Roland Dürre
Donnerstag, der 25. Juni 2015

Die Schule unserer Kinder – Erfahrungen im reichen Bayern.

Hier sehen wir das Schulgebäude, in dem meine Tochter Maresa Abitur gemacht hat und die beiden letzten Jahre ihrer Schulzeit im G8 verbracht hat. Wie alle unsere Kinder ist sie aufs Gymnasium in Ottobrunn gegangen.

So hatten wir von 1990 bis 2015 immer Kinder im Gymnasium, in einem Jahr hatten wir sogar in jeder ungeraden Klasse des G9 in Ottobrunn ein Kind (in der 5., 7., 9., 11. und 13. Klasse). Insofern haben wir eine große Erfahrung als „Kunde“ von der Bildungseinrichtung „Gymnasium“ aber auch „Grundschule“ und ich meine, ich kann bei Schule durchaus mitreden.

Das Gymnasium Ottobrunn hatten wir ausgewählt, weil es nur knapp einen Kilometer von unserem Haus in Riemerling in der Waldparkstraße entfernt war. Dort sind wir 1990 rechtzeitig zu Schulbeginn eingezogen. Da wir den Kindern keinen langen Schulweg zumuten wollten, waren  Entfernung und der Schulweg das priore Kriterium bei der Schulwahl.

20150619_110458_resizedDie Fächer in Ottobrunn haben auch gepasst, denn lebende Sprachen und Mathematik wurden angeboten. Im Hof stand sogar ein Gedenkstein, der an die Wichtigkeit von „Love and Peace“ erinnerte. Das hat mir gefallen und hat gepasst, denn so alt war die Schule gar nicht.

Der Eingang zur Kontainer-Schule in Höhenkirchen-Siegertsbrunn.

Der Eingang zur Kontainer-Schule in Höhenkirchen-Siegertsbrunn.

Im Laufe der Jahre wurde die Schule zwar größer aber nicht besser. Sie entwickelte sich halt wie viele Gymnasium hin zur unpersönlichen Lernfabrik. Aber dazu ein anderes Mal.

Heute geht es um das Gebäude, das immer mehr kaputt ging. Und noch schlimmer: Es stellte sich heraus, dass es mit Asbest oder anderen Giftstoffen verseucht war. So musste das Schulgebäude in Ottobrunn abgerissen und ein Neues gebaut werden.

Da traf es sich gut, dass in Höhenkirchen-Siegertsbrunn schon eine Container-Schule vorhanden stand. Ursprünglich ist sie wohl als Provisorium für das dortige Gymnasium gebaut worden. Ich dachte, dass dies nicht mehr gebraucht wenn, wenn das Gymnasium in Höhenkirchen-Siegertsbrunn fertig wäre.

Falsch! Denn dem Schulgebäude des Gymnasiums Neubiberg (einer Nachbargemeinde von Ottobrunn) war schon ein paar Jahre vorher das selbe Schicksal wie dem Ottobrunner wider fahren. So wurden erst die Neubiberger Schüler ausgelagert und mussten eine ganz schöne Zeitlang nach Höhenkirchen-Siegertsbrunn fahren.

Wie dann der Neubau des Neubiberger Gymnasium fertig war, durften die Neubiberger zurück und die Ottobrunner Schüler waren dran. Jetzt mussten sie in das Provisorium umziehen und sich an jedem Schultag auf die Reise nach Höhenkirchen-Siegertsbrunn machen. Und dort in die Kontainer-Schule gehen.

Das Ottobrunner Gymnasium-Gebäude wurde größten Teils abgerissen, um am selben Platz ein Neues bauen zu können. Denn eine Sanierung war angeblich kostenmäßig nicht sinnvoll.

20150619_110503_resizedFür meine Tochter hat das bedeutet, dass ihr Schulweg sich von zirka einen auf gut acht Kilometer (oder einer Fahrt mit der S-Bahn) verlängerte.

Ist eigentlich ja auch schon frech, denn wir haben ja Ottobrunn vor allem wegen der räumlichen Nähe gewählt. Und dann wird – zumindest schulisch – Ottobrunn ganz fix knapp zehn Kilometer in den Süden verlegt.

Das ist aber nicht das Schlimme! Der Hammer ist, dass die Kinder aus Ottobrunn in dem Kontainer-Provisorium viel glücklicher waren als die in dem schicken Neubau in Höhenkirchen-Siegertsbrunn gegenüber den Kontainern. Und werden es wahrscheinlich auch in den neuen Gymnasium in Neubiberg und Ottobrunn sein.

Das Grund ist, dass man im Neubau die Fenster nicht öffnen kann oder nicht darf. Denn das ist natürlich nach neuester Wärmedämm-Vorschrift gebaut – und wahrscheinlich hat da mal wieder der billigste Anbieter den Zuschlag bekommen. Gutes Klima in „modernen“ Gebäuden ist aber teuer. Da bekommt man dann schnell mal nach zwei Stunden Aufenthalt Kopfschmerzen und Schlimmeres. Und das in unserem immer näher kommenden Zeitalter der Ganztags-Schule. Mich hätte das als Kind in den Wahnsinn getrieben …

Rechts stehen die Kontainer, links das neue Gymnasium.

Rechts stehen die Kontainer, links das neue Gymnasium.

Auch die Lehrer nehmen die Gebäude-Kultur im neuen Schulhaus als sehr unangenehm war. Und freuen sich über jede Stunde Unterricht, die sie in der Container-Schule halten dürfen. Ich wollte es mal testen und war auch mal im neuen Bau. Noch kommt man ja ohne Ausweis oder Badge in die Schulen in Deutschland rein. Obwohl das wahrscheinlich in den zukünftigen Ganztagesschulen auch bald vorbei sein – aus Sicherheitsgründen. Bei meiner Besichtigung oder besser „Beschnupperung“ vor Ort hatte ich kein gutes Gefühl.

In Ottobrunn wird auch jetzt fleißig gebaut. Mitte des nächsten Schuljahres sollen die nach Höhenkirchen-Siegertsbrunn ausgelagerten Schüler dann zurück kommen und wieder Ottobrunner Luft atmen. Allerdings sollen sich im Ottobrunner Neubau die Fenster auch nicht öffnen lassen. Und bestimmt hat auch in Ottobrunn der billigste Anbieter gewonnen. So sollte man zumindest wieder Fenster einbauen, die geöffnet werden können (und auch dürfen).

Bin auch schon gespannt, wie lange die neuen Gebäude in Höhenkirchen-Siegertsbrunn, Neubiberg und Ottobrunn halten werden? Meine, dass auch bei da die Halbwertszeiten immer kürzer werden.

RMD

P.S.
In der Schweiz soll es bei öffentlichen Ausschreibungen eine Regel geben:
Wenn die Auswahl der zugelassenen Anbieter abgeschlossen ist, wird der billigste Anbieter gestrichen.

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