Roland Dürre
Freitag, der 2. Januar 2015

Die Frust-Splitter des Neuen Jahres

Jetzt sind wir im neuen Jahr. Ich bin frei und habe viele Pläne. Und freue mich. Nur Radio hören darf ich gar nicht mehr. Denn dann kommt der Frust. Hier ein paar emotionale Gedanken zu den Nachrichten von Silvester und dieser Tage. So vieles verstehe ich gar nicht mehr.

Die Silvester-Böllerei hat uns in Deutschland mindestens vier Menschenleben gekostet. Sie wurden Opfer der Pyrotechnik. Wie viel Menschenleben die Silvester-Völlerei gekostet hatten wissen wir nicht. Auch der Gesamtschaden der Silvester-Nacht muss dieses Jahr besonders hoch gewesen sein. Damit meine ich nicht die vielen Feuerwehrkörper, die sinnlos und mutwillig zerstört worden sind sondern die Folgeschäden.

Aber wir verschießen Raketen, machen Feuerwerk und haben Angst vor Terrorismus und einer „Ent-Europäisierung“. Und dem Islam. „Pegida“ spielt die zentrale Rolle in den Nachrichten. Bei unserer Kanzlerin wie auch bei den Arbeitgeberverbänden. Die wollen kein Pegida. Aber nur weil es schlecht für die Wirtschaft ist.

Ich mag auch kein Pegida. Aber vor allem, weil es einfach unmenschlich, dumm und fundamentalistisch ist.

Die Politiker sagen jedoch: Wir müssen die Sorgen der Menschen ernst nehmen. Weil sie immer auf Stimmenjagd sind. Und Angst haben, dass ihre Mehrheiten immer zweifelhafter werden. Und dies zweifellos zu Recht.

Die Sorgen der vielen Menschen, die die Wachstumsideologie und den Widersinn unserer Wirtschaftssystem nicht begreifen wollen und können, nimmt „die Politik“ nicht ernst. Weil Wachstum alternativlos ist.

So wie auch die Sorgen der Menschen, die den totalen Lauschangriff auf uns durch inländische und ausländische Organisationen kritisieren. Und wehe, man macht sich Sorgen wegen TTIP oder wünscht sich eine neue Gesellschaftsordnung.

Solche Menschen muss man „nicht ernst nehmen“ sondern überzeugen! heute noch durch Reklame (genannt Aufklärung) der zuständigen Ministerien. Wie bin ich froh, dass wir noch keine staatliche Umerziehung haben.

Die Diskussion über den Mindestlohn und diesen an sich finde ich auch so bürokratischen Quatsch. Nicht weil ich dagegen wäre. Nein, ich bin absolut dafür, dass menschliche Arbeit fair bezahlt wird. Möglichst weltweit und auch bei uns. Eigentlich sollte das eine Selbstverständlichkeit sein.

Nur – der Mindestlohn wird uns das aber genau nicht bringen, sondern vor allem mehr Bürokratie, Verordnungen, Kontrollen, Bußgelder … Und noch mehr Ungerechtigkeit.

Zudem hat der Mindestlohn einen entscheidenden Konstruktionsfehler. Wie bei vielen ähnlichen dieser Gesetze wurde einfach die Inflation vergessen. Und schon in wenigen Jahren werden wir über den Mindestlohn lachen, weil er so niedrig ist. Oder soll er ab jetzt jährlich und nach welchen Kriterien erhöht werden? Mir ist nichts bekannt.

Die Inflation findet statt, das merke ich laufend, ob beim Bäcker oder auf dem Markt beim Gemüse kaufen, im Schwimmbad, in der S-Bahn und Eisenbahn, in der Post beim Brief frankieren, in den Lokalen usw. Da hilft es auch nichts, wenn der Diesel wahrscheinlich eh nur vorübergehender Weise mal eine Zeitlang verblüffend billig erscheint. Und man das Geld in großen Mengen zum Niedrig-Zins bekommt.

Auch die Verrückten in Brüssel frustrieren mich: Eine Billion EURO (in Zahlen 1.000.000.000.000 €) wollen die jetzt für Wachstum und gegen die zu niedrige Inflation bereitstellen.

Von was soll ich noch schreiben?

Dass die Krankenkassen in 2015 ihre Rücklagen im Wettkampf um die Mitglieder verblasen und dann mit trickreichen Tarifkonstruktionen ab 2016 ihr Zusatzeinkommen generieren dürfen – und sollen? Und dann alles noch intransparenter und komplizierter werden wird? Mit noch mehr „Werbung für die Gesundheit“?

Vom nach weihnachtlichen Populismus der CSU? Oder der Hilflosigkeit des Papstes, der in seinem Managementsystem fünfzehn Krankheiten entdeckt hat, jedoch nicht weiß, wie er diese Krankheiten heilen soll? Oder von dem Wahnsinn in der Ukraine und mit der Nato? Über die Forderung nach verlängerter Datenspeicherung (wegen der Cyber-Kriminalität) der Bayerischen Staatsregierung (um die Aufklärungsquote zu erhöhen)?

Nööö, irgendwie macht sogar das Schimpfen keinen Spaß mehr!

RMD

P.S.
Habe gerade in den Nachrichten auch eine menschliche Nachricht gehört:
Der Uli (Hoeneß) ist ab heute Freigänger. Ich freue mich für ihn.

2 Kommentare zu “Die Frust-Splitter des Neuen Jahres”

  1. Chris Wood (Sonntag, der 4. Januar 2015)

    I expect people join in with Pegida for the wrong reasons, although the various reports are confusing and contradictory. But, having read the Koran (translated), I too have a problem with any religion that rejoices about unbelievers (like me) burning eternally in hell.
    I dislike the last letter of „Pegida“. „Abendland“ harks back to the bad old days, and is hardly fitting, with part of Maroko West of the European mainland.

  2. Chris Wood (Montag, der 12. Januar 2015)

    I realised later that it is unfair to judge Islam just on the basis of the Koran. I would not judge Christianity (or Judaism) on the basis of the blood- thirsty Old Testament. The leaders of these two religions do not now insist that such books are the exact word of God. Have leaders of Islam stated that old writings must be judged in context?

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