Schätze hoch und genießen die Lieder der anderen.

Aber Vorsicht, jetzt wird es gefährlich. Da kann schnell eine Musik-Tausch-Börse daraus werden. So ganz genau weiß man nicht, wie lange dieses Treiben legal und ab wann es illegal wird. Muss der Opernfreund am Schluss ins Gefängnis?

Und irgendwie ist ja auch etwas dran. Warum soll man sich noch CD’s kaufen, wenn man alles von der Tauschbörse bekommt. Der arme „Beck am Rathauseck“. Und die armen Musikverlage. Und die ganze arme Unterhaltungsindustrie.

Aber wie groß ist der Schaden (an entgangenem Umsatz) wirklich? Und wieviel davon gerechtfertigt? Passen die Urhebergesetze in der heutigen Ausprägung noch in die Zeit? Wie schützenswert sind Rechte an Melodien und Texten z.B. von Opern wirklich?

Oder noch ärger: Sollte man nicht zuerst die Nutzer und die Natur vor den Konzernen schützen.

Lese ich doch vorgestern, dass die 3000 größten Unternehmen der Welt durch den Missbrauch natürlicher Ressourcen, durch Verschmutzung von Luft und Gewässern sowie das von ihnen verursachte Aussterben von Arten Schäden an der Natur, dem größten Kapital der Menschheit, in der Höhe von 1,7 Billionen Euro zu verantworten haben!

Stimmt da die Verhältnismäßigkeit. Oder ist es wie so oft, dass die kleinen gehängt und die großen laufen gelassen werden?

RMD

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1 Kommentar zu “Der Opern-Pirat”

  1. Wolf Geldmacher (Mittwoch, der 14. Juli 2010)

    … und als Ergänzung dazu:

    – Die Plattenfirmen geben viel mehr für Rechtsanwälte aus, die sie zur „Verfolgung der Piraten“ beschäftigen, als sie von „Piraten“ dann effektiv bekommen, cf. http://yro.slashdot.org/story/10/07/13/2024228/RIAA-Paid-16M-In-Legal-Fees-To-Collect-391K

    – Die Plattenfirmen benehmen sich ihren Künstlern gegenüber auch mehr als schofel, cf. http://news.slashdot.org/story/10/07/13/1737224/RIAA-Accounting-mdash-How-Labels-Avoid-Paying-Musicians

    Nein, die Urheberrechte heutiger Bauart passen nicht mehr in die Zeit – sie schützen die Urheber in keinster Weise, sondern dienen nur noch den Konzernen.

    Analoges gilt übrigens auch für (Software-)patente, die heute den ursprünglichen Gedanken (nämlich: dem Erfinder oder Entdecker im Austausch zur Veröffentlichung seiner Idee einen Schutz zu gewähren) ebenfalls komplett pervertiert haben.

    Irgendwie hoffe ich, dass bald einmal der vor Jahrzehnten von Robert E. Heinlein in seiner „future history“ beschriebe „The Day They Killed The Lawyers“ kommt…

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