Roland Dürre
Freitag, der 1. Mai 2015

Die Macht der Druckpresse (des Internets)

Auf dem „Übersetzerportal“ habe ich folgenden Artikel gefunden.
Ich zitiere:

Erstmals haben arabische Fachleute im Rahmen einer UNO-Studie die politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Lage der 280 Millionen Menschen in den 22 Mitgliedsländern der Arabischen Liga untersucht. Im Abschlussbericht heißt es unter anderem: „Noch schlechter sieht es bei der Übersetzung ausländischer Bücher aus. Derzeit werden in der arabischen Welt lediglich 330 Bücher jährlich übersetzt; etwa ein Fünftel der Anzahl von Büchern, die ins Griechische übertragen werden. Allein Spanien übersetzt pro Jahr ebenso viele Bücher wie in den vergangenen 1.000 Jahren ins Arabische übersetzt wurden. Dabei hätten die arabischen Länder den enormen praktischen Vorteil, eine gemeinsame Sprache zu besitzen.
(Auszug aus dem „Arab Human Development Report 2002“ – erstellt mit Unterstützung des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen – UN Development Program, UNDP).

Das lässt mich nachdenken. Ich zitiere aus dem gefundenen Artikel weiter:

Das Pro-Kopf-Einkommen der Araber ist das zweit niedrigste der Welt. Nur die afrikanischen Länder südlich der Sahara schneiden noch schlechter ab. Der sagenhafte Ölreichtum der arabischen Welt ist demnach nur ein Mythos. Das Bruttoinlandprodukt aller arabischen Staaten, also einschließlich der erdölexportierenden Länder, machte 1999 insgesamt lediglich 531,2 Milliarden US-Dollar aus – das war weniger als das Ergebnis Spaniens.

Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass die arabischen Gesellschaften in erster Linie durch eigene Defizite in ihrer Entwicklung behindert werden: Mangel an politischer Freiheit, Unterdrückung der Frauen und eine Isolation vom freien Austausch der Ideen, die jede Kreativität erstickt. Die Studie wurde hauptsächlich von arabischen Intellektuellen und Fachleuten erarbeitet, so dass man ihre Sichtweise und die Ergebnisse nicht als von westlicher Arroganz geprägt abtun kann.

Zu den „übersetzten Büchern“ habe ich mal Zahlen im „brand eins“ gelesen, die aktueller aber auch nicht anders waren. An diesem Verhältnis hat sich nichts geändert. Zum Vergleich: Die als Hauptsprache griechisch sprechenden Menschen weltweit dürften deutlich weniger als 20 Millionen sein. Die Zahl der arabisch sprechenden Menschen ist jedoch gestiegen und dürfte heute bei über 300 Millionen liegen. Also auf eine kurze Formel gebracht: Pro Kopf gerechnet werden für einen Griechen 75 mal soviel Bücher in seine Sprache übersetzt als für einen Araber. Auch die wirtschaftliche Situation in den arabischen Ländern hat sich überraschender Weise in den letzten 15 Jahren nicht wesentlich verändert.

Columbia-Presse von 1820, ausgestellt in der DASA in Dortmund

Columbia-Presse von 1820, ausgestellt in der DASA in Dortmund

Im letzten Jahrtausend waren die Verfügbarkeit von Technologie und Medien (die Buchpresse) entscheidend für die Entwicklung der verschiedenen Imperien, Reiche oder Herrschaftsbereiche (und der so entstandenen Öffentlichkeit mit der langfristigen Folge von Demokratie). Heute ist es das Internet. Dies wird aber nicht vom Text sondern von Ton und Bild dominiert. Folgerichtig werden heute viel mehr Podcasts gehört als Text-Posts gelesen. Und wir haben einen massenhaften Konsum von Videos. Tendenz stark steigend.

So steigt auch im Amerikanisch-Europäischen Kulturkreis die Zahl der Analphabeten. In den USA wird schon heute als Teil der „Barrierre-Freiheit“ im Internet gefordert, dass z.B. die Behörden-Seiten neben den Menschen mit Handicap auch für „funktionale Analphabeten“ verständlich und gut nutzbar sein müssen. Das hat seinen Grund. Während in Deutschland nur etwa 7,5 Millionen Menschen (knapp 10 % der Bevölkerung) nach Angaben des Bundesverbandes für Alphabetisierung und Grundbildung als Analphabeten (Quelle) gelten, so haben diese in den USA einen Anteil von deutlich über 15 % an der Gesamtbevölkerung aus. Auch diese bei uns wie in den USA mit steigender Tendenz.

Man sieht, die Zukunft wird dem Podcast, dem Video und den Analphabeten gehören. Die Fähigkeit, die Schrift im Alltag so zu gebrauchen, wie es im (heutigen) sozialen Kontext als selbstverständlich angesehen wird, könnte verschwinden wie z.B. die Fähigkeiten von Kopfrechnens oder Addieren, Subtrahieren, Multiplizieren, Dividieren oder Ziehen der zweiten Wurzel auf Papier verlernt oder vergessen worden sind. Probiert es doch einfach mal aus. Zum Beispiel beim Abrechnen der Skat-Runde ohne entsprechender App auf dem iPad.

Die überwiegend islamische arabische Welt sollte mit dem Podcast aus religiösen Gründen kein Problem haben. Wundersame Weise scheint der Islam aber auch mit Videos kein Problem zu haben (siehe nicht nur die ISIS), obwohl ein Video doch nur eine Abfolge von Bildern ist. Was soll, eigentlich sind letztendlich alles nur Dateien mit Einsen und Nullen, ob ein Dokument, ein Spreadsheat, ein Bild, ein Audio und ein Video. Aber anscheinend sind die Videos mit der Religion vertretbar? So könnte das Video der Anfang vom Ende des Islams sein?

😉 Und so könnte es sein, dass das Internet einen Analphabetismus schafft, die die arabische Welt wieder wettbewerbsfähig macht und so für den Beginn einer neuen Ära der arabischen Welt sorgt.

RMD

P.S.
Mit „funktionalem Analphabetismus“ wird die Unfähigkeit bezeichnet, die Schrift im Alltag so zu gebrauchen, wie es im sozialen Kontext als selbstverständlich angesehen wird.

P.S.
Das Bild ist aus Wikipedia – Lizenz und Autor sind:

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