Roland Dürre
Dienstag, der 13. September 2011

Die IAA und die Zukunft des Automobils

Auch dieses Jahr findet sie wieder statt, die IAA in Frankfurt. Vom Donnerstag, den 15. September bis zum Sonntag, den 25. September 2011, pilgern die Autophilen dieser Welt wieder nach Frankfurt und tanzen um ihr goldenes Kalb. An den ersten beiden Tage ist die Messe für Fachbesucher reserviert, ab Samstag, 17. September darf dann auch das „normale“ Publikum seinem Götzen huldigen.

Schon am letzten Wochenende haben die Zeitungen das große Ereignis gewürdigt. Dicke Beilagen mit Bildern von futuristisch anmutenden Fahrzeugen berichteten, was man da alles sehen wird. In der Frankfurter Sonntagszeitung habe ich aber auch einen warnenden Kommentar gefunden, den ich stark gekürzt wieder gebe:

Wenn die Automobil-Industrie nicht umsteuert, wird das Automobil genauso enden wie es begonnen hat, nämlich als Spielzeug der reichen Oberschicht.

Begründet war dies unter anderem mit den endlichen Ressourcen an fossilen Energien und der Erwartung von überdurchschnittlich steigenden Öl-Preisen. Die zitierte Aussage halte ich für durchaus wahrscheinlich, wenn ich mir die neuen Modelle auf der IAA anschaue.

Ich könnte mir aber auch ein anderes Szenario der automobilen Zukunft vorstellen:

Eine gewandelte Automobil-Industrie stellt ganz einfache und sehr leichte Elektrofahrzeuge her, die auch in Zukunft die autonom-individuelle Mobilität für viele Menschen ermöglichen. Solche Elektro-Fahrzeuge würden im Verhältnis zu den heutigen Autos mit Verbrennungsmotor viele Einschränkungen haben: Begrenzte Geschwindigkeit, wenig Komfort (ohne Heizung und Klimaanlage), reduzierte Reichweite usw.

Autos würden dann ihre emotionale Komponente verlieren und nur noch als Mittel zur Fortbewegung dienen. Die Folge wäre ein schneller Wandel der Verkehrsregeln (Tempolimit), eine Reduzierung der Ansprüche an die „Infrastruktur Straße“ und ein ganz neues Verhältnis zum Auto.

Eine theoretische Alternative gäbe es ja noch, mit der man die aktuelle autonom-individuelle Mobilität in der alten emotionaler Gewohnheit weiterführen könnte – die Wasserstoff-Technologie.

Da bin ich aber skeptisch – in Deutschland gibt es für so was kein Geld mehr:

  • Das bundesdeutsche Verkehrsministerium meldet, dass zentrale Straßenbauvorhaben und leider auch strukturell wichtige Neubauten im Bereich der Eisenbahn, die für die nächsten fünf Jahre geplant waren, aus Finanzgründen nicht mehr realisiert werden können und auf unbestimmt verschoben werden. Eine Ausnahme ist hier S21, wohl weil da eine Immobilienspekulation im Hintergrund steht. Für den zweiten S-Bahn-Tunnel in oder eine Ringbahn um München reicht es schon nicht mehr.
  • Der Energieumschwung benötigt große (und noch nicht gesicherte) Investitionen in neue Kraftwerke und vor allem in die Strom-Netze.
  • Bei Bund und Ländern fehlt das Geld für in die Jahre gekommene Software- und IT-Infrastruktur. Die Bundeswehr soll sich der politischen Aussage folgend, überall in der Welt an militärischen Missionen  beteiligen, wie dies finanziert werden soll, weiß aber auch niemand.
  • Und am schlimmsten, die finanzielle Situation in der Bildung bei Schulen und Hochschulen ist nahe zu aussichtslos.

Ja, wir haben kein Geld mehr. Da ist eine große nationale Anstrengung und Investition für eine Wasserstoffversorgungskette (Windräder in Patagonien, Schiffe, die das flüssige Gas nach Deutschland bringen, Wasserstoff-Infrastruktur flächendeckend in Deutschland) kaum vorstellbar.

Ohne Wasserstoff ist der Niedergang des Verbrennungsmotors absehbar. Und ich finde es gar nicht schade. Straßen- und Fluglärm werden verschwinden. In Zukunft werden wir uns dann wahrscheinlich mehr um die zunehmende Strahlenbelastung durch drahtlose Kommunikation und Kernkraft Gedanken machen.

Vorbei sind die Zeiten, in der ich noch selber zur IAA gepilgert bin. Heute bin ich überwiegend mit dem Rad und der Eisenbahn unterwegs, notfalls auch mit dem Bus. Auto fahre ich nur noch selten. Wenn es sein muss oder gelegentlich mit meinem Oldtimer.

Als Radfahrer fühle ich mich dagegen immer wohler. Meine Kondition verbessert sich mit jedem Kilometer wie von selbst. Deswegen und danke neuer toller Radtechnologie kann ich immer längere Strecken frei von Stress und behaftet mit Spaß zurück legen.

Als Eisenbahnfahrer geht es mir nicht ganz so gut. Da leide ich unter der sich auffallend verschlechternden Unzuverlässigkeit von Nah- und Fernverkehr. Bei umsichtiger Nutzung, zum Beispiel immer mit einer S-Bahn früher als im Fahrplan angegeben zum Hauptbahnhof zu fahren, ist aber auch das hinnehmbar.

Jetzt schaue ich mal ganz entspannt, was die mobile Zukunft so bringen wird.

RMD

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1 Kommentar zu “Die IAA und die Zukunft des Automobils”

  1. Chris Wood (Mittwoch, der 14. September 2011)

    I see little sense in fuelling cars with hydrogen. The energy from burning hydrogen is about 2½ times as much as from the same weight of hydrocarbons. But this advantage is wiped out by the difficulty of light compact storage. For instance one car manufacturer (according to Wikipedia) is investigating use of NaBH4. But the hydrogen in this comprises about 10% by weight. So hydrocarbon fuel effectively weighs a quarter as much.
    Surely it makes more sense to produce hydrocarbons, and continue to use them. This continues to use highly developed motors and the current infrastructure. Using a suitable power source, (the sun, or perhaps eventually thermonuclear power), it is possible to have a cycle producing diesel from water and carbon dioxide, which are recycled via the atmosphere when the diesel is burnt. Of course such diesel fuel is much more expensive than when the hydrocarbons come almost for free from underground.

    There is already research using algae to produce hydrocarbons. One problem is that green plants store only about 3% of the solar energy. Other ways of producing transportable fuel from solar energy, (including use of batteries), are hardly better. Of course diesel is already produced „commercially“ from solar energy using maize or sugar-cane. But this wastes fertile land that is needed for food production, (assuming we want to continue to overpopulate the world). We need to produce diesel rather more efficiently on the oceans or deserts.
    Some energy is lost when CO2 is concentrated out of the atmosphere. How significant is this?
    Perhaps I am missing some other point. Is less energy needed to get a hydrogen atom from NaBH4 than from H2?

    But I suspect that the neglect of diesel production has other reasons. It is in too direct competition with current diesel. It is competitive only paying full attention to climate change and limited resources. The oil companies would be best positioned to get involved in this, but can hardly get enthusiastic about it.
    Electric power and hydrogen seem an attractive alternative to diesel, as long as one ignores where they come from, mainly cheap oil, gas, coal, and nuclear power. They give the car firms a chance to sell new products, if only in small numbers, and to seem to be doing something about oil shortage and climate.

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