Die Winderhitzer der Völklinger Hütte.

„Die Winderhitzer der Völklinger Hütte. Auch Vintage.“

Obwohl ich E-Mail für Technik von vorgestern halte, habe ich natürlich noch ein paar E-Mail-Adressen. Da kommt viel Belangloses und Mist an.

Meine Aufgabe besteht dann vor allem darin, diese E-Mails zu löschen und meine „Kommunikations-Partner“ zu bitten, doch modernere Kommunikationsformen zu nutzen.

Heute musste ich aber mal wieder so richtig Schmunzeln. Da kam eine E-Mail von einem lieben und langjährigen Freund, den ich auch fachlich für sehr kompetent halte.

Der hat – an ganz viele Menschen (all@XYZ.de) – geschrieben:


Hi,

könnt ihr uns alle bitte mit dieser für mich vollkommen sinnfreien Diskussion in Ruhe lassen!!!!!

Ich habe meine Meinung zu Mail-Verteilern und interner Mail auch in der Umfrage zu den neuen Kommunikationsformen von mir gegeben.

Das ist ein typisches Beispiel dafür, warum E-Mail unternehmens-intern Blödsinn ist und die E-Mail-Verteiler insbesondere sofort abgeschafft werden sollten.

Mit Absicht an all!


🙂 Bei der „sinnfreien Diskussion“ ging es übrigens um das Problem mit „Akkus von I-Phones“ und deren Umtausch.

Ich habe dann geantwortet:


Deine E-Mail lässt mich schmunzeln. 😊

Bin ich doch genau Deiner Meinung – nur noch radikaler. E-Mail ist kein generelles Kommunikationsmittel mehr sondern ein völlig veraltetes, das man selbstverständlich in modernen Unternehmen nicht mehr nutzen sollte.

E-Mails an Dritte sollte man nur noch senden, wenn es einen Anlass gibt, für den man in vergangenen Zeiten tatsächlich einen Brief geschrieben, ein Telegramm aufgegeben (!) oder eine Telefonzelle aufgesucht hätte.

Alles andere sollte man mit Werkzeugen erledigen, die dem Zweck adäquat sind.

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!


Ja – ich mag E-Mails auch nicht. Oft sind sie mit einem Riesen-Footer ausgestattet, der dann noch künstlich mit viel Quatsch und völlig uninteressanten Hinweisen werblicher Art oder blödsinnigen juristischen Belehrungen verlängert ist.

Ich hasse die E-Mail-Dialoge, die mit jedem Dialogschritt eine immer länger werdende neue Inkarnation der Mail verursachen. Denn mit jeder Antwort entsteht eine E-Mail, wo dasselbe alles noch mal drinsteht ergänzt um die letzte Antwort. In der Ur-Zeit des Internets gab es Versuche, die E-Mail-Kommunikation ein wenig erfreulicher zu gestalten. Da gab es z.B. eine gute Regel, die man tofu nannte. Leider wurde „tofu“ aber nur von wenigen angewendet und ist so gescheitert.

Da Kommunikation erfolgt in der Regel als „Thread“ (Faden).  Spätestens seit dies im Chat perfekt möglich ist, ist E-Mail in vielen Fällen verzichtbar. Im „peer2peer“-Thread sehe ich immer sofort was in der letzten Zeit so alles ausgetauscht wurde. Das gilt auch für Menschen, mit denen ich ganz selten kommuniziere und ist da besonders wertvoll. Threads sind auch gut geeignet, wenn mehr als zwei Menschen gemeinsam kommunizieren wollen. Bei E-Mail führt es dann sofort zur katastrophalen Fluten bedingt durch „cc“ und „bcc“.

Dazu kommt, dass ich alltäglich gerne mit Bildern, Sprachnotizen (Audios) oder kleinen Filmen (Videos) kommuniziere. Wie umständlich ist das bei E-Mail für Sender und Absender? Man schaue sich einfach an, wie bbm, wechat, whatsapp, der „messenger“ von FB oder Skype, die „dm“ (direct message) von Twitter usw.  funktionieren. Von Snapchat, dem System mit der modernsten und einfachsten „Benutzer-Oberfläche“ möchte ich hier gar nicht reden.

Noch besser als chat-Systeme eignen sich „communities“ für die geordnete Kommunikation auch in größeren Teams/Gruppen. Im Internet gibt es viele „communities“ z.B. in Google+, die zeigen, wie es geht. Und wie man mit ganz einfachen Maßnahmen innerhalb einer „Organisation“ vortrefflich und trotzdem sehr strukturiert und hocheffizient kommunizieren kann. Und so auf den E-Mail-Blödsinn verzichtet und nicht dauernd die Nicht-Interessierten oder -Beteiligten voll mit Spam voll schüttet!

Im übrigen:

Auch Telefonieren ist OUT. Ich nutze das Telefon nur noch nach terminlicher Absprache, wenn es etwas Wichtiges zu erledigen gibt und ich mit einem Mitmenschen mit voller Aufmerksamkeit darüber sprechen will. So setze ich das Telefon im Auto oder in öffentlichen Räumen wie Zügen nicht mehr ein. Und auch für Wichtiges nutze ich Telefonie nur dann, wenn Bildtelephonie (Hangout, Facetime, Skype, Cisco, Citrix …) nicht möglich ist, weil mein Gesprächspartner das gute alte Telefon bevorzugt.

🙁 Nur zur Erinnerung. Die Funktion „Telefonieren“ ist auf dem Smartphone auch nur eine App für synchrone Sprach-Kommunikation, die es möglich macht, Verbindung mit Adressen aufzunehmen, die aus „Telefon-Nummern“ (Ziffern) bestehen und mit „voice-over-IP“ ein Telefonat emuliert.

Also:
Wenn mich jemand anruft und ich mich melde mit
„Wer stört denn jetzt schon wieder?“,
dann bitte ich, dies mir nicht übel zunehmen.

Ich bin weiter für jeden erreichbar, der mich braucht: Hier meine physikalische Telefonadresse 0049 171 4850115 (leider sind die symbolischen schon lange aus der Mode gekommen). Aber bitte wirklich nur anrufen, wenn es wirklich wichtig und ganz dringend ist!

Sonst bitte ich zu überlegen, ob es nicht genügt, mir eine asynchrone „(Sprach-)Botschaft“ über einen der Chatter die ich benutze zu senden oder falls es auf ein bestimmtes Thema bezogen ist, diese Nachricht in der entsprechenden Community zu hinterlegen.

RMD

3 Kommentare zu “Digitalisierungs-Vintage: E-Mail und Telefon. Oder: Schluss mit E-Mail- und Telefon-Terror!”

  1. Hans Bonfigt (Sonntag, der 27. November 2016)

    Hallo Roland!

    Also, hier kann ich Ihnen gar nicht folgen.

    Welches „moderne“ Kommunikationsmittel soll denn bitte Mail ersetzen?

    Wenn Sie die „Footer“ bemängeln: Das ist sinnloses Geschmiere von Idioten ohne Medienkompetenz, zumeist mit Äppel oder Outlook.
    Jeder, der es wissen will, weiß:
    – Signatur max. 4 Zeilen
    – eingeleitet von einem Signaturtrenner ‚– \n‘
    – kein HTML in Mails
    – Zitieren nur auszugsweise und Antwort unter das Zitat.
    So mailen seit Jahrzehnten intelligente Menschen.
    Den asozialen Dreck mit den angehängten Bildchen, HTML und allerlei Vertraulichkeitsschmu kann man leicht wegfiltern.

    Wie und womit wollen Sie schneller kommunizieren als mit Mail?
    Wie wollen Sie ein Dokument besser verschicken? Mit einem standardisierten Protokoll?

    Effektiv arbeitende Menschen kennen nur noch ein effizienteres Kommunikationsmittel: Das Telephon. Denn als quasisynchrones Kommunikationsmittel transportiert man Zusatzinformationen, sozialen Schmierstoff und bekommt die Rückmeldung sofort.

    Ich benutze -neben dem persönlichen Erscheinen- keinerlei weitere Kommunikationsmittel.

    Aber klären Sie mich doch auf:
    Welche habe ich versäumt?

  2. Hans Bonfigt (Sonntag, der 27. November 2016)

    Oh, und nebenher:

    „Tofu“, „Text oben, Fullquote unten“, war nicht eine Mailregel, sondern die primitive Unsitte des Win-DAU, das Insignium des technischen Analphabeten.
    Wir nannten diese rücksichtslosen, asozialen Idioten, welche unsere Mailserver zuspamten, „Fullquottel“.
    Ich revanchiere mich heutzutage gern, indem ich einen aktuellen Verschlüsselungstrojaner als Anhang mitsende. Oder so ein vielfach verschachteltes ZIP-Archiv mit insgesamt einer Million gepackte Dateien mit 1G Größe, nur Space enthaltend. Das zerlegt bei vielen Rezipienten der „Exchange-Server“.

    Mit der E-Mail verhält es sich wie mit dem Asylrecht: Eine elementar wichtige Errungenschaft wird in 80% der Fälle mißbraucht.

    Und hier brauchen wir eine Art „Intranet – Kaution“. Ein User muß für seinen Internetzugang 1.000,– hinterlegen, und wenn er andere Leute belästigt, indem sein neues „IoT-Home“ an Botnetzen teilnimmt oder indem er andere mit kaputten Mails inkommodiert, dann wird die Kaution eingezogen und der Account gesperrt.

    Und schwupps, da lernen auch die Windows-Benutzer Benehmen…

  3. rd (Sonntag, der 27. November 2016)

    Ganz kurze und doch wieder lange Antwort:

    Dokumente verschicke ich nicht mehr. Habe zwar noch keine „privat cloud“, aber das ist nur eine Frage der Zeit. Bis dahin nutze ich halt die „big cloud“. Alles was ich mache ist eh nicht so wichtig, dass es andere nicht sehen dürften.

    Ein Dialog-Faden (Thread) zeigt mir auf einen Blick den gesamten Dialog mit meinem Kommunikationspartner. Das ist wichtig, weil ich Dialoge mit sehr vielen Menschen führe. Dazu nutze ich heute am liebsten Chat-Systeme, und zwar immer die Technik, die mein Partner gerne nutzt, ganz gleich was das ist …

    Die große Schwäche des Telefons ist die „asynchrone“ Störung beim Angerufenen. Diesen Zeitverlust kann sich ein Mensch in meinem Alter nicht mehr leisten. Also muss bei mir ein Telefonat vorher vereinbart sein, z.B. in einem Dialog-Faden.

    Und wenn ich schon den Aufwand eines Telefonats betreibe, dann will ich meinen Mitmenschen auch sehen (genau wegen des sozialen Schmierstoffes) und z.B. wie im normalen Gespräch mit ihm Dokumente durchgehen oder ihm wie auf Papier meine Gedanken skizzieren und so visualisieren können, was ich so meine. Das geht bei „asynchroner voice over IP mit physischer Adressierung im Ziffernraum“ – auch Telephonie genannt – alleine nicht.

    Vielleicht noch zu den 80 %. Da würde ich 99,999… % schreiben. Und die zwingen einen dann auch noch bei dem Blödsinn mitzumachen, z.B. ein verändertes Dokument zurück zu senden. Ein Grund mehr, E-Mail zu hassen.

    Weiter:
    Ich fühle mich als analoges Wesen. Ich konnte ganz toll rechnen, habe aber auch häufig Migräne von meinen „digitalen Anstrengungen“ bekommen. Es könnte sein, dass Schreiben bald out ist – so wie Rechnen im Kopf oder auf Papier es schon ist. Wenn ich eine Botschaft habe, dann sende ich diese auch gerne als „Audio“. Der Höflichkeit halber aber nur an Menschen, von denen ich weiß, dass sie es mögen. Weil sprechen einfacher als schreiben ist. Besonders dann, wenn der Empfänger das mag oder er nicht lesen kann :-).

    Audiodateien sind übrigens auch technisch nicht aufwändiger als voice over IP (Telefon).

    ISDN und Sprache als anolages Signal auf einer Leitung sind vorbei – so wie die Zeit vorbei ist, in der man noch darauf Wert gelegt hat, dass die Telefonnummern auch schöne Begriffe bilden (1 war A, B und C, 2 D, E und F usw.) Dann hatte man zumindest symbolische Adressen :-). Oder mit schönster Handschrift auf Postkarten Grüße versendet hat (ich habe da wunderschöne alte und bewundere oft die schöne Handschrift meiner Vorfahren).

    P.S.
    Ich schreibe hier nie, weil ich recht haben will, ich schreibe nur meine Gedanken herunter 🙂

    P.S.1
    Ich bekomme immer wieder Anfragen, warum wir in IF-Blog eigentliche keine Podcasts machen: Mancher Leser würde sich zum Beispiel freuen, Ihre Artikel in Ihrer Stimme gesprochen zu hören (Ich auch) 🙂 – Aber so modern bin ich jetzt wieder noch nicht 🙁

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