Roland Dürre
Sonntag, der 19. November 2017

Der Weg als Metapher für unser Leben.

Bei jetzt schon vier Hochzeiten meiner Kinder durfte ich die Hochzeitsrede halten. Bei der Vorbereitung dieser Ansprache gebe ich mir immer (sehr) viel Mühe und versuche wichtige Gedanken zu formulieren.

Da sind gerne Gedanken dabei, von denen ich weiß, dass sie mir selber viel geholfen haben. Die es lohnen könnte, sie auch andere Menschen weiterzugeben. Besonders an das Hochzeits-Paar und an möglichst viele andere Menschen.

Deshalb veröffentliche ich auch hier ein paar zentrale Gedanken aus meiner letzten Hochzeitsrede. Auch weil heute Sonntag ist. 


Der Weg als Metapher für unser Leben. 

Der Weg des Lebens beginnt mit der Geburt und endet mit dem Tod. Unser wertvollstes Gut auf diesem Wege ist die Zeit, die wir auf diesem Wege verbringen. Die Zeit ist deshalb so wertvoll, weil sie nie zurück kommt. Wenn man Freundschaft oder Geld verliert, kann dieses zurück kommen, nicht so die Zeit.

Am Beginn unseres Weges steht die Geburt.

Wir tauchen in der Welt auf und befinden uns in einer Gemeinschaft. Wir treffen Menschen, die uns auf diesem Wege begleiteten, die wir nicht kennen. Wir haben sie uns nicht heraus gesucht. In der Regel ist das unsere Familie.

Wege finden zusammen und trennen sich.

Wachsen wir heran, treffen wir auf unseren Wege weitere Menschen, die einen Strecke  gemeinsam mit uns zurücklegen: Die Kindergärtnerin, der Lehrer, unsere ersten Freunde ….

So gehen wir unseren Weg, auf manchen Teilstrecken gemeinsam mit mehr und mal mit weniger Menschen. Neue Gesichter kommen hinzu, viele Wege trennen sich für eine längere Zeit oder auch für immer.

Wir sind „Sammler und Jäger“.

Auf diesem Lebensweg sammeln wir „Spielzeuge“ aller Art, an denen wir uns ergötzen und/oder die uns „wehtun“. Diese Spielzeuge kommen oft aus der Vergangenheit. Es können Erinnerungen, Enttäuschungen, Niederlagen, Verletzungen … sein.

Andere weisen in die Zukunft und machen uns das Leben genauso schwer. Da möchte ich Lebensträume, Hoffnungen, Ängste, Erwartungen, Projektionen … benennen.

Wir besitzen nicht sondern werden besessen.

So wird unserer Lebens-Rucksack, den wir auf unserem Wege mit uns schleppen, immer größer und schwerer. Er und sein Inhalt werden zu unserem Lebens-Ballast, an dem wir schwer tragen.

Eines Tages heiraten wir. Wir feiern Hochzeit.

„Hochzeit“ ist für mich die bewusste Entscheidung – ein abgelegtes Kommitment  – den eigenen Lebensweg mit einem Menschen in einer besonderen Art und Weise gemeinsam zu gehen. Ein gegenseitiges „Komm mit mit mir!“

Es beginnt etwas Neues. So ist eine Hochzeit bestimmt kein schlechter Zeitpunkt, gemeinsam die Rucksäcke zu leeren oder noch besser, sie am Wegrande stehen zu lassen.

Legt Eure Rucksäcke ab!

Denn: Das Leben findet im jetzt und heute statt. Wenn aber Vergangenheit und Zukunft unser Denken und Handeln bestimmen, dann leben wir nicht!

Deshalb geht meine Bitte an das Brautpaar, heute auch darüber nachzudenken, ob und wie Ihr den heutigen Tag dazu nutzen wollt (und könnt), Euch vom Gerümpel der Vergangenheit für die Zukunft frei zu machen. Also:

Damit Ihr jeden Tag Eures Lebens immer mehr in wachsender Freude und mit zunehmenden Mut verbringen könnt!


Einen Teil der hier niedergelegten Gedanken verdanke ich unter anderem dem Buch Ein Tag mit der Liebe von Moshen Charifi, das ich zur Lektüre nur empfehlen kann. Charifi berichtet in diesem Buch in einer wunderbaren achtsamen und „gewaltfreien“ Sprache von einem Dialog von LIEBE und VERLIEBTHEIT, der auf einem gemeinsamen Spaziergang stattfindet.


Für Katherina und Martin entworfen für den 27. Oktober 2017. Und für alle Menschen auf dieser Welt. In Liebe!

RMD

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