Ostern habe ich ein wenig Zeit zum Zeitung lesen (was man ja Nassim Nicholas Taleb folgend nicht tun soll) und finde heute morgen auf der Seite Wissen der Osterausgabe der SZ doch tatsächlich diese wunderschöne Schlagzeile:

Der Urknall war nicht der Anfang

Den Artikel findet man natürlich auch in der Online-SZ im Web.

In diesem Artikel wird Martin Bojowald gewürdigt: „Der Deutsche Martin Bojowald gilt trotz seines Alters von nur 36 Jahren als einer der wichtigsten Theoretischen Physiker.“ und „Bojowald arbeitet an der Pennsylvania State University„.

Dass deutsche Spitzenforscher (im Gegensatz übrigens zu Deutschen Spitzenfußballern) ihr Geld immer mehr im Ausland verdienen, finde ich auch ganz interessant. Das ist aber nicht Thema dieses Artikels.

An den ultimativen Urknall habe ich nie geglaubt und freue mich, wenn er jetzt relativiert wird.

„Wissenschaftliche Diskussionen“ von hoch intelligenten und genauso sympathischen Menschen schmerzen mich, wenn sie aufbauend auf vermeintlichen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen der Physik intellektuelle Glaubenskriege führen, bei denen es um die Sinnfrage oder die Existenz bzw.  Nichtexistenz Gottes geht. Das scheint mir intellektuelle Verirrung, „naturwissenschaftliche Erkenntnisse“ haben mit dem „Sinn des Lebens“ nichts zu tun.

Wir sollten einfach davon ausgehen, dass wir Menschen endlich sind, individuell wie das Kollektiv „Die Menschheit“. Wir sollten damit zufrieden sein, dass wir nie alles wissen werden. Das sollte uns aber nicht daran hindern, uns immer für Neues zu interessieren und uns weiter entwickeln zu wollen.

Und bei der Physik sollten wir die „Kirche im Dorf“ lassen. Die Physik ist eine schöne empirische Wissenschaft – so wie die Philosophie eine schöne geistige Wissenschaft ist. Aber die Physik generiert keine „Wissens-Wahrheit“, wie auch die Philosophie nicht „Weisheit an sich“ kreieren kann.

Physik versucht empirisch Naturgesetze zu finden und zu erklären. Dabei ist die bessere Erklärung der Feind der guten Erklärung. Die aktuell beste Erklärung muss (und kann) natürlich nicht richtig sein und wird durch eine bessere und richtigere Erklärung abgelöst. In der Physik gibt es „richtiger“, den Komparativ von „richtig“, aber es wird nie den Superlativ „am richtigsten“ geben.

So taumelt die Physik durch die Zeit – von Paradigma zu Paradigma. Und darf sich dabei durchaus, wenn auch vielleicht nur scheinbar, widersprechen.

Als Nichtphysiker vermute ich, dass wir von der Physik bald ein ganzes Urknallsystem (wahrscheinlich mit der Dimension unendlich) geliefert bekommen werden (Weihnachten 2011 ?). Und dann nach den (vermeintlichen) Regelmäßigkeiten in diesem System suchen werden. Und dann werden wir parallele Urknallsysteme entdecken und nach Parallelen suchen.

Ich freue mich darauf, noch einen Teil davon zu erleben und sehe da auch gute Chancen, weil die in unserer Gesellschaft stattfindende atemberaubende Beschleunigung auch den Zeitraum zwischen den wesentlichen Paradigmenwechseln der Physik immer kürzer werden lässt.

Und bin dann doch wieder froh, dass ich die „gesellschaftlich nicht relevante Mathematik“ (Originalton eines Geisteswissenschaftlers, stand auch mal in der SZ geschrieben) studiert habe. Keiner erwartet von der Mathematik, dass sie Wissen, Wahrheit oder Weisheit frei Haus liefert. Sie gilt eher als kerniges Schwarzbrot.

Die Mathematik baut schon immer komplett auf den natürlichen Zahlen auf. Jetzt gibt es Leute (auch im IF-Blog), die sich nicht sicher sind, ob die Gleichung 1 + 2 = 3 wirklich ist. Diese Frage stört uns aber nicht im geringsten, immerhin haben wir es halt mal so definiert!

🙂 Soweit mein Wort zum Ostermontag, frohe Ostern!

RMD

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