Roland Dürre
Freitag, der 17. Juli 2009

Der Pilz auf meiner Einfahrt

Gestern morgen traue ich meinen Augen nicht. Auf unserer geteerten Einfahrt in Riemerling, im Südosten von München, wachsen Pilze. So richtig große Pilze kommen da aus dem Teer heraus. Bisher hat sich das nur der Löwenzahn getraut.

BILD0987Heute habe ich dann einen der Pilze fotografiert. Es könnte ein Rotfussröhrling sein. Ein Pilz, der zwar nicht besonders gut schmeckt aber zumindest am Beginn seines Wachstums genießbar ist. Das feuchte und in den letzten Tage sehr schwüle Wetter erklärt die neue Fruchtbarkeit. Eine Folge des Klimawandels?

Aber mit den Pilzen kommen die Erinnerungen: Als Kind war ich mit meinen Eltern oft beim Pilze suchen. Da gab es (nicht nur) südlich von Augsburg nicht weit hinter Friedberg wunderbare Pilzreviere. Ortsnamen wie Rinnenthal und Hügelshart fallen mir dabei ein, die durch ein kleine Strasse verbunden waren und von denen noch kleinere Wege in wunderschöne Wälder führten.

Ende der 50iger und auch noch zu Anfang der 60iger gab es da jedes Jahr einen richtigen Pilzreichtum. Wir haben allerlei Speisepilze gefunden: Steinpilze, Maronen, Birkenpilze und Rotkappen, Pfifferlinge und vieles mehr. Im Sommer waren wir fast jeden Sonntag „in den Pilzen“.

Die edlen Steinpilze wurden zu köstlichen Gerichten verarbeitet und zum Teil auf Zeitungspapier in der Sommersonne getrocknet und dann über das Restjahr hinweg verspeist.

Heute ist die kleine Strasse eine große Strasse und aus den unbefestigten Wegen sind breite und geteerte Strassen geworden. Die Häuser sind immer näher an und in den Wald gerückt und die Pilze haben sich zurückgezogen. Vielleicht findet man noch ab und zu einen Maronenröhrling, aber das ist es dann auch.

So verursachen die Pilze auf meiner Einfahrt auch ein wenig Wehmut.

RMD

1 Kommentar zu “Der Pilz auf meiner Einfahrt”

  1. Chris Wood (Freitag, der 17. Juli 2009)

    In England gibt es keine Schwammerl-Kultur. Meine erste Frau staunte über die Mengen von ungefluchten Pilzen die herum standen. Ihr Eltern, besonders ihr Vater, waren Schwammerl-Experten selbst bei Tschechischen Maßstäben. Zuzana kennt sich auch gut aus. Seit Černobyl‘ aber haben wir Schwammerl selten gegessen.

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