Roland Dürre
Mittwoch, der 2. Februar 2011

Die Schuldenuhr

Vor kurzem auf dem Wege zur TUM mit der U-Bahn nach Garching war ich wieder mal perplex. Alle meine Mitreisenden in meinem Viererabteil und nebenan hatten ein i-Phone oder ein ähnliches Gerät, und alle tippten wie besessen darauf herum. Mein Nachbarn neben mir spielte, er musste mit einem Flieger Türme zerbomben. Der Flieger hat es aber nie ganz geschafft und ist dann immer an einem Turmrest zerschellt.

SchuldenuhrIch habe auch ein neues Spielzeug. Es ist die Schuldenuhr. Die kostet nichts und ist sehr lustig. Eine 13-stellige Zahl wächst mit affenartiger Geschwindigkeit und spuckt immer neue lustige Ziffernfolgen aus. Sehr unterhaltsam.

Mir ist sehr wohl bewusst, dass diese Zahl metaphorisch gemeint ist. Aber auch, dass es dazu einen wahren Hintergrund gibt und diese Zahl unheimlich real ist.

Es gibt auf der Schuldenuhr auch noch eine 5-stellige Zahl. Die zeigt an, wie viel Schulden wir pro Kopf haben, ich und alle anderen Deutschen, ob Kleinkinder oder Greise.

Auch diese Zahl bewegt sich nach oben. Nicht so schnell wie die 13-stellige. Aber immerhin.

Ich habe mal beobachtet:

Am 24. 1. 11 18:00 waren es noch 23.174 €.

Am 27. Januar um 23:00 war es schon 23.188 €.

Am 28. Januar (alles 2011) um 22:00 waren es schon 23.192 €.

Das macht eine Differenz von 18 € in 100 Stunden, also in gut vier Tagen. Will heißen, gut 4 € am Tag. Diese Differenz beeindruckt mich, wachsen doch meine öffentlichen Schulden dann in der Woche um fast 30 € und im Monat um 120 €. Und das kann ich mir eigentlich nicht leisten. Was wäre, wenn ich privat so wirtschaften würde?

Ich würde ja meine Schuld gerne tilgen, damit das nicht immer so weitergeht. Kenne aber viele, die das Geld nicht haben. Was mich auch betrübt, dass die Schulden ja netto sind. Ich muss fast doppelt so viel verdienen, damit ich sie nach Steuern und Sozialabgaben bezahlen kann. Und an die 45.000 EURO ist für mich wirklich kein Pappenstiel.

RMD

P.S.
Unsere Bundeskanzlerin hat auf dem „Gipfeltreffen“ in Davos (Ende Januar 2011) gesagt, dass die BRD ein gutes Beispiel dafür wäre, wie man Schuldenbegrenzung und Wachstum unter einen Hut bekommen könne. Wenn ich das höre, reibe ich mir die Augen, pardon die Ohren. Die Schuldenuhr zeigt, dass es mit der Sanierung der bundesdeutschen Haushalte wohl nicht so weit her ist. Und wegen unseres Wachstums sollten wir uns auch nicht so loben. Was können wir dafür, dass die Chinesen und andere auf einmal alle Luxuslimousinen und Sportwagen mit vielen Zylindern haben wollen? Die eigentlich kein Mensch zum Leben braucht?

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2 Kommentare zu “Die Schuldenuhr”

  1. Chris Wood (Mittwoch, der 2. Februar 2011)

    If these figures are right, it is a bit worrying.
    State debt is growing p.a. at about 6%,
    Wages and cost-of-living at 2% or 3%,
    State pensions at about 1%.

    There is some consolation; state borrowing will drive up interest rates, so that anybody who has savings will profit more from them.

  2. Enno (Freitag, der 4. Februar 2011)

    Nein. Da wir offene Kapitalmärkte haben, spielt die Staatsverschuldung Deutschlands kaum eine Rolle für die Zinssätze.

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