Roland Dürre
Dienstag, der 9. August 2011

Die Kurse fallen weiter? Noch ein paar Gedanken zur Krise …

Dank Grippe sitze ich mit meinem MacBook im Bett. Beim Kaffee heute morgen habe ich den Wirtschaftsteil der SZ gelesen. Ein paar Informationen sind mir haften geblieben – und da entwickeln sich so die Gedanken

Auf Seite 1 im Wirtschaftsteil habe ich folgenden Satz gefunden:

Der deutsche Aktienindex DAX verlor 5 % und fiel auf 5923 Punkte. Dies war der niedrigste Stand seit 11 Monaten.

Das lese ich so: Der DAX war gestern Abend genauso hoch wie vor 11 Monaten. Was ist da so schlimm daran? Der zwischenzeitliche Boom, der ja stark von Sondereinflüssen wie außergewöhnlichen Autoexporten nach China gestützt war, geht wohl zu Ende. Und wenn die Aktien weiter fallen und dann vielleicht einen Wert wie vor 24 Monaten erreichen, dann ist das doch auch nicht so schlimm.

Ich gehe davon aus, dass die derzeitigen Verkäufer in der Regel niedriger eingekauft haben, als sie heute verkaufen. Und so neben der eingesteckten Dividende einen schönen Gewinn mitnehmen. Und wenn der Tiefpunkt erreicht ist, sei es bei 3000 oder 4000, dann geht es wieder wie am Schnürchen nach oben. Und so weiter. Warum also diese Aufregung?

Auch auf Seite 1 finde ich eine Graphik der Länder mit Rating AAA

Das sind jetzt SIEBZEN MINUS EINS steht dort. Mit der Eins sind die USA gemeint. Unter den 16 Ländern mit (noch) AAA sind 7 Länder der EURO-Zone. Das sind Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Luxemburg, Österreich und die Niederlande.

Aus Europa haben aber auch die Nicht-EURO-Länder Liechtenstein, Großbritannien, Norwegen, die Schweiz und Schweden ein AAA.

Dass Norwegen aufgrund seines Reichtums an Öl- und Gasvorkommen ein AAA hat, verstehe ich. Auch bei der Schweiz verstehe ich es. Obwohl hier könnte man sich schon fragen, was mit der Schweiz passiert, wenn der Franken weiter so stark steigt und so die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz zum Erliegen kommt?

Warum aber Großbritannien ein AAA hat, das kann ich wirklich nicht verstehen. War erst vor kurzem in Wales.

Aber zurück zur EURO-Zone:

Hat Frankreich wirklich dass AAA verdient?

Auch bei Deutschland habe ich so meine Zweifel. Wenn ich mir die Bundesländer anschaue, wer hat denn da noch ein AAA verdient? Berlin, Bremen und Hamburg mit Sicherheit nicht. Aber auch so manche bayerische Großstadt (Würzburg) kann kein AAA haben.Und ich dachte immer, dass das Ganze aus Teilen besteht, die irgendwie zusammen gehören.

Beruht das deutsche AAA am Schluss nur auf Bayern und Baden-Württemberg? Trotz der Risiken, die immer noch in einer BayernLB stecken?

Was passiert, wenn ein Land nach dem anderen durch einen Schuldenschnitt entschuldet wird?

Rein relativ (prozentual vom BIP) liegen die Schulden der Länder der EURO-Zone nicht weit auseinander. An der Spitze liegen (noch)  Griechenland mit 142 % und Italien mit 119 %. Den besten Wert haben die Niederlande mit 63,7 %, Länder wie Belgien, Deutschland, Frankreich und Portugal befinden sich zwischen 80 und 100 % (alle Zahlen zum BIP 2010, Quelle FAZ vom Wochenende).

Wenn Griechenland also entschuldet wird, dann führt das nach dem gesunden Menschenverstand doch dazu, dass die griechischen Zahlen besser werden. Die Kreditgeber verlieren aber Geld, also müssen sie mehr Schulden machen – das heißt, dass ihre Zahlen schlechter werden. Das würde am meisten wohl Deutschland treffen.

Wenn jetzt ein Land nach dem anderen (Italien, Irland, Portugal, Spanien …) wie Griechenland durch die EZB subventioniert werden (weil sie ihre kritischen Papiere aufkauft) und einen Schuldenschnitt bekommen würde und zusätzlich auch noch – im Gegensatz zu uns – zu sparen anfangen würde, dann hieße das ja, dass die Zahlen dieser Länder wieder besser werden und die deutschen schlechter.

Theoretisch könnte Deutschland am Schluss des Prozesses als einsamer Hauptschuldner da stehen und müsste als letzter und einziger Insolvenz machen. Das ist natürlich praktisch Unsinn, weil die „Märkte“ das vorher schon richten werden.

Deutschland hat vom EURO am meisten profitiert.

Wenn das wahr wäre – ich zweifle daran, weil so ganz toll ist bei uns ja auch alles nicht, man denke nur an unsere Schulden und ungelösten Probleme – dann müsste man sich mal die Frage stellen:

Wem hat dann der EURO am meisten geschadet?

Die Antwort erscheint mir einfach. Genau den Ländern, die jetzt am Pranger stehen.

Ja, und wenn dann am Schluss die Deutschen zahlen müssen, dann wäre die ganze Geschichte am Schluss doch wieder gerecht.

RMD

 

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