Roland Dürre
Dienstag, der 26. Juni 2012

Die liebe NATO

All das viele Papier wie die SZ, eine Boulevard-Zeitung, den Spiegel die FAZ am Sonntag …, das ich bisher frei Haus geliefert bekommen habe (inklusive viel Marketing-Hochglanzmüll) habe ich abgestellt. Und fühle mich richtig befreit und wohl dabei.

Informieren tue ich jetzt im Internet (mit PAD, Kindle und Notebook) und besonders gerne im Radio. So höre ich immer wenn sinnvoll möglich in meinem Lieblingssender Bayern 2 (nicht nur) die radioWelt. Da finde ich alles, was ich brauche: Gut selektierte Information, viel Hintergrundwissen und exzellent geführte Interviews, die so manches an Wissen bei den Gesprächspartnern herausluchsen.

Heute morgen fand ich z.B. das Gespräch mit Karl-Heinz Kamp, einem Mitarbeiter des NATO-Defense College in Rom, hoch interessant. Es ging um die Frage, wie sich die Nato nach dem Abschuss eines türkischen Militärjets durch Syriens Flugabwehr aufstellen wird.

Denn heute vormittag findet auf Antrag der Türkei ein wichtiges Nato-Treffen zum Konflikt Türkei-Syrien statt. In meinem Erleben schon als Kind war die Nato immer so ein eisernes und martialisches Bündnis, dass als Mission hatte, die „Freiheit des Westens“ zu verteidigen und ihre Existenzberechtigung vor allem aus der Bedrohung durch den Kommunismus – diesen besonders in Form des Warschauer Paktes vertreten – zu verteidigen.

Später wurde dann der Bündnisfall ausgerufen, da ging es dann gegen den Terrorismus. Ich habe zwar nie begriffen, wie man Terrorismus mit der Nato bekämpfen will, aber wahrscheinlich fehlt mir da die Sachkenntnis … Dieses Interview hat mich aber wieder mal zum Kopfschütteln gebracht.

Ich habe gelernt, dass es da einen Artikel 4 und 5 gibt. Der Artikel 4 wird wohl von der Türkei angesprochen. Der bewirkt aber gar nichts. Auch der Artikel 5 des Nato-Pakts, der den Bündnisfall beschreibt, bedeutet aber nicht viel. Denn das hieße nur, dass wenn ein Land der Pakts angegriffen werden würde, dass dann sich alle angegriffen fühlen.

Ob und welche Reaktion dagegen beschlossen würde, wäre dann die eigene Sache eines jeden Falles. Kein Land wäre gezwungen, automatisch dem angegriffenen Bündnispartner zu helfen. Da müsste erst eine „Koalition der Willingen“ gefunden werden, die dann militärische Maßnahmen ergreifen könne.

Langer Rede kurzer Sinn – so ein richtiges Bündnis scheint die Nato gar nicht zu sein. Die Ausführungen von Herrn Kamp erschienen mir sehr sachkundig. Seine Sprache aber erschien mir sehr bemüht, etwas zu rechtfertigen, das so eigentlich nicht funktionieren kann.

Das gibt mir dann auch wieder zu denken. Wahrscheinlich müsste man auch betreffend der Nato endlich mal den politischen Mut aufbringen, auch hier gründlich zu reformieren.

Vielleicht kann man im Internet ja das Interview nach hören. Dann einfach mal genau rein hören.

RMD

3 Kommentare zu “Die liebe NATO”

  1. Jens Hoffmann (Dienstag, der 26. Juni 2012)

    Danke für Deinen schönen Artikel. Allerdings bin ich ganz froh, dass im Natovertrag keine automatische Koppelung zwischen Angriff und kollektiver militärischer Aktion der NATO Mitglieder vereinbart ist.

    Diese Vertragsautomatismen waren es, die schließlich ganz Europa in den ersten Weltkrieg stürzten, ob wohl keiner so richtig Lust hatte.

  2. rd (Dienstag, der 26. Juni 2012)

    Hi Jens, da bin ich auch sehr froh. Wobei mir die Sinnhaftigkeit der Nato schon lange nicht mehr klar ist. Zum Beispiel kann ich mir nicht vorstellen, das der Raketen-Schutzschirm wirksamer ist als der EURO-Schutzschirm. Und viele andere Projekte leuchten mir auch nicht ein …

  3. rd (Mittwoch, der 27. Juni 2012)

    Jens Kommentar hat mich beschäftigt.

    Kann es sein, dass wir beim „EURO“ allein durch das Schaffen desselben genau so einen (impliziten) „Vertragsautomatismus“ geschaffen haben, der uns jetzt „vernünftiges“ Handeln verwehrt und in den Irrsinn der „Rettungsschirme“ und ähnlichen Blödsinns hinein treibt?

    Nur dass die Solidarität beim Rettungsschirm eben nicht zu Bomben und Granaten, Verletzten und Toten führt.

    Wobei ich an diesem „Irrsinn“ auch etwas Positives sehe. Denn vielleicht brauchen wir die „große wirtschaftliche Zerstörung“, um dann aus den Trümmern innovativ ein wieder (leicht) verbessertes System aufzubauen?

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